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  • Mi., 01. Juli 2020, 17:20 Uhr
    GESUNDHEITSPRÄVENTION: Durch Impfung können schwere Erkrankungen vermieden werden / Gerade in Zeiten von Corona sinnvoll

    „Pneumokokken-Impfung kann Leben retten!”

    Eine Impfung kann Leben retten und schweren Erkrankungen vorbeugen – daher ist gerade aktuell die Impfung gegen Pneumokokken insbesondere für ältere Menschen zu empfehlen. Foto: www.pixabay.com


    KREIS BERGSTRASSE – Pneumokokken sind die häufigste Ursache für Lungenentzündungen. Dabei können die gefährliche Erreger auch mit anderen Krankheiten einhergehen und die gesundheitliche Situation des Erkrankten deutlich verschlechtern – auch und gerade im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung. Aus diesem Grund hatte die Gesundheitsdezernentin des Kreises, Diana Stolz, am Mittwoch zu einer Videopressekonferenz eingeladen, in der dieses wichtige Thema behandelt wurde. Ihr zur Seite standen Dr. Jörn Müller von der Gemeinschaftspraxis Dr. Seelinger in Lampertheim und Apothekerin Eva-Maria Keitemeier sowie die Gesundheitspräventionsbeauftragte des Kreises, Reinhild Zolg.

    „Im März hat der Bundesgesundheitsminister dazu aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Bei den Pneumokokken handelt es sich um Bakterien, die aber zu einem sehr gefährlichen Krankheitsverlauf führen können, beispielsweise zu einer Lungenentzündung”, erläuterte Diana Stolz. „Und wenn dies zu einer Coronainfektion obendrauf kommt, kann dies sehr gefährlich werden. Im Kreis Bergstraße hatten wir entsprechende Fälle, daher ist es wichtig, sich impfen zu lassen. Auch in der Kreisverwaltung haben wir unseren Mitarbeitern angeboten, sich impfen zu lassen, dies ist gut angenommen worden, da es gerade jetzt eine sehr sinnvolle Impfung ist. Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass der ein oder andere im Moment den Arztbesuch scheut. Gerade für solche Maßnahmen sollte man den Arzt jedoch unbedingt aufsuchen, gerne auch nach einem Anruf. Die Hausärzte beraten sehr gerne!”

    Dem stimmte Dr. Jörn Müller, der die fachliche Seite weiter erläuterte, zu: „Gegen Pneumokokken gibt es eine standardmäßige Impfung bei Kindern unter zwei Jahren und bei Menschen ab 60 Jahren, nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Es gibt zwei Impfstoffe, einen für Kinder bis zwei Jahren, mit denen sie dreimal geimpft werden, und einen für Erwachsene. Der Grund hierfür ist, dass Pneumokokken bei Kindern nicht nur Lungenentzündungen verursachen können, sondern auch Mittelohrentzündungen, Nasennebenhöhlenentzündungen und Hirnhautentzündungen. Die Ursache hierfür liegt im noch nicht ausgebildeten Immunsystem, daher werden Kinder bereits im Alter von zwei Monaten erstmals geimpft.” Bezüglich den Erwachsenen gibt es nach Dr. Müller die „grundsätzlche Empfehlung für Menschen ab 60 Jahren, sich impfen zu lassen. Die Infektion dreht sich hier fast immer um Lungenentzündungen, diese kann jedoch sehr schwer verlaufen. Man geht davon aus, dass 5.000 Menschen in Deutschland jährlich an Pneumokokken sterben.” Pneumokokken verbreiten sich vor allem dann sehr gut, wenn der Körper bereits geschwächt ist: „Bei Corona kann man davon ausgehen, dass das Immunsystem geschwächt ist und die Pneumokokken  sich so gut verbreiten können”, so Dr. Müller. „Jeder, der 60 ist, bekommt die Impfung angeboten und wird einmal geimpft, es wird zudem eine Wiederauffrischung im Abstand von frühestens sechs Jahren empfohlen. Auch wenn bestimmte Vorerkrankungen wie beispielsweise Diabetes vorliegen, ist es ebenfalls wichtig, dass gegen Pneumokokken geimpft wird, unabhängig vom Alter, ebenso wie bei anderen chronischen Erkrankungen.“

    Apothekerin Eva-Maria Keitemeier betonte, dass sie ein „großer Fan von der Impfung” sei. „Wir können froh sein, das wir einen Impfstoff haben, bei Corona warten wir sehnsüchtig darauf. Es gibt viele weitere Erkrankungen, gegen die wir uns impfen lassen und so schwere Folgeerkrankungen verhindern können.” Für Menschen, die Corona haben, sei es „eine große Herausforderung, wenn Pneumokokken hinzukommen. Erfreulich ist, dass viele Menschen auf den Aufruf im März reagiert haben und sich impfen ließen. Wir haben 2020 eine siebenmal so häufig Pneumokokken-Impfung wie im vergangenen Jahr und es ist gut, dass sich viele impfen lassen wollten.“ Eine besondere Impfreaktion sei nicht zu erwarten, so die Apothekerin, die erklärt, dass man nach einer Impfung nicht direkt geschützt ist. „Es dauert noch zwei bis drei Wochen, bis das Immunsystem die Antikörper bildet.”

    „Lassen Sie sich beraten, entweder bei der Apotheke oder in der Impfberatung beim Hausarzt! Wir haben Corona noch nicht überstanden, gerade jetzt ist die Impfung gegen Pneumokokken ein Thema”, rief Gesundheitsdezernentin Diana Stolz abschließend zur Impfung auf. Benjamin Kloos

     
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