Die Große Prunksitzung des Bürstädter Spiel- und Kulturkreises 50 fing mit dem Aufmarsch der Garden und Tollitäten an. Die Sitzungspräsidenten Michael Morweiser und Marcel Kilian (vorne) begrüßten das Publikum im voll besetzten Bürgerhaussaal. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Beim Spiel- und Kulturkreis 50 Bürstadt (SKK 50) biegt sich sogar der Kirchturm vor Lachen, wie es der Jahresorden zeigt. Die einfache Erklärung ist - weil es in Bürstadt so viel zu lachen gibt. Nachdem die erste der beiden Prunksitzungen des SKK 50 in dieser Kampagne am Samstagabend nach über fünf Stunden zu Ende ging, weiß man, dass in Bürstadt als Hochburg des Karnevals die gute Laune zu Hause ist und die Aktiven im SKK 50 mit besonders kreativen Ideen zu glänzen wissen. Schon das Begrüßungszeremoniell war ein Fest für Augen und Ohren – die KKM-Hofkapelle spielte den Narrhalla-Marsch während die Garden auf der Bühne Stellung bezogen, das Stadtprinzenpaar Manuela II. und Marcel II. mit Vereins-AG in ihrer Mitte und die beiden Sitzungspräsidenten Michael Morweiser und Marcel Kilian, die fortan gemeinsam die Prunksitzung leiteten. Dem Publikum wünschten die Tollitäten viel Spaß bei der Narretei und machten klar: „Beste Freunde wunderbar, sind immer füreinander da“. Vor 35 Jahren hatte die Prinzessin als kleines Mädchen bei der SKK-Garde angefangen, nun regiert sie die närrische Welt. Mit dem Elferrat im Rücken nahm die Fastnachtssitzung schnell Fahrt auf. Funkenmariechen Luisa-Marie Morweiser tanzte sich zur Musik von Starlight Express, Mary Poppins und Tarzan in die Herzen. Dann ein Kanonenschuss und Luftschlangen. Mit ihrem Showtanz „Polizei“ gingen die jungen „Konfettis“ erfolgreich auf Gangsterjagd. Mitreißend und schön synchron tanzte die Prinzengarde zu Kölner Faschingsliedern. Als „wahrlich heiße Feger“ lobte Sitzungspräsident Kilian die Magicals für ihren Showtanz „Putzfrauen“.Ein „Albtraum“ für den (nicht ganz so kleinen) Jungen, der zu viel Süßes isst, aber ein wunderschönes Erlebnis für die Zuschauer,war die Geschichte der Tanzgruppe „Die Wilde 13“. Die Spielzeuge beginnen zu leben, die Zahnfee und Gegenspieler Schogginak werden aktiv, bis endlich der Sandmann kommt. Eine Hommage an die 6x11 Jahre KKM-Hofkappelle in mehreren Szenen spielte und tanzte der vierköpfige Morweiser-Nachwuchs: Luisa-Marie, Victoria, Constantin und Laurin. Schaurig-schön zelebrierten die „Vampire“ ihre Erzählung, eine überwältigende Kostümschau der reiferen und üppigen „Tanzperlen“ in Schwarz. Beim Showtanz „Zalando“ der Tanzgruppe „Enigmatic“ rappelte es schön im Karton, während sich die Männer von „Stecke un Steif“ vom Publikum mit dem Showtanz „Gigolo“ als heiße Bardamen und fesche Gigolos feiern ließen.
Der Sandmann kam, aber „Die Wilde 13“ war in Hochform. Foto: Hannelore Nowacki
Dieses spannende Programm mit einzigartigen Tanzvorführungen, Shows, Wort- und Musikvorträgen brachte das Publikum in Stimmung, die am Ende nach fünf Stunden Kurzweil den musikalischen Höhepunkt erreichte– mit Marcel Kilian, der als Franzose singend die Liebe seines Lebens suchte und in der deutschen Schlagerwelt eine Menge möglicher Herzensdamen fand wie Michaela, die alles für ihn ist, Anita, Joana oder Cordula Grün. Als frohe Botschaft lässt sich verstehen, dass auf dem edlen Jahresorden mit Kirche und Stadtwappen in goldener Schrift auf rotem Grund gereimt zu lesen ist, dass der Pfarrer zum Dekan gemacht wurde. Am Prominententisch war in bester Stimmung neben Dekan Peter Kern die Politik vertreten mit Walter Wiedemann, Ewald Stumpf und Alexander Bauer sowie Bürgermeisterin Barbara Schader, deren Ehemann Klaus in der KKM-Hofkapelle spielte, die just in diesem Jahr auf 66 Jahre gemeinsame Fastnacht mit dem SKK50 zurückblickt. Anlässlich dieses närrischen Jubiläum 6x11 Jahre in fröhlicher Zusammenarbeit erhielten derErste Vorsitzende des Katholischen Kirchenmusikvereins Guido Pabst und KKM-Dirigent Wolfgang Rothenheber die Ehrung des SKK 50 in Form einer Glasskulptur. Die Bürgermeisterwahl ist entschieden, hinterließ jedoch in den Überlegungen der ortskundigen „Marktfraa“ Marita Kilian markante Spuren. Auch „Die Stroosekehrer“ Jürgen Brenner und Hans Ludwig ließ das Thema noch nicht los, von Bobstadt wollten sie gar nicht erst sprechen – sagten sie und hatten damit beim Publikum eine Pointe gelandet. In schönster Mundart waren die Vorträge gehalten, wobei die Marktfraa die fusionierende Vereinswelt mit Sorge sieht und den neuen Stadtbusfahrplan als „noch nicht ausgereift“ abqualifizierte. Lokalpolitisch und kritisch stehen ihr „Die Stroosekehrer“ in nichts nach – Jürgen Brenner und Hans Ludwig kehrten ordentlich durch. Aber sie frotzelten auch, über das Alter, Multi-Kulti in Bärrstadt und würden gerne den Raiffeisensiloturm als „altes Gelerch“ abreißen. Im Fahrradnetz entdeckten sie vor allem Löcher und die Bürgermeisterin sehen sie oft in der Zeitung. Wie in Bürstadt Gerüchte entstehen wissen sie genau: „Wenn man morjens ins Ort geht, da werd gedradscht – hoschd du schunn g’heert?“ Für 5x11 Jahre auf der närrischen Bühne erhielt Hans Ludwig anschließend den Verdienstorden in Gold vom Bund deutscher Karneval. DerVortrag „Der Veganer“ produzierte Lacherfolge auf beiden Seiten, denn Gegenspieler von Constantin Morweiser im „Bennebuckel-Duo“ war sein Bruder Laurin, der Sprüche wie „saublöder Rinderfresser“ zu kontern wusste. Im Vortrag über das geliehene Auto machte das 18-jährige Töchterchen als Führerscheinneuling der Mutter mächtig Stress und wie gewohnt gerieten „Vadder un Tochter“ wortreich aneinander. Hannelore Nowacki
Die „Konfettis“ hatten die Gangsterjagd erfolgreich beendet. Foto: Hannelore Nowacki