Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Rheinische Frohnatur und ernsthafte Pflichterfüllung – der eigenen Überzeugung treu
Mo., 25. Januar 2016, 10:56 Uhr
Heimat- und Carnevalverein zeichnet Wolfgang Bosbach mit dem Courage-Orden 2016 aus
Rheinische Frohnatur und ernsthafte Pflichterfüllung – der eigenen Überzeugung treu
Wolfgang Bosbach, der 33. Courage-Ordensträger, umrahmt vom HCV-Vorstand, Laudator Matthias Wilkes, Landrat Christian Engelhardt, der HCV-Garde und der Juniorengarde „Charisma“. Foto: Hannelore Nowacki
BOBSTADT/BÜRSTADT – Große Reden und bewegende Momente, fastnachtlicher Frohsinn und nachdenkliche Betrachtungen, herzliches Lachen und immer wieder Applaus, auch lang anhaltend als Ausdruck tief empfundener Wertschätzung – dies war der feierliche und zugleich fröhliche Rahmen der Courage-Ordensverleihung an den CDU-Politiker Wolfgang Bosbach am Sonntag in Bobstadt. Vor der Ordensverleihung zeigten die Juniorengarde „Charisma“ und die HCV-Garde bei ihrem gemeinsamen Auftritt ihr begeisterndes Können mit karnevalistischer Freude und tänzerischer Präzision. Nach der Ordensverleihung waren alle Gäste eingeladen, beim üppigen kalten Büffet zuzugreifen, sich zu unterhalten und zu amüsieren. Der Heimat- und Carneval-Verein 1959 Bürstadt (HCV) hatte die Bürger, die lokal- und kreispolitische Prominenz, zahlreiche Tollitäten und Abordnungen von Karnevalvereinen der Umgebung, das Bürstädter Prinzenpaar Erhard I. und Silke I. sowie viele Ehrengäste wie den Honorarkonsul der Republik Armenien und Botschafter der Bergstraße Dr. Jürgen Gromer zum Ordensfest eingeladen. Auch die Courage-Ordensträger vergangener Jahre kommen gerne immer wieder, wie Vereinsvorsitzender Frank Reichmann in seiner Begrüßungsrede erfreut feststellte: Jutta Fleck (2008 – „Die Frau vom Checkpoint Charlie) mit ihrem Mann Jürgen und der international bekannte Komponist und Organist Franz Lambert (2013) mit Ehefrau Christa waren gekommen, während der letztjährige Courage-Ordensträger Wojtek Czyz wegen seines Engagements für Sailing4Handicaps verhindert war. Die Laudatio auf den neuen, den 33. Courage-Ordensträger Wolfgang Bosbach, hielt deswegen Landrat a. D. Matthias Wilkes, den der HCV für diese ehrenvolle Aufgabe gewinnen konnte. Anders als sonst fand das Ordensfest nicht im Bürstädter Bürgerhaus statt - aus Termingründen in der diesjährigen, besonders kurzen närrischen Zeit musste der HCV auf die Sport- und Mehrzweckhalle in Bobstadt ausweichen, die von den Vereinsmitgliedern seit Freitag mit einigem Aufwand in eine stimmungsvolle Festhalle mit großer Bühne verwandelt wurde. Bürgermeisterin Barbara Schader legte neuen Ordensträger aus Bergisch-Gladbach, der seit 1994 stets als direkt gewählter Abgeordneter dem Bundestag angehört, die Stadt Bürstadt mit ihren hundert Vereinen als „eine liebenswerte Kleinstadt“ ans Herz. Dem HCV, „einer starken Gemeinschaft“, sprach sie ihre Anerkennung aus – für vier gelungene Sitzungen mit Generationen übergreifendem Programm und vermittelter Lebensfreude und für „die hervorragende Wahl des diesjährigen Ordenträgers“. Auch Landrat Christian Engelhardt hob in seinem Grußwort die gute Wahl des neuen Ordensträgers hervor, der Themen offen anspreche. Dem HCV sprach er für seine weit über den Kreis Bergstraße hinaus bekannte Leistung seine Anerkennung aus, die die Lebensfreude der Fastnacht mit der Verleihung des Courage-Ordens zu verbinden weiß. Das Bürstädter Prinzenpaar überreichte Bosbach nach freundlichen Grußworten den Prinzenorden mit dem Motto „Leben – Lieben – Lachen“.
In seiner Rede verstand es Wolfgang Bosbach Ernsthaftigkeit mit karnevalistischer Heiterkeit zu verbinden. Foto: Hannelore Nowacki
Laudatio, Courage-Ordensverleihung und Dankesrede
Landrat a. D. Wilkes hielt eine beeindruckende Laudatio, die den Zuhörern den Menschen Wolfgang Bosbach nahebrachte und erklärte, warum einer der bekanntesten Bundespolitiker der CDU auch einer der beliebtesten Politiker in Deutschland ist, ja sogar im Politbarometer vor einer Woche von den Befragten auf Rang 3 platziert wurde, in der Beliebtheit also noch vor der Bundeskanzlerin rangiert. Einfühlsam, sein Wesen treffend, begeistert und humorvoll berichtete Wilkes aus dem Leben des designierten Ordensträgers Bosbach. Die Begeisterung für den Fußball gehört dazu, die Verbundenheit mit dem Karneval seit früher Jugend als Sitzungspräsident der Messdiener seiner Pfarrgemeinde und die berufliche Laufbahn, die mit der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begann. Bosbach wurde Supermarktleiter, entschied sich dann aber für das Studium der Rechtswissenschaften, legte im Alter von 39 Jahren sein zweites Staatsexamen ab und wurde Rechtsanwalt. Begonnen hatte Bosbachs politischer Werdegang als Stadtrat und Mitglied des Kreistages. Wesensverwandt sei er, hatte Wilkes zu Beginn seiner Laudatio angemerkt. Im September 2015 sei Bosbach von seinem Amt als Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestages zurückgetreten – aus Überzeugung, weil er die Haftung für den Rettungsschirm, für griechische Schulden im dreistelligen Milliardenbereich, nicht mittragen wollte. Die Währungsunion sei vertraglich nicht als Haftungsunion bestimmt worden. „Ich hänge mehr an meiner Überzeugung als an meinem Amt“ – für diese Einstellung erhielt Bosbach von den Zuhörern in der Halle kräftigen Applaus, unterlegt mit einem Tusch. Auch in der Flüchtlingsfrage beziehe Bosbach Stellung und spreche offen aus, was seine Überzeugung sei. Für Wilkes ist die Frage: Integration, schaffen wir das? Vorerst sei dies eine Parole, offensichtlich nicht mit einem Plan unterlegt, denn jede Woche gebe es Kurskorrekturen. Spätestens im Frühjahr müsse die Bundesregierung eine Wende hinbekommen, meine auch Bosbach. „Ich danke Ihnen, dass Sie dieses Rückgrat gezeigt haben“, meinte Wilkes, auch bezogen auf seine Erkrankung, die Bosbach öffentlich bekannt gegeben hatte und somit auch darin eine offene Haltung und Transparenz gezeigt habe. Und dann noch einmal großer Applaus, als Wilkes seinen Wunsch formulierte, Bosbach möge sich 2017 wieder zur Wahl stellen: „Wenn es irgendwie möglich ist, tun Sie das für Deutschland und die Menschen“. Dann war es soweit: Präsident Roger Wulff legte Wolfgang Bosbach den Courage-Orden um und Vereinsvorsitzender Frank Reichmann überreichte ihm die Urkunde.
Wolfgang Bosbach, nun der 33. Courage-Ordensträger, trat dynamisch ans Mikrofon und lobte zunächst den Auftritt der beiden HCV-Tanzformationen, es sei „ganz großer Sport“. „So viele nette Worte habe ich in meiner Partei seit Jahren nicht gehört“, meinte Bosbach zum vielfachen Lob. Bosbach ließ die Zuhörer teilhaben an seinem reichen Erfahrungsschatz und seinem Humor, eine Einführung in das Wesen der Politik, wie Bosbach sie versteht. „Die Politik verdirbt nicht den Charakter“, erklärte er, eher sei es umgekehrt. Wichtig war ihm zu betonen: „Um in einer Demokratie für seine Überzeugung zu kämpfen, gehört nicht viel Mut“. Ein weiterer Leitsatz: „Im Kern geht es in der Politik um Vertrauen“. Dieses Vertrauen sei jeden Tag in der Arbeit neu zu rechtfertigen. „Das ist meine Art Politik zu betrachten“. In der Betrachtung des Karnevals meinte Bosbach: „Karneval ist im Grunde eine Herzensangelegenheit – man kann auch von Herzen fröhlich sein und ernsthaft Politik machen“. Seine Empfehlung: „Wählen Sie nie Politiker, die nicht von Herzen lachen können – dann haben Sie nichts zu lachen“. Das Publikum hatte im Folgenden viel zu lachen, denn Bosbach verstand es mit Leichtigkeit, Erinnerungen aus seiner Kindheit heutigen Erfahrungen witzig gegenüberzustellen und Gehörtes aus dem Bundestag mit gelungenen Pointen zu zitieren. Karneval in Berlin „ist anders schön“, meinte Bosbach, der sich zum rheinischen Karneval bekannte. Doch dann stockte der Atem, berührende Augenblicke erfassten das Publikum und den Redner selbst. Bosbach machte auf seine schwarze Krawatte aufmerksam und sagte: „Die Auszeichnung kommt 24 Stunden zu spät, mein Vater hätte sich sehr gefreut – aber meine Mama hat gesagt – fahr hin. Ich bin froh, dass ich hier bin“. Hannelore Nowacki