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Di., 21. Juni 2016, 09:21 Uhr
Erlebniswandertag mit Führung durch 2000 Jahre Geschichte
„Regionales Kulturerbe“ mit Trilogie Burgruine, Museum und Fährturm
Nach der Verleihung der Urkunde zur Nordheimer „Trilogie“ als „Regionales Kulturerbe“ an den Verein für Heimatgeschichte hatte Landrat Christian Engelhardt alle Besucher zu einem Umtrunk eingeladen. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – Wandern kann man beim Kreiswandertag jedes Jahr, doch diesmal führte die acht Kilometer lange Wanderroute durch 2000 Jahre Geschichte und das 194 Hektar große Naturschutzgebiet Steinerwald – vom Fährturm zur Burgruine Stein, weiter zur Kirche in Nordheim, mit Station am Burg-Stein-Museum im Alten Rathaus und zurück zum Fährturm. Darauf hatte sich die gut gelaunte Familie Reis aus Hofheim perfekt vorbereitet. Vater Thomas mit Rucksack und Sohn Elias hatten ihre ganz besonderen, verzierten Wanderstöcke in der Hand. Wie Mutter Yvonne erklärte, waren es einmal Baumäste aus dem Garten. Die Gegend war auch für Elias kein Neuland, die Burg Stein kannte er schon. Das besondere Ereignis mit mehrstündigem Programm stand unter dem Motto „Wandervolles Nibelungenland“. Landrat Christian Engelhardt und der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka begrüßten die Besucher im Rahmen der offiziellen Eröffnung zum Erlebnis-Wandertag und zur Verleihung des Zertifikats „Regionales Kulturerbe im Kreis Bergstraße“. Vorgeschlagen von einer regelmäßig tagenden Expertengruppe, werde diese Auszeichnung verliehen, um die Kultur und Geschichte des Kreises zu bewahren und stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, erklärte Landrat Engelhardt in seiner Ansprache. Günter Mössinger, Erster Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte, nahm die Urkunde Freude strahlend entgegen. In ihrer Laudatio nannte Heidi Adam, Erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße, die Burg „ein Denkmal von europäischem Rang“. Die Arbeiten in Nordheim seien komplett ehrenamtlich erbracht worden, unterstützt von der Gemeinde Biblis. Sie lobte auch die „unglaubliche Leistung“ der Vereinsmitglieder, die ihre Kostüme selbst herstellen. Als prächtige Römer, Ritter und Edeldamen waren die Vereinsmitglieder am Sonntagmorgen am und auf dem Rheindamm bei Nordheim unterwegs. Gekrönte Hoheiten aus dem Nibelungenland nahmen in festlichen Kleidern an der Zeremonie teil: Gurkenkönigin Sina und Prinzessin Stefanie, die Lampertheimer Spargelkönigin Stefanie II., die Bürstädter Sonnenbotschafterin Theresa I., die Bensheimer Blütenkönigin Rebecca sowie die Einhäuser Kerwekönigin, die Odenwälder Apfelkönigin und die Neckarsteinacher Vierburgenkönigin. Gurkenkönigin Sina I. freute sich, dass es nun einen „spannenden Wanderweg“ gebe, bei dem überhaupt keine Langeweile aufkommen könne. Auf diesem Weg der Entschleunigung, Kraft und Energie zu tanken sowie die Freude an der Natur legte sie den Zuhörern ans Herz. Für die Rückkehrer der geführten Wanderung war gemütliches Beisammensein angesagt, mit der Möglichkeit der Stärkung und Führung durch den Fährturm. In wetterfester Wanderkleidung oder mit Regenschirm ausgerüstet strömten die Besucher herbei, einige zu Fuß, die meisten mit dem Auto. Mitten in der Natur unterhalb des Fährturms waren viele Reihen mit Tischen und Bänken aufgestellt, denn mit zahlreichen Besuchern wurde gerechnet. Vor der Wanderung waren alle zu Apfelwein, Wasser oder Apfelsaft eingeladen. Am Informationsstand des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald suchten Interessierte das Gespräch mit dem Geoparkranger und deckten sich mit interessanten Broschüren und Faltblättern zu Projekten und Geotopen ein. Auch der Odenwald-Klub versorgte Interessenten mit Informationen. Wohin am Wochenende, im Urlaub oder in den Ferien? Wer sich beim Häuschen der Tourist-Information der Wirtschaftsförderung Bergstraße die Broschüren und aktuellen Programme mit Ausflugs-, Kultur- und Naturtipps für das Nibelungenland mit Bergstraße, Odenwald, Ried und Neckartal mitgenommen hat, braucht sich über die Freizeitgestaltung nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Ein Renner war die Freizeit-Erlebniskarte Nibelungenland. Diese Erfahrung machte Ute Schollmaier von der Tourismusagentur der Wirtschaftsförderung Bergstraße/ Nibelungenland nicht zum ersten Mal. Schon die alten Römer wussten diese Gegend zu schätzen und bauten bei Nordheim im Jahr 365 eine Schiffsanlegestelle und die Burg, Handelswege entstanden. Das Kloster Lorsch wäre ohne die Burg am Rhein nicht denkbar, meinte Bürgermeister Kusicka. Heute liegt die Burg als Ruine im Wald, ausgegraben zu Beginn der 1970er Jahre, gepflegt und mit Informationen ausgestattet vom Verein für Heimatgeschichte Nordheim, der vor sieben Jahren auch das Burg-Stein-Museum im Alten Rathaus gegründet hat. Der Fährturm schmiegt sich an den Rheindamm, mit dicken Mauern und Balkon für den Blick zum Rhein. Erbaut wurde er 1901, war sogar noch in neuerer Zeit bewohnt und wird seit einigen Jahren ebenfalls vom Verein für Heimatgeschichte betreut. Eine schmale Wendeltreppe führt in die oberen Turmstuben hinauf, die eine historische Ausstellung beherbergen. Hannelore Nowacki
Die dunklen Wolken brachten nach der offiziellen Eröffnung des Erlebnis-Wandertages ein paar Regentropfen, darauf waren die Wanderer jedoch eingestellt – mit der Hoffnung auf etwas Sonnenschein. Foto: Hannelore Nowacki