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  • Mi., 11. Dezember 2019, 10:52 Uhr
    Baugenossenschaft Lampertheim stellt jungen Syrer als Bauingenieur ein / Vorbild für andere Unternehmen

    Positives Beispiel der Integration soll Schule machen

    Kamal Agha (r.) flüchtete aus Syrien nach Deutschland – seit dem 1. Dezember ist er als Bauingenieur bei der Baugenossenschaft Lampertheim tätig. Sehr zur Freude von Architekt Dr. Gerd Siedler (l.). Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Dass man nicht alle Asylsuchenden im Hinblick auf Integration über einen Kamm scheren sollte, ist hinreichend bekannt – denn unter den Flüchtlingen sind viele Menschen mit einer hohen beruflichen Qualifikation, die für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft einen hohen Gewinn darstellen. Für einen von ihnen gab es nun ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk in Form einer neuen Arbeitsstelle: Für den 28-jährigen Kamal Agha, der aus Homs in Syrien nach Deutschland gekommen ist. Nach seiner Ankunft in Deutschland kam er nach Viernheim, wo er zunächst in einer Unterkunft für Geflüchtete wohnte, nun aber eine Wohnung gefunden hat. Direkt nach seiner Ankunft vor vier Jahren besuchte er einen Integrationskurs, mit dem Ziel, schnellstmöglich Arbeit zu finden, denn er wollte niemandem zur Last fallen. 

    „Zunächst hatte ich Schwierigkeiten mit der neuen Sprache, dem neuen Land und der neuen Kultur. Aber jetzt klappt es in allen Bereichen viel besser”, betonte Kamal Agha am Mittwoch im Rahmen eines Pressegesprächs in den Räumen der Baugenossenschaft Lampertheim (BGLA). Der Ort für das Pressegespräch war bewusst gewählt, denn seit dem 1. Dezember ist Kamal Agha bei der BGLA als Bauingenieur in der Planungsabteilung tätig. Zuvor hatte er im Oktober ein vierwöchiges Praktikum absolviert – und dabei den Architekten Dr. Gerd Siedler von seiner Qualifikation mehr als überzeugt: „Kamal Agha hat großes Potential und hat sich unglaublich schnell eingefunden. Er hat fünf Jahre in Damaskus studiert und anschließend ein Jahr lang in der Türkei gearbeitet. Er ist sehr angenehm im Umgang und sowohl fachlich als auch menschlich ein Glücksgriff.”

    Der Erstkontakt zwischen BGLA und Kamal Agha kam im August 2018 zustande, im September folgte ein Vorstellungsgespräch. „Leider hatten wir zu diesem Zeitpunkt keine Planungsabteilung in unserem Haus, haben aber für ihn eine gute Chance gesehen und mit dem Jobcenter Fördermöglichkeiten erörtert. Bedingt durch neue Bauvorhaben haben wir dies im April 2019 geändert und Dr. Gerd Siegler als Architekten eingestellt, gemeinsam mit seiner Frau, um die Planungen selbst im Haus vornehmen zu können”, erläuterte Wolfgang Klee, Vorstand der BGLA. „Wir haben direkt Kontakt mit Herrn Agha aufgenommen und ihm ein Praktikum angeboten. Leider war er beruflich eingebunden, aber wir sind in Kontakt geblieben und so konnte im Oktober doch ein Praktikum absolvieren. Dr. Siegler hat sich wie das gesamte Team für ihn ausgesprochen, so dass wir ihn zum 1. Dezember eingestellt haben.” Ein Lob sprach Wolfgang Klee an das Kommunale Jobcenter Neue Wege aus: „Die Zusammenarbeit war schnell, unkompliziert und unbürokratisch.”

    Der Weg zur neuen Arbeitsstelle ist ein Beispiel gelungener Integration, die Nachahmer sucht – auch wenn es für Kamal Agha immer wieder Steine im Weg gab, die überwunden werden musste. Dies zeigte Nicole Schuster-Pütz vom Kommunalen Jobcenter auf. „Anfang 2018 habe ich Herrn Agha kennengelernt, damals haben wir noch in Englisch kommuniziert. Bereits Ende 2018 konnten wir uns bereits in Deutsch unterhalten. Ich habe direkt erkannt: Kamal Agha muss in seinem erlernten Beruf arbeiten, hierzu hat er mehrere Praktika absolviert. Doch der Wunsch zu arbeiten wurde Anfang 2019 immer stärker, so dass er in einem Betrieb anfing, in dem er beruflich nicht zu Hause und für den er überqualifiziert war. Ich freue mich, dass sich durch die BGLA diese Chance für ihn ergeben hat, und wir werden ihn auch weiterhin begleiten.”

    Annette Reinhardt-Klee vom Viernheimer Sozialzentrum betonte die Hintergründe des Pressegesprächs: „Es war uns wichtig, ein positives Beispiel der Arbeitsvermittlung von Flüchtlingen in der Öffentlichkeit darzustellen und Unternehmen aufzuzeigen, dass es wichtig und sinnvoll ist, Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance zu geben. Denn diese bringen häufig eine hohe qualifizierte Ausbildung mit.” Dabei ist es für die Unternehmen in Form der Förderung durch das Teilhabeförderungsgetz möglich, eine deutliche Unterstützung für Lohnkosten zu erhalten, um bestimmte Einarbeitungszeiten zu überwinden. Daher ist es aus Sicht des Jobcenters gewünscht, dass Unternehmen auf dieses zukommen. Benjamin Kloos

     

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