MAGISTRATSPRESSEGESPRÄCH II: Parkraumkonzept soll Entlastung für Kurzparker schaffen / Park and Ride für Dauerparker angedacht
„Parken neu denken”
Der Behindertenbeirat Lampertheim hatte bereits vor einem Jahr auf die schwierige Situation für Rollstuhlfahrer, Kinderwägen aber auch Fußgänger aufmerksam gemacht – auch mit diesem Aspekt setzt sich das geplante Parkraumkonzept auseinander. Archivfoto: Eva Wiegand
LAMPERTHEIM – Die Suche nach einem Parkplatz kann dauern – häufig sind alle Parkmöglichkeiten belegt. Dies gilt auch für Lampertheim. Abhilfe soll hier ein neues Parkraumkonzept schaffen, welches in den nächsten Monaten konkretisiert werden soll. Die Grundlagen hierfür stellte Uwe Becher am Donnerstag im Rahmen eines Magistratspressegesprächs vor. „Ziel ist es, mehr Parkraum im öffentlichen Bereich in der Innenstadt zu schaffen diesen flexibler zu gestalten”, erläuterte er.
Denn: Lampertheim hat ein Parkproblem in der Kernstadt. Zu diesem Ergebnis kommt das Gutachten eines externen, unabhängigen Planungsbüros, welches von der Stadtverwaltung mit der Erstellung eines Parkraumkonzeptes beauftragt wurde. In erster Linie sieht das Gutachten einen Mangel in der Nutzung und fairen Verteilung des öffentlichen Straßenraums. So stellt vor allem das beidseitige Parken auf Gehwegen ein großes Problem dar. „Diese Art des Parkens schränkt Fußgänger und Personen mit körperlichen Einschränkungen massiv ein“, erklärte Bürgermeister Gottfried Störmer. „Das Gutachten hat außerdem herausgefunden, dass weniger private Fahrzeuge in Garagen gestellt werden, wenn das Gehwegparken geduldet wird.“ Als mögliche Gründe für dieses Verhalten führt das Gutachten Bequemlichkeit oder die Zweckentfremdung der privaten Parkflächen ins Feld. Laut Uwe Becher stellen Dauerparker das größte Problem in der Innenstadt dar: „Wir sprechen hier von rund 400 Fahrzeugen. Wenn diese Fahrzeuge nicht in der Kernstadt parken würden und wir sowohl das Anwohnerparken als auch das Kurzzeitparken in diesen Bereichen ausweiten, profitieren vor allem die Anwohner und die Einzelhändler von dieser Veränderung.“ Wichtigstes Argument sei laut Bürgermeister Störmer aber, dass sich durch den möglichen Wegfall des Gehwegparkens die Fußgänger und körperlich eingeschränkten Personen deutlich besser und vor allem sicherer bewegen können – gerade auch mit Blick auf die Mobilitätswende.
Neue Struktur beim Anwohnerparken
Das Gutachten schlägt des weiteren Maßnahmen wie die Ausweitung und Vereinheitlichung des Bewohnerparkens, die Einführung von Parkgebühren aber auch Anpassungen in der Beschilderung und Parkdauerbeschränkung sowie der Fahrradinfrastruktur vor. „Wenn wir mittelfristig den Parkdruck in Lampertheim minimieren wollen, sind wir gut beraten, Ideen in alle Richtungen zu haben“, so das Stadtoberhaupt. „Da darf es erstmal keine Denkverbote geben.“ Aus diesem Grund habe der Verwaltungschef auch die Idee eines Park & Ride-Parkplatzes an der Hans-Pfeiffer-Halle geäußert.
„Damit ist aber keine autofreie Innenstadt gemeint“, erklärt Störmer. Es ginge ihm vielmehr um die Fahrzeuge, die morgens im Innenstadtbereich geparkt werden und erst abends wieder wegfahren. „Wir wollen denjenigen, die dauerhaft das Auto abstellen, eine Alternative bieten”, ergänzte der Bürgermeister daher.
Auch Uwe Becher ist von dem Konzept überzeugt: „Wir gewinnen dadurch erhöhte Parkplätze für Kurzzeitparken mehr Parkraum und reduzieren den Parksuchverkehr.”
„Jeder, der seine Einkäufe beim Metzger, seinen Besuch beim Friseur oder sonstige Erledigungen mit dem Kfz tätigt, soll dies selbstverständlich auch in Zukunft machen können“, stellt Bürgermeister Störmer klar. Für seine Verwaltung habe er bereits ein Mobilitätskonzept beauftragt, welches genau analysiert hat, wie die Beschäftigten zur Arbeitsstelle kommen. „Wir werden als der größte Arbeitgeber in der Lampertheimer Innenstadt die Möglichkeit des Jobtickets oder auch des Fahrradleasings (JobRad) anbieten“, so Bürgermeister Störmer. So wolle man als gutes Beispiel vorangehen.
Das Parkraumkonzept, welches Ende September bereits im Umwelt-, Mobilität- und Energieausschuss präsentiert wurde, soll nun in weiteren Gremien und Arbeitskreisen diskutiert werden – zunächst am 8. Dezember im Verkehrsausschuss, dem auch Fachleute angehören. Von Seiten der Verwaltung möchte man in diese Prozesse ebenfalls wichtige Interessengruppen wie den Behindertenbeirat, Schulelternbeirat, Rettungskräfte und die Polizei einbinden. „Mit am wichtigsten sind aber tatsächlich die Anwohnerinnen und Anwohner, auf die die Entscheidungen unmittelbare Auswirkungen haben“, so Störmer. Hierzu soll es entsprechende Diskussionsmöglichkeiten geben, sobald die entsprechenden Vorstellungen des Parkraumkonzeptes erarbeitet sind.
„Wir werden uns jetzt Gedanken machen, wie das Konzept konkretisiert werden kann und wo wir Schwerpunkte setzen können. Ich hoffe, dass wir bis Sommer 2022 die Überlegungen abgeschlossen haben“, betonte Bürgermeister Störmer abschließend. Benjamin Kloos