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  • Sa., 15. April 2023, 10:00 Uhr
    STADTWALD: Buchenkomplexkrankheit setzt Bäumen zu / Trimm-Dich-Strecke wird aufgelöst / Gefahr für Waldbesucher vermeiden

    Rund 90 Buchen müssen rund um Heidetränke gefällt werden

    Der Revierleiter Lampertheim von HessenForst, Matthias Beißwanger, erläutert die prekäre Situation der Buchen rund um die Heidetränke. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Es ist keine einfach Situation für den Lampertheimer Stadtwald: Langanhaltende Hitzeperioden gepaart mit zu wenig Regentagen sorgen dafür, dass es den Bäumen und dem Wald an sich nicht gut geht. Und bei den für die kommenden Jahre prognostizierten heißen Sommermonate wird sich die Lage höchstwahrscheinlich noch verschlechtern. Was bereits die vergangenen Sommer angerichtet haben, kann man derzeit vor allem im Bereich der Erholungstränke Heide rund um die Grillhütte beobachten. Hier musste die Stadtverwaltung aufgrund latenter Astbruchgefahr den Trimm-Dich-Pfad, das Walderlebniscamp sowie den Bereich des Kinder-Trimm-Pfades vorsorglich sperren. Auch die Grillhütte kann derzeit nicht genutzt werden. 

    „Aus dieser latenten Gefahr wird, sobald es wärmer wird, aller Voraussicht nach eine akute Gefahr für die Besucherinnen und Besucher des Stadtwaldes”, erläuterten Jana Lichtblau vom Fachdienst Umwelt der Stadtverwaltung und der Revierleiter Lampertheim von HessenForst, Matthias Beißwanger, bei einem Pressetermin vor Ort. Der Arbeitskreis Wald war ebenfalls in dieser Woche vor Ort, um sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen. 

    Drei unterschiedliche Gutachten haben ergeben, dass im Bereich Heidetränke mehr als 200 Buchen aus einem mittelalten Buchenbestand von circa 125 Jahren so krank sind, dass sie aus Sicht der Verkehrssicherheit gefällt werden müssten – letztere besteht zwar nicht grundsätzlich an Waldwegen, in diesem Fall aber aufgrund der beliebten Laufstrecke und dem Aufenthaltsgebiet rund um die Heidetränke durchaus – schon allein aus moralischer Sicht, wie Jana Lichtblau betonte. „Wir befinden uns hier im Bereich einer ausgewiesenen Erholungseinrichtung. Hier sind wir als Stadtverwaltung zu einer gesteigerten Verkehrssicherheit verpflichtet.”

    Die Buchen leiden unter der Buchenkomplexkrankheit – ein deutschlandweites Problem. Diese Krankheit führt zum Absterben der Rinde. Da dies im Bereich der Krone beginnt, besteht die Gefahr, dass ganze Baumkronen unkontrolliert abbrechen und zu Boden fallen – oder auch einzelne große Äste, wie beim Blick in die Baumkronen zu sehen ist. Auch Organismen wie Pilze nutzen die Schwächung der Bäume und tragen zu deren Absterben bei ebenso wie beispielswiese Buchenborkenkäfer. 

    Trimm-Dich-Strecke wird abgebaut

    Auf waldtypische Gefahren könne sich die Verwaltung hier nicht berufen, Freude bereiten ihr die notwendigen Fällungen keineswegs. Eines ist aber klar: Es soll versucht werden, möglichst viele Bäume zu erhalten, da diese zahlreichen Tieren und Organismen Lebensraum bieten. „Es ist ein sensibles Thema, wir wollen den Weg der Erhaltung gehen”, so die Verantwortlichen. Dabei soll gerade auch die Politik mitgenommen werden, auch wenn die Gewährleistung und Herstellung der Verkehrssicherung reines Verwaltungshandeln darstellt. Die Verwaltung hat deshalb den Arbeitskreis Wald vertretend für die gesamte Politik mit einbezogen, um eine gemeinsame Problemlösung zu finden, welche seitens der Politik und der Verwaltung getragen wird. Deshalb ist keine weitere Einbeziehung der Gremien nötig. Es wird jedoch eine Mitteilung im nächsten Umwelt-, Mobilität- und Energieausschuss (UMEA) dazu geben. Das Treffen des Arbeitskreis Wald war dabei nach Angaben seitens der Verwaltung sehr konstruktiv. So unterstützt der Arbeitskreis den Vorschlag, die wenig genutzte Trimm-Dich-Strecke aufzugeben und dieses Areal dauerhaft abzusperren. Die Trimmgeräte werden zeitnah abgebaut. Das Areal wird formell seitens der unteren Forstbehörde gesperrt. Es werden Hinweisschilder angebracht. Über die Sperrung wird separat über verschiedene Kanäle informiert werden. Die Verwaltung wird mit der Politik überlegen, ob es an anderer Stelle eine neue Trimm-Dich-Möglichkeit geben soll. Dies wird ebenfalls im nächsten UMEA diskutiert werden.

    Gesperrt: Auf dem Trimm-Dich-Pfad im Stadtwald ist die Gefahr von herabfallenden Baumkronen aktuell zu groß. Foto: Benjamin Kloos


    Durch diese Maßnahmen können über 110 Buchen der Betroffenen rund 200 Buchen stehen bleiben. Sie bieten weiterhin Tieren einen Lebensraum und fördern die Biodiversität. Langfristig ist davon auszugehen, dass sie vollständig absterben und als Totholz auf der Fläche verbleiben werden.

    Änderung für Zufahrt zu Grillhütte

    Der Arbeitskreis Wald unterstützt darüber hinaus den gemeinsam erarbeiteten Vorschlag der Verwaltung und Hessen Forst, den ehemaligen Parkplatz Heidetränke aufzugeben und stillzulegen. Die bisherige Nutzerordnung der Grillhütte sieht ohnehin lediglich die Befahrung mit einem Fahrzeug vor. Alle anderen Gäste sollen, wie die restlichen Waldbesucher, den Fußweg vom Parkplatz Waldesruh auf sich nehmen.

    Der Naturschutz wird bei den anstehenden Maßnahmen berücksichtigt – auch in Bezug auf Vogelnester oder Spechthöhlen. Fest steht auch, dass es für jeden zu fällenden Baum eine Nachpflanzung durch einen klimastabilen Baum wie etwa Roteichen geben wird. So soll die Erholungsanlage Teil eines zukunftsfähigen Waldumbaus werden. 

    Maßnahme startet nächste Woche

    „Wir wollen so schnell wie möglich loslegen, gerade nach der negativen Entwicklung im Winter”, betonte Matthias Beißwanger. Denn in diesem habe sich die Situation nochmals verschärft, zahlreiche Bäume wiesen deutlich größere Schäden als noch im Herbst auf. Die Verkehrssicherungsmaßnahmen im Areal Heidetränke sollen daher in der nächsten Woche beginnen und innerhalb von drei bis vier Wochen abgeschlossen sein. Im Rahmen der Maßnahmen müssen circa 90 Bäume verkehrssicher gemacht werden. Wo es technisch möglich und für den Naturschutz sinnvoll ist, wird versucht, den Rückschnitt bzw. die Kappung der betroffenen Bäume vorzuziehen. Denn sowohl aus Sicht der Verwaltung als auch von HessenForst geht es nicht um einen Kahlschlag. Jeder Baum wird einzeln betrachten um zu sehen, ob er erhalten werden kann. Benjamin Kloos

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