Autorenlesung in der Erich-Kästner-Schule mit Uschi Flacke
Packende Geschichten und wie sie entstehen
Zwei spannende Schulstunden mit der Autorin Uschi Flacke waren vorbei. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Uschi Flacke begrüßte die beiden Schulklassen, Mädchen und Jungen aus der Gymnasialklasse 9 der Mittelstufe und der 10. Realschulklasse am Donnerstagvormittag zu Beginn der angekündigten Autorenlesung ausdrücklich zu einer „Begegnung“. Denn in den bevorstehenden zwei Schulstunden wollte sie keine Ein-Frau-Show bieten, die Autorin von über 50 Büchern, vielen Drehbüchern zu bekannten Fernsehsendungen und Filmen, die sich auch als Kabarettistin einen Namen gemacht hat, will mit den Schülern ins Gespräch kommen. Dass sie schließlich doch viele Passagen aus ihrem historischen Roman „Die Hexenkinder von Seulberg“ (erschienen 2003) vorlas, war der Wunsch der beiden Klassen. „Lesen Sie mal ruhig weiter“, kam die sehr bestimmte Ansage aus dem Publikum auf ihre Nachfrage. Das war kein Wunder, keine Zauberei, kein Hexenwerk – und doch hatte Uschi Flacke die jungen Leute auf ihre ganz eigene Weise in den Bann gezogen. Wie eine Idee entsteht und dann ein Buch daraus wird, erzählte sie detailreich am Beispiel einer wahren Geschichte aus Seulberg zu Beginn der Neuzeit, nur vier Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg. Nur zwei Personen in ihrem Roman habe sie selbst erfunden, um ein gutes Ende zu finden. Alle anderen Romanfiguren hat Uschi Flacke aus handschriftlichen Dokumenten kennengelernt, die ihr im Staatsarchiv in Wiesbaden zur Verfügung standen. Diese Protokolle von Befragungen, schrecklicher Folter und Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen als Hexen, Zauberer und verbündete des Teufels hat die Autorin sorgfältig durchgearbeitet. Abbildungen dieser Protokolle, alte Bilder und Stiche aus dieser Zeit der Folter, von der sehr abergläubischen Landgräfin zu Homburg und vom noch existierenden Turm im heutigen Bad Homburg, damals jedoch mit Folterkeller, hatte sie zur Illustration mitgebracht. Während Uschi Flacke aus dem Roman vorlas, schien es so, als sei sie damals mitten im Geschehen dabei gewesen, als hätte sie bei der fünfjährigen Anna gestanden, ja sogar in ihr kleines Herz geschaut, als dem Kind die schrecklichen Lügen einfielen, die schließlich das halbe Dorf ins Verderben führten. Auch wie die vierzehnjährige Kunigunde auf die Anzüglichkeiten des gleichaltrigen Christians reagierte, wurde beim Vorlesen wie hautnah fühlbar. Da aus dieser fernen Zeit heute nicht mehr alles bekannt ist, fragte Uschi Flacke die Schülerinnen und Schüler, immer wieder ob sie die verwendeten Begriffe kennen. Damals hatten Henker, das Angstloch und die Wasserprobe Konjunktur. Viele Menschen wurden zum Tode verurteilt, weil man glaubte, sie durch Folter der Hexerei oder als Verbündete des Teufels überführt zu haben. Lügen und Gerüchte brachten die Beschuldigten in diese Lage. Und heute? „Ganz furchtbar, was da in vielen Ländern abläuft, meinte Uschi Flacke und spannte den Bogen weiter zum Mobbing in den Schulen und Mobbingattacken in den Netzwerken. Warum macht jemand das? Die beiden Schulklassen überlegten die Gründe. Der Rat der Autorin: „Selbstbewusstsein entwickeln, gewaltfreie Wege finden, auch aus der Gruppe dagegen anzugehen, den eigenen Weg zu sich selbst zu finden“. Schließlich sei die Haltung hilfreich zu erkennen, dass Mobber wohl Minderwertigkeitsgefühle hätten: „Das ist deren Problem“. Zweimal im Jahr lädt Deutschlehrerin Sigrid Röhrborn Autoren aus dem Friedrich-Bödecker-Kreis in die Erich-Kästner-Schule zur Lesungen ein, um den Schülern Literatur aus erster Hand zu vermitteln. Als Mitglied dieses Vereins steht der Schule eine ganze Autorendatenbank zur Auswahl zur Verfügung. Hannelore Nowacki
Schulleiter Dr. Helmut Kaupe begrüßte Uschi Flacke zur Lesung in der Mediathek der Erich-Kästner-Schule. Foto: Hannelore Nowacki