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  • Mo., 20. September 2021, 11:18 Uhr
    KOMPASS: Lampertheim ist Vorzeigekommune / Informationen und Aktionen für Groß und Klein

    Präventionstag – die Sicherheit im Fokus

    Bei der Podiums-Runde erfuhr man Interessantes über abgeschlossene, laufende und kommende Projekte, die Lampertheim noch sicherer machen. Foto: Nadine Schütz


     

    LAMPERTHEIM – Am vergangenen Sonntag fand im Stadtpark der gut besuchte Präventionstag der Stadt Lampertheim statt. Kommunalprogramm Sicherheitssiegel, kurz KOMPASS, heißt die Präventions-Initiative des Hessischen Innenministeriums, dem sich die Stadt Lampertheim verschrieben hat. Den Schulweg sicherer machen, Angsträume kompensieren, Kriminalität verringern – das sind nur wenige Stichpunkte, bilden aber dennoch gut ab, worum es bei der Initiative geht.

    Bürgermeister Gottfried Störmer dankte zu Beginn der Veranstaltung zunächst nicht nur der Vollzugspolizei Lampertheim, sondern auch den 11 Ehrenamtlichen im Freiwilligen Polizeidienst. „Sie opfern für uns ihre Freizeit und stärken durch ihre Präsenz das Sicherheitsgefühl.“ Dann gab er das Wort ab an den Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Südhessen, Bernhard Lammel. „Mein erster Eindruck, als ich in den Lampertheimer Stadtpark kam, war ‚heile Welt‘“, sagte dieser gleich zu Beginn. Noch vor ein paar Jahren war im Stadtpark die Drogenszene beheimatet. Nun gehört Lampertheim einem der fünf sichersten Landkreise Hessens an. „Wir wollen, dass die Menschen sich in der sicheren Region, in der sie leben auch sicher fühlen“, betonte Lammel und verwies auf die funktionierende Zusammenarbeit zwischen Polizei, Kommune und Bürger. „Zusammen wird’s einfach gut!“, erläuterte er weiter und machte klar, dass Sicherheit mit Lebensqualität gleichbedeutend sei. „Sie sind hier sehr gut aufgehoben. Arbeiten Sie weiterhin gemeinsam mit der Polizei und der Kommune zusammen!“, motivierte der Polizeipräsident die Bürger.

    Die statistische Bestätigung kam prompt: Die Aufklärungsquote der im vergangenen Jahr verzeichneten Kriminalfälle liegt bei 62,8 %. Dies erläuterte Erster Kriminalhauptkommissar Norbert Wembacher als kommissarischer Leiter der Regionalen Kriminalinspektion der Polizeidirektion Bergstraße bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik. „Lampertheim steht mit dem kontinuierlichen Rückgang der Fälle in allen Bereichen sehr gut da“, schloss er seinen Bericht.

    Schutzfrau vor Ort


    Matthias Seltenreich, Leiter der Polizeistation Lampertheim-Viernheim, kam nun die Ehre zuteil, die Schutzfrau vor Ort und ihre Aufgaben vorzustellen: Polizeioberkommissarin Christina Wegerle, selbst Mutter zweier Kinder, weiß worum es geht, wenn die Themenkomplexe Kinder und Sicherheit aufeinandertreffen. Gerade der Schulweg birgt gewisse Risiken, so falle nicht nur die Verkehrserziehung der Kinder sondern auch die Aufklärungsarbeit bei den Eltern sowie die Lösungssuche für ortsspezifische Problemstellen unter ihre Aufgaben. Somit ist Christina Wegerle Teil des zweiköpfigen KOMPASS-Teams in Lampertheim. Als weiteres Team-Mitglied stellte Seltenreich Katja Stotz-Şen, Verantwortliche für den Bereich Kriminalprävention bei der Ordnungsbehörde Lampertheim, vor. Auch sie kennt sich als Mutter und Lampertheimerin bestens mit der Thematik und auch den Gegebenheiten vor Ort aus. Seltenreich lobte die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Frauen und sagte: „Danke, dass Sie beide mit so viel Herzblut dabei sind!“

    Podiumsrunde

    Uwe Becher, Fachbereichsleiter Verkehr, Sicherheit und Ordnung, moderierte anschließend eine Podiumsrunde, die durch Gottfried Störmer eingeleitet wurde: Die Sicherheit einer Stadt dürfe nicht allein der Polizei überlassen werden, machte er bewusst. Die Bürger müssten sich aktiv beteiligen. Als ein kleiner, aber wichtiger Baustein nannte er die Sauberkeit. Wenn jeder die Straße vor seinem Grundstück pflege, trage dies zu einem sauberen Stadtbild bei. Wo es sauber ist, bleibe es sauber. „Sauber“ indes assoziiere man mit „ordentlich“ und „ordentlich“ wiederum mit „sicher“.

    Der polizeiliche Beitrag zum KOMPASS-Programm liege, so Matthias Seltenreich, in der Präsenz, der Präventionsarbeit und der engen Zusammenarbeit mit Bürgern, Vereinen, Institutionen und dem Gewerbe.

    Katja Stotz-Şen erläuterte zum Thema „Sicherer Schulweg“, den Projektablauf von der Elternbefragung über die Analyse zusammen mit der Polizei und den Schulen hin zur Umsetzung, beispielsweise der Installation von Pollern. Christina Wegerle sprach in diesem Zusammenhang auch das Problem „Eltern-Taxi“ an. Durch die Schaffung von Elternhaltestellen habe man die Situation vor der Schule entschärft und biete den Kindern einen sicheren Weg zur Schule. Bettina Noll, Jugendkoordinatorin der Polizeidirektion Bergstraße ergänzte, dass zahlreiche Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche erarbeitet und umgesetzt wurden und werden. So nannte sie als Beispiel die über 2.500 Leon Hilfe-Inseln, die überall in Hessen zu finden sind. Diese böten Kindern ein subjektives Sicherheitsgefühl. Gemeint sind Geschäfte und Einrichtungen, die sich im Sinne der Zivilcourage bereiterklären, Kindern Schutz und Hilfe zu bieten – bei kleinen Verletzungen, wenn sie sich verlaufen haben, sich bedroht fühlen usw. Gekennzeichnet sind die Hilfe-Inseln mit einem kleinen gelben Plakat mit dem Löwen Leon, dem Kinderkommissar. Noll freute sich darüber, dass Lampertheim das Projekt in ganz hervorragender Art und Weise umgesetzt habe: „Die Stadt Lampertheim ist das absolute Vorbild.“

    Angsträume entschärfen

    Warum entsteht eigentlich dieses komische Gefühl der Unsicherheit an bestimmten Orten? Auch dieser Frage geht man im KOPMASS-Programm nach. Die Analyse zeigte: Dreck, Gestank, Dunkelheit und konsumierende Menschen tragen dazu bei, sich unwohl zu fühlen. Sind die Gründe bekannt, kann in den meisten Fällen gut Abhilfe geschaffen werden. So werden die alten Leuchten in der Fußgängerunterführung an der B44 demnächst ausgetauscht. Die Wände wurden dort bereits mit einem offiziellen Graffiti verschönert. Wünschenswert wäre nun seitens des KOMPASS-Teams ein Streetworker, der den Zugang zu problembelasteten Zielgruppen herstellt.

    Auch der Stadtpark war und ist ein großes Thema im Zusammenhang mit der Materie Angsträume, weiß Sabine Vilgis, Fachbereichsleiterin der Technischen Betriebsdienste. So wurde um die Sichtbarkeit zu verbessern ein Pflanzenrückschnitt vorgenommen und in Zusammenarbeit mit der Stadtjugendpflege und dem Jugendbeirat das Toilettenhäuschen verschönert. Zudem ist ein Konzept zur intelligenten Beleuchtung im Stadtpark in Planung. Eine dieser modernen Laternen, steht bereits am Hochzeitstor.

    Auffällig sei auch die Situation am Ringspielplatz, so Stotz-Şen. Man habe aber inzwischen Zugang zu den Jugendlichen gefunden, sodass man gemeinsam ins Gespräch gehen könne um Bedürfnisse und Wünsche zu erörtern.

    Wie geht es weiter mit KOMPASS?

    Christina Wegerle möchte die Senioren mehr eingebunden sehen. Hier sieht sie insbesondere über den Seniorenbeirat gute Chancen. Aber auch vor Ort, z. B. auf dem Wochenmarkt, soll der Kontakt gesucht und nicht nur im Hinblick auf die Mobilität über Sorgen und Nöte gesprochen werden.

    Weiterhin ist im kommenden Jahr eine Müllkampagne geplant. Hierzu soll es drei Aktionstage geben und das Fundstück des Monats jeweils auf dem Europaplatz ausgestellt werden. Ziele sind hier die Öffentlichkeitsarbeit, gerade auch was die Mülltrennung oder Verrottungsdaten betrifft, aber auch ein Ausflug mit Kindern zur ZAKB.

    Das Sicherheitssiegel

    Stefanie von Hammel, Stabsbereich Prävention vom Polizeipräsidium Südhessen, fasste abschließend zusammen, dass in Hessen bereits 19 Kommunen mit dem Sicherheitssiegel ausgezeichnet wurden. Lampertheim sei auf seinem Weg zum Siegel eine Vorzeigekommune. Die Bürgerbefragung sei bereits in Auswertung. Daraufhin erfolge die Analyse sowie die Ermittlung des entsprechenden Bedarfs an Maßnahmen vor Ort. Bei einer Sicherheitskonferenz soll dann die Umsetzung der Maßnahmen vorgestellt werden, woraufhin das Sicherheitssiegel verliehen werden kann.

    Präventionswegweiser für Lampertheimer Schulen

    Ebenfalls im Zuge des KOMPASS-Programmes wurde ein Präventionswegweiser erstellt. Dieser Aufsteller mit dem Titel „Stark mit Schule“, der in seiner Form an einen Tischkalender erinnert, ist das Nachschlagewerk schlechthin für alle Lehrerinnen und Lehrer der Klassen eins bis 13 wenn es um das Thema Prävention geht. Hier finden sich Angebote und Informationen für Lehrkräfte zu Problemen wie der Umgang mit Mobbing, Sucht, Rechtsextremismus, Medienkonsum usw. In Kürze wird es die passenden Unterrichtsmaterialien dazu geben. Diese altersgerecht ausgestatteten Präventionskoffer können von den Schulen kostenfrei geliehen werden.

     

    Der Präventionswegweiser zeigt Lehrkräften Informationsangebote zu brisanten gesellschaftlichen Themen im Alltag von Schülerinnen und Schülern auf. Foto: Nadine Schütz


     

    Eine besondere Freude war es Bürgermeister Störmer sowie den Damen Stotz-Şen und Noll, nicht nur den erschienenen Schulleiterinnen, sondern auch dem Kreisbeigeordneten Philipp-Otto Vock, der stellvertretend für den Landrat eingetroffen war, ein Exemplar des Präventionswegweisers überreichen zu dürfen. Vock erkannte Lampertheim als eine Stadt der Schulen an und zeigte aus Sicht des Kreises Bergstraße Dankbarkeit, dass „die Hüllen, die der Kreis zur Verfügung stellt mit Leben gefüllt werden.“ Den Präventionswegweiser werde er gerne als Beispiel und mit der Empfehlung der Nachahmung dem Landrat überreichen.

    Infos und Gespräche

    Im Anschluss an den offiziellen Akt entstanden an den zahlreichen Info-Ständen interessante Gespräche zu den unterschiedlichen KOMPASS-Themen. Vertreten waren hier seitens der Polizei die Bereiche Kinder- und Jugend- sowie Seniorenprävention und Einbruchschutz sowie das Einstellungsmobil. Komplettiert wurde der Themenkomplex mit den Ständen des Seniorenbeirates und der Prisma Suchthilfe & Prävention der AWO Bergstraße und der Selbsthilfe des Arbeitskreises Suchtkrankenhilfe Bergstraße e.V. Und für Begeisterung bei den Jüngsten sorgten bis in den späten Nachmittag hinein das Spielmobil Flitze Feuerstein und der leibhaftige Kinderkommissar Leon, der die Herzen der Kinder im Sturm eroberte. NaS

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