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  • Do., 03. Dezember 2020, 16:48 Uhr
    Leben im Alter im Kreis Bergstraße: Altenhilfeplan fortgeschrieben

    „Perspektiven für Senioren” schaffen

    Das Leben im Alter im Kreis Bergstraße und damit verbundene Perspektiven für Senioren stehen im Mittelpunkt des Altenhilfeplanes. Foto: www.pixabay.com


    KREIS BERGSTRASSE — Der Altenhilfeplan „Perspektiven für Senioren” bietet sowohl Fachleuten als auch interessierten Bürgerinnen und Bürgern Orientierung zur Situation der Altenhilfe im Kreis. Nachdem der Kreistag in seiner letzten Sitzung die aktuelle Fortschreibung des Plans beschlossen hat, wurde dieser im Rahmen eines Pressegesprächs durch Landrat Christian Engelhardt, den Leiter des Sozialamtes Torsten Bach, Martina Zwecker von der Fachstelle Leben im Alter sowie dem Vorsitzenden des Kreis-Seniorenbeirates, Nikolaus Teves, der Öffentlichkeit vorgestellt.

    „Der gesellschaftliche Wandel verändert den Blick auf die Pflege, es ist eine große Herausforderung, die Pflege für die Zukunft zu gestalten”, leitete Landrat Engelhardt ein. „Durch die Veränderungen in unserer Gesellschaft nimmt gerade die Tagespflege an Bedeutung zu. Wir wollen für die älteren Menschen im Kreis eine gute und angemessene Versorgung, deshalb legen wir diesen Altenhilfeplan auf. Wichtig ist, dass die Seniorinnen und Senioren in unserem Kreis die Möglichkeit zur Teilhabe am öffentlichen Leben haben.”

    Torsten Bach erläuterte die Ziele der aktuellen Fortschreibung des Planes: „1988 wurde die Altenhilfeberichtserstattung ins Leben gerufen, seit 2005 wurde diese immer wieder fortgeschrieben – mit jeweils neuen Schwerpunkten. Ziel der jetzigen Fortschreibung sind die Grundlage für die Gestaltung der Versorgungsstruktur und das gesellschaftliche Engagement älterer Menschen zu fördern. Dazu gehört auch die Momentaufnahme der Strukturen im Kreis. 2021 wird es eine personelle Verstärkung des Fachstelle geben, um dann noch dezidierter arbeiten zu können.”

    Martina Zwecker stellte anschließend die wichtigsten Inhalte des Altenhilfeplanes vor. Die Anzahl älterer Menschen ab 65 werde sich bis zum Jahr 2035 fortsetzen, mit Stand vom 31.12.2019 sind im Kreis Bergstraße knapp 61.000 Menschen älter als 65 Jahre – und damit etwa 22 Prozent der insgesamt 270.000 Einwohner. Die Anzahl hochaltriger Menschen ab 80 Jahren betrug zu diesem Zeitpunkt rund sieben Prozent der Gesamtbevölkerung. Mit Blick auf die Pflegestatistik aus dem Jahr 2017 – die aktuelle Statistik aus dem Jahr 2019 lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor – weist insgesamt 11,505 Pflegebedürftige aus. „Damit liegt die Zahl erstmals über 10.000, insgesamt gibt es eine Steigerung von mehr als 60 Prozent vom Jahr 2003 bis zum Jahr 2017”, so Martina Zwecker. 6.227 dieser Pflegebedürftigen sind dabei älter als 80 Jahre. Und: 77 Prozent der Pflegebedürftigen ab 67 Jahren wohnen in der eigenen Häuslichkeit. Eine Steigerung gibt es auch im Bereich der Demenzbetroffenen – hier lag die geschätzte Krankenzahl im Jahr 2019 bei 5.226. Die Angaben zu Demenzbetroffenen sind jedoch sensibel zu handhaben, da nicht alle Betroffenen erfasst werden.

    Beratung nimmt zu

    „Was gehört zum Leben im Alter im Kreis Bergstraße? Es ist wichtig, dass man hier im Alter aktiv sein kann”, betonte Martina Zwecker. Auch nachbarschaftliche Hilfe wird in diesem Zusammenhang  immer wichtiger, ebenso wie die Zunahme von Seniorenbeiräten im Kreis. Diese setzen sich mehr und mehr für die Belange der Älteren auf politischer Ebene ein – so unter anderem auch in Bürstadt und Lampertheim. 

    Immer bedeutender wird auch die Beratung von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, die Nachfrage ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. „Hier ist der Pflegestützpunkt Bergstraße der erste Ansprechpartner, ebenso wie die Seniorenberatungen in den einzelnen Kommunen”, ergänzte Martina Zwecker. „Dies ist ein wichtiges Angebot der Orientierung und der Implementierung passender, individueller Hilfen.” Generell funktioniere die Zusammenarbeit aller Beratungen im Kreis sehr gut – auch im Bereich der Seniorenberatung, die ebenfalls stetig wachsenden Zuspruch erfahre.

    Stationäre und Kurzzeitpflege 

    Im Bereich der stationären Altenhilfe gibt es im Kreis ein großes Platzangebot mit 2,857 Heimplätzen. Die Bedarfsberechnungen weisen auf den Kreis gesehen jedoch ein ausreichendes Angebot an stationären Altenplefgeplätzen aus. „Eine veränderte Bedarfslage in Bezug auf das Wohnen im Alter lässt auch bei uns im Kreis die Umsetzung alternativer Wohnformen, auch bei Pflegebedürftigkeit, erwarten, so Martina Zwecker weiter. Anders sieht die Situation im Bereich der Kurzzeitpflege aus, hier sei aus fachlicher Sicht kein ausreichendes Angebot gewährleistet. Angestrebt wird hier eine Verbesserung des Angebotes im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben – wobei der Kreis selbst hier nur Empfehlungen geben kann.

    Bei der teilstationären Pflege und der Tagespflege hat sich das Angebot im Kreis von 49 in 2017 auf 11 kreisweite Tagespflegeplätze gesteigert, weitere sind in Planung. Hinzu kommen 53 ambulante Pflegedienste im gesamten Kreis, hier gibt es ein flächendeckendes Angebot der häuslichen Pflege. 

    Erstmals wurden die Pflegeberufe mit in den Altenhilfeplan mit aufgenommen. Seit diesem Jahr hat sich gerade auch bei der Ausbildung etwas geändert: Die ersten beiden Jahre der Ausbildung sind für alle Pflegeberufe gleich, erst im dritten Jahr erfolgt die Spezialisierung, beispielsweise für die Alten- oder aber die Gesundheitspflege. Im Kreis stehen 480 Ausbildungskräfte für Pflegefachfrauen und -männer zur Verfügung. Dies ist sehr wichtig, denn wir müssen die Pflege auch für die Zukunft sichern. Viele, die in diesem Bereich arbeiten, sind bereits in einem höheren Alter und es gibt großen Bedarf an Pflegefachkräften.”

    Landrat Engelhardt betonte in diesem Zusammenhang: „Die Pflegeberufe sind durch die Änderung der Ausbildung attraktiver geworden. Auch die Ausbildung wird neu finanziert und die Bezahlung hat sich verbessert. Zudem ist es ein Beruf, auf den wir alle angewiesen sind!”

    Über die bisherigen Angebote hinaus wird ein Fachkräftebündnis gegründet. Ein(e) ehrenamtlicher Pflegebeaufragte(r) wird als Ansprechpartner und Sprachrohr for die Belange Pflegebedürftiger im Kreis Bergstraße eingeführt und soll die Belange Pflegebedürftiger in der Gesellschaft sensibilisieren. 

    Künftige Schwerpunkte der Altenpflege seien die Sicherung und Weiterentwicklung der Beratungsangebote, die Vernetzung professioneller und freiwilliger Dienstleister, alternative Lebens- und Versorgungskonzepte unter Einbeziehung der Beteiligten sowie der Ausbau der Sozialplanung der Altenhilfe.

    Der Vorsitzende des Kreis-Seniorenbeirates, Nikolaus Teves, dankte dem Kreis für dessen sehr engagierte Unterstützung für Senioren und den Bereich der Pflege. Der Seniorenbeirat wolle darüber hinaus gerade ältere Menschen motivieren, mit dem Internet umzugehen. Hierfür sollten seiner Ansicht nach die technischen Geräte so ausgestaltet sein, das ältere Menschen diese problemlos bedienen können. Im Bereich der Freizeitgestaltung baut der Seniorenbeirat zudem ein Verzeichnis barrierefreier Angebote auf, welches Ort enthält, an denen man sich mit der Familie barrierefrei bewegen kann. Benjamin Kloos

     
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