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Sa., 21. Februar 2015, 01:46 Uhr
Stadtverordnetenversammlung ändert Vorgehen – Alternativen werden geprüft
Ruhiger Anwohnerprotest gegen Massenunterkunft für Flüchtlinge
Der Bürgerprotest fand bei der Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung Gehör, denn nun wird nach weiteren Alternativen gesucht. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die Pläne der Stadtverwaltung für die weitere Unterbringung von Flüchtlingen hatten die Anwohner der Florianstraße aufgeschreckt. Auch eine Anwohnerversammlung hatte es schon gegeben. Auf der großen Wiese an der Florianstraße sollen neue Wohnhäuser entstehen, das war bekannt geworden. 240 Flüchtlinge oder auch mehr sollten dort unterkommen. In den zuständigen Ausschüssen hatten die Stadtverordneten bereits über die Pläne diskutiert. Auf dem Europaplatz hatten sich am frühen Freitagabend etwa 80 Menschen versammelt, vorwiegend Anwohner der Florianstraße und deren Mitstreiter. Ganz ruhig war es, nur der Verkehr rauschte vorbei. In Gruppen standen die Menschen zusammen und unterhielten sich. Die verteilten Flugblätter hatten nicht für alle Kundgebungsteilnehmer gereicht. Auf Spruchbändern hatten einige Anwohner ihr Anliegen sichtbar gemacht. „Flüchtlinge Ja! Massenunterkunft Nein!“ war zum Beispiel zu lesen. Oder auch „Integration im Ghetto nicht möglich“. Als Hauptsprecher auf dem Europaplatz meldete sich Martin Grabenhorst über Mikrofon zu Wort. „Wir sind ganz klar gegen eine zentrale Unterbringung“, sagte er. Als negative Folgen führte er Streit an, der durch verschiedene Nationalitäten und Religionen entstehe, früher oder später käme es zur Ghettobildung. Die Wiese würde komplett zugebaut, auf engstem Raum sei keine Integration möglich, die Menschen blieben unter sich. Applaus bekräftigte seine Meinung. Dreck und fehlende Mülltrennung führte er an. Die dezentrale Unterbringung in Wohnungen oder Häusern sei die Alternative. Ein weiterer Anwohner meldete sich mit rechtlichen Aspekten zu Wort. Peter Bittner ist seit fünf Jahren Eigentümer eines Hauses in der Florianstraße, das er vermietet hat. Von der Stadt sieht er sich getäuscht, denn ihm sei damals versichert worden, dass dort nicht weiter gebaut werde. Christa Heiser unterstützt ihre Tochter beim Protest, die als direkte Anwohnerin in der „Masse der Asylbewerber“ ein Gefahrenpotenzial sieht, vor allem durch Asylgegner. Nach einer halben Stunde endete die Kundgebung. Im Sitzungssaal des Stadthauses waren bald alle Besuchersitzplätze belegt, einige Zuhörer harrten bei geöffneter Saaltür im Stehen aus. Bei der Sitzungseröffnung gab Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass bekannt, dass der Punkt „Unterbringung von Flüchtlingen nach § 1 Landesaufnahmegesetz“ in der Tagesordnung vorgezogen worden sei. Bürgermeister Gottfried Störmer gab eine Erklärung ab, in der er die aktuelle Unterbringungslage in Lampertheim beschrieb. „Die Stadt hat die Flüchtlinge ganz bewusst über das ganze Stadtgebiet verteilt, aber es gibt keine Unterbringungsmöglichkeit mehr für kleine Gruppen von sechs bis 14 Personen“. Auch sei die Errichtung von Containerdörfern keine Alternative. Auf der Florianwiese seien von der Stadt nie mehr als 10 Häuser geplant gewesen. Allerdings sei nun die Beschlussvorlage abgeändert worden. Nach mehreren Wortmeldungen aus allen Fraktionen wurde der geänderte Beschlussvorschlag der Verwaltung einstimmig beschlossen. Darin wird die Verwaltung beauftragt, „eine Unterbringung von Flüchtlingen an verschiedenen Standorten zu prüfen. Die Überprüfung soll weitere geeignete Standorte in Lampertheim und in den Stadtteilen umfassen und ein Betreuungskonzept mit einbeziehen. Die hieraus gewonnen Ergebnisse sollen in der nächsten Sitzungsrunde im Ausschuss für Familie, Jugend und Senioren, im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss, im Haupt- und Finanzausschuss sowie in der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung und Entscheidung vorgelegt werden“. Damit sind die Parlamentarier den besorgten Bürgern an der Florianstraße ein großes Stück entgegengekommen. Hannelore Nowacki