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Di., 10. Dezember 2019, 10:59 Uhr
Verein für Heimatgeschichte präsentiert im Burg-Stein-Museum Sonderausstellung bis März 2020
„Poesiealben, farbige Begleiter der Jugend“ aus drei Jahrhunderten
In den Vitrinen lagern Schätze früherer Kreativität im Schreiben, Malen und Illustrierung mit Einklebebildern, die bei der Ausstellungseröffnung vielfach bewundert wurden. Begeistert waren auch Bärbel Kilian und Silvia Kraus aus Lampertheim. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – Erinnerungen und emotionale Rührung spielen bei der Sonderausstellung im Burg-Stein-Museum eine große Rolle, fast unvermeidlich beim Blick zurück auf die Jugendzeit und die über 50 eindrucksvollen Ausstellungsstücke. So erging es vielen Besuchern, die zur Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Poesiealben, farbige Begleiter der Jugend“ am Sonntagnachmittag gekommen waren. Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, begrüßte die Besucher und verwies auf Gisela Gibtner, der diese Sonderausstellung zu verdanken sei. Bürgermeister Felix Kusicka drückte in seinem Grußwort seine Faszination aus, die er beim Anschauen der Exponate empfunden habe. Beeindruckt habe ihn, welche Inbrunst und Liebe sich dort verewigt habe, dies sei „ein ganz großes Glück für die Heimatgeschichte“. Gisela Gibtner, im Vorstand des Vereins für Heimatgeschichte für die Schriftführung zuständig, erläuterte die Geschichte der Poesiealben in Deutschland und wies auf Besonderheiten in den Eintragungen der Exponate hin, Leihgaben von Menschen aus Biblis, Nordheim und Wattenheim. Der Brauch, guten Freunden Namen, Wappen und einen Wahlspruch auf Karten oder in ein Büchlein zu schreiben, sei Mitte des 16. Jahrhunderts unter Adligen aufgekommen, erklärte Gibtner, damals auch Stammbuch oder „Album Amicorum“ (Album der Freunde) genannt. Studenten ließen sich von ihren Lehrern etwas ins Stammbuch schreiben, was Martin Luther und Reformator Philipp Melanchthon wohl gerne taten. Lange Zeit war es reine Männersache. Als sich ab 1850 im Bürgertum das Schreiben und Lesen verbreitet habe, sei es zum Aufschwung für die die Poesiealben gekommen, jedoch immer noch ein Brauch unter Erwachsenen. Erst im 20. Jahrhundert ließen sich Jugendliche und Grundschulkinder ins Poesiealbum schreiben – nun waren auch die Mädchen vermehrt beteiligt. Klassenkameraden, Familienangehörige, Lehrer, Pfarrer und andere Wegbegleiter haben sich in die Büchlein eingetragen, die heute unter dem Begriff „Freundschaftsbuch“ mit vorgegebener Struktur geläufig sind. Lesenswerte Lebensweisheiten, Gedichte, Sprüche und Dichterzitate sind in der Ausstellung zu entdecken, eine Zeitreise, die am Sonntag auch interessierte Besucher aus Lampertheim anzog. Zu den ältesten Eintragungen zählen diejenigen in schöner alter Schrift mit romantischen Bildern aus den 1880er Jahren.Die Idee zur Ausstellung hatte Gisela Gibtner, nachdem sie ein Poesiealbum für das Burg-Stein-Museum erhalten hatte und Sigrid Röhrborn ihr erzählte, dass es sogar eine Doktorarbeit über Poesiealben gibt, von der sie einen Bericht gelesen hatte.Die Sonderausstellung im Burg-Stein-Museum, Rathausstraße 1 in Nordheim, ist ab 15. Dezember zu den üblichen Öffnungszeiten von 10 bis 12 Uhr an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat bis März 2020 bei freiem Eintritt zu sehen. Hannelore Nowacki
Das Gedicht über Biblis aus dem Jahr 1946 trug Gisela Gibtner in ihrer Einführung vor. Foto: Hannelore Nowacki