Großes Saubermachen am Rheinufer mit über 50 Teilnehmern
Rolle mit rund 150 Kilogramm Müll gefüllt
Der Handschuh ist übergezogen, mit guter Laune kann das Müllsammeln am Rheinufer beginnen. Foto: Hannelore Nowacki
GROSS-ROHRHEIM – Am Samstagmorgen könnte man schön ausschlafen oder sich den angenehmen Dingen des Lebens widmen. Doch der Umwelt zuliebe trafen sich am Samstag gegen 10 Uhr im Naturschutzgebiet Hammeraue am Rheinufer über 50 überwiegend gut gelaunte Teilnehmer zu einer Säuberungsaktion, die unter dem Namen „RhineCleanUp“ deutschlandweit an diesem Tag an den Ufern des Rheins durchgeführt wurde, um Müll zu sammeln, den andere einfach fallen ließen, im Bewuchs oder zwischen Steinen deponierten, anstatt ihn zu Hause oder an anderer Stelle ordnungsgemäß zu entsorgen. Von Schiffen kann etwas versehentlich herunterfallen oder Hochwasser kann Müll anschwemmen, auch solche Überreste und Materialien kamen in die blauen Säcke. Bürgermeister Rainer Bersch hatte eine Menge Säcke im Feuerwehrauto mitgebracht, auch Greifzangen, Leuchtwesten und Schutzhandschuhe, die er nach der Begrüßung der großen Runde austeilte. Einige Müllsammler hatten ihre eigene Ausrüstung wie Markus Graushaar. Die Hände seiner Söhne steckten in leuchtend grünen Handschuhen. Hoch motiviert machten sich der 3-jährigge Cedric und sein 6-jähriger Bruder Hendrik an die Arbeit. „Augen aufmachen, man findet überall etwas“, meinte ihr Papa. Neben den Erwachsenen zeigten sich Kinder und Jugendliche an einer müllbefreiten Umwelt interessiert. Vier Freunde warteten gemeinsam vor der Begrüßung. „Plastik sollte nicht ins Meer kommen“, sagte der 11-jährige Caro, seine Eltern hatten ihn mitgenommen. Auch Samin kam mit den Eltern, hätte aber lieber länger geschlafen. Der 12-jährige Jonas ärgert sich, dass Leute viel wegwerfen und die Meere verschmutzen. „Ich finde es gut, dass wir etwas für die Umwelt machen, sie schützen und retten“, meinte der 11-jährige Maxi, der mit seiner Mutter gekommen war. „Mein Vater muss arbeiten“, erklärte er. Fünf Freundinnen standen zusammen, gut gelaunt und tatendurstig erschienen die Vierzehnjährigen. Sie waren sich einig: Das Müllsammeln ist gut für die Natur und Umwelt, außerdem sei es im Sommer ohne Müll schöner, wenn sie hierher kommen. Die meisten Teilnehmer hatten sich bei der Gemeinde Groß-Rohrheim angemeldet, einige direkt auf der Homepage der Organisation in mit Sitz in Düsseldorf – eine überwältigende Resonanz, wie Bürgermeister Bersch fand. Dem TIP berichtete er auf Nachfrage, dass er die Groß-Rohrheimer Aktion bei der Organisation „RhineCleanUp“ angemeldet hatte, jedoch nicht wie angekündigt die Utensilien zum Müllsammeln erhalten hatte. Auf Groß-Rohrheimer Gemarkung waren 2,2 Kilometer zur Säuberung vorgesehen, auf seinem Plan hatte Bersch sechs Sammelabschnitte markiert, rechts waren es nur etwa 250 Meter bis zur Gernsheimer Gemarkungsgrenze. Sechs Gruppen zogen nach der Einweisung durch den Bürgermeister los. Wer den Blick vom Weg her über das Ufer und die weite Landschaft schweifen ließ, sah weit und breit keinen Müll herumliegen, aber dann: Genau geschaut, hier und da sogar unter dem Bewuchs mit den Händen ausgegraben und zwischen den Steinen am Ufer mit dem Greifer hervorgezogen, fand sich allerlei, was umgehend in die blauen Müllsäcke kam. Glasflaschen, Plastikteile aller Art, Plastiktüten, Windelreste, Papiertücher und undefinierbare Teile wurden aufgelesen.
Gleich geht es los mit der Säuberungsaktion am Rheinufer – in guter Stimmung und gut ausgerüstet. Foto: Hannelore Nowacki
Ein weggeworfener Autoreifen mit Felge war unter den Fundstücken und ein Holzteil mit Plastikseil, das wohl ein Schiff verloren hatte. Sandra Seum aus Abteilung 3 hatte eine Flaschenpost entdeckt, die ein zehnjähriger Junge in Ilvesheimin den Rhein geworfen hatte, mit Telefonnummer versehen und dem Wunsch, die Flasche dem Rhein zurückzugeben. So habe er es erzählt bekommen, teilte Bürgermeister Bersch auf Nachfrage telefonisch am Montag mit. Auf der Rolle von Markus Pietschmann waren am Schluss der Säuberungsaktion nach drei Stunden Bücken und Sammeln geschätzte 100 bis 150 Kilogramm zusammengekommen, eine Menge, die bis zum Rand reichte und auf dem Wertstoffhof abgeliefert wurde. „Das war weniger als man vermutet hatte“, meinte Bersch. Im nächsten Jahr könnte nicht nur am Rhein gesäubert werden, auch auf der Gemarkung. Die Teilnahme an der „RhineCleanUp“-Aktion geht auf einen SPD-Antrag in der Gemeindevertretung zurück, die den Beschluss fasste. In einem Naturschutzgebiet kann man nicht einfach lossammeln. Dafür brauchte Bürgermeister Bersch die Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde. Dennoch durften die Wiesen nicht betreten werden, dem Sammeln waren Grenzen gesetzt. Unter den Teilnehmern waren Gemeindevertreter und der Kreisbeigeordnete Karsten Krug, der dem TIP gegenüber sagte, dass er wichtig finde, nicht nur zu reden, sondern anzupacken. „Heute ist es eine gelungene Aktion, mit einem guten Querschnitt der Bevölkerung“. Fast alle Teilnehmer seien seiner Einladung zum gemeinsamen Imbiss mit heißen Würstchen und Brötchen bei der Feuerwehr gefolgt, berichtete Bersch dem TIP auf Nachfrage. Umweltfreundlich waren die meisten Teilnehmer mit dem Fahrrad unterwegs. Hannelore Nowacki