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  • Mo., 30. September 2019, 10:52 Uhr
    Stamm „Kurfürst Friedrich III von der Pfalz“ feiert 70 Jahre Pfadfinderschaft mit Jubiläumslager

    Runder Geburtstag der evangelischen Pfadfinder im Zeichen des Regenbogens

    Die evangelischen Pfadfinder Stamm „Kurfürst Friedrich III von der Pfalz“ feierten ihr en 70. Geburtstag mit einem Jubiläumslager. Foto: Nadine Schütz


     

    LAMPERTHEIM – Gitarrenklänge mit Gesang, Gemütlichkeit am Lagerfeuer und ringsherum viel Natur: ein erster Eindruck vom Jubiläumslager der Pfadfinder vom Stamm „Kurfürst Friedrich III von der Pfalz“. Und auf dem Jubiläumsbanner ein Kreuz in den Farben des Regenbogens. Rot, wie die Leidenschaft Pfadfinder zu sein, aber auch wie Gefahr, in der sich kein Pfadfinder alleingelassen fühlen muss. Orange, wie Freude und Tatendrang, die auch in den Pfadfindergesetzen verankert sind. Gelb, wie das Licht – so rein wie ein Sonnenstrahl spricht ein Pfadfinder die Wahrheit. Grün, wie die Natur, in die sich der Pfadfinder einfügt. Blau, wie die Ferne, in die der Pfadfinder zieht um Erfahrung zu sammeln. Violett, wie die Farbe der evangelischen Kirche, die Verbundenheit der Pfadfinder zum christlichen Glauben.

    70 Jahre ist es nun her, seit die Gründer sich nach dem Krieg zusammentaten. „Wir waren damals ein paar Buben aus dem selben Schuljahrgang“, erinnert sich Erich Steffan, der in Pfadfinderkreisen auch als „Bonnie“ bekannt ist. Der 85jährige Ur-Lampertheimer ist einer der Gründungsväter. Damals habe Arbeitslosigkeit geherrscht, wissen seine Freunde, und man habe sich um die Jugend kümmern müssen. Dies hätten vornehmlich die Kirchen übernommen. So kam es, dass die Pfadfinderschaft damals auch in den Lampertheimer Kirchengemeinden Einzug gehalten hat. In diesem Jahr durfte man nun auf ein besonderes Jubiläum blicken: 70 Jahre Stamm „Kurfürst Friedrich III von der Pfalz“. Und passend zu den Feierlichkeiten hatte man ein großes Jubiläumslager organisiert. Die Pfadfinder um den Stammesführer Adrian Zähringer begannen bereits am Mittwoch mit den Vorbereitungen vor Ort. Man hatte freundlicherweise die Wiese hinter dem Badesee der Biedensand Bäder zur Verfügung gestellt bekommen. Die Jurten (die typischen Schwarz-Zelte) wurden aufgebaut, das Küchenzelt mit den nötigen Gerätschaften eingerichtet, Feuerstellen vorbereitet und als Besonderheit hatte man sogar einen kleinen Glockenturm errichtet, dessen Geläut die auf dem Gelände verstreuten Entdecker zu den Mahlzeiten rief. Der rund zehn Meter hohe Bannermast trug das Banner zum Jubiläumslager, die Banner, die über die Zugehörigkeiten des Stammes Auskunft geben sowie das Stammesbanner. Letzteres diesmal sogar in zweifacher Ausführung, denn das alte Stammesbanner, das nun für 35 Jahre bei den Lagerfahrten Wind und Wetter ausgesetzt war, wird zum Jubiläum durch ein neues Exemplar ersetzt. In der Nacht, lächelte Zähringer verschmitzt, würden die Banner aber eingeholt und von den Stammesführern als Kopfkissen benutzt, damit sie nicht „abhanden“ kommen.

    Das eigentliche Lagerleben, das am Freitag begann, war wohl das Pfadfinder-Highlight des Jahres. Nicht nur die eigenen Mitglieder sondern auch pfadfinderschaftliche Gäste wie die Gau-Führung, in die Schweiz ausgewanderte Lampertheimer sowie Pfadfinder aus Worms, Bingen, Rimbach und Darmstadt kamen zum Jubiläumslager. Vier Tage lang besannen sich rund 45 Gleichgesinnte auf das Nötigste und schlugen im Zeichen des Regenbogens die Brücke zwischen der Pfadfinderschaft und dem Glauben nach Jesus Christus, als Bund des Lebens und Zeichen des Friedens, der Vielfalt und der Toleranz der Pfadfinder gegenüber allen Lebensgruppen. Diese Brücke finde sich in vielem wieder, so Zähringer. Wie es im Christentum Themen wie die Zehn Gebote, das Prinzip der Nächstenliebe und die Schöpfung und ihrer Bewahrung gebe, hätten auch die Pfadfinder ihre Regeln, seien Hilfsbereit und lebten in der Natur und im Einklang mit ihr. Auch die Brücke von damals zu heute wurde geschlagen: In den Jurten waren Fotos ausgestellt, die die Geschichte des Stammes veranschaulichten. Und noch eine Brücke war deutlich erkennbar, auf die Bürgermeister Gottfried Störmer in seiner kurzen Ansprache am Sonntagnachmittag aufmerksam machte: „Die Pfadfinder verbinden jung und alt – und zwar ohne Grenzen.“ Die Älteren vermittelten den Jüngeren ihr Wissen und lebten ihnen vor – ganz im Sinne des Leitsatzes „Jeden Tag eine gute Tat.“ Und gänzlich entsprechend des pfadfinderischen Gedankens war Störmers gute Tat des Tages tatsächlich eine gute Tat. Sie bestand nicht einfach nur aus dem Überbringen seiner Glückwünsche. Denn eigens für das Jubiläum hatte er eine große Geburtstagstorte anfertigen lassen, die sich die Pfadfinder und ihre Gäste nach den Ansprachen munden ließen.

    Die beiden Vorsitzenden des Lions Club Lampertheim, Frank Nowak und Stefan Böttcher, zählten ebenso zu den Gratulanten. Sie lobten die gute Arbeit der Pfadfinder, überreichten einen symbolischen Scheck über die stolze Summe von 1.000 Euro und wünschten den Pfadfindern weiterhin viel Erfolg. Auch Pfarrer Sven Behnke ließ es sich nicht nehmen – obgleich er, wie er selbst betonte, ja bereits am Morgen im Gottesdienst die Gelegenheit für die Übermittlung der Geburtstagswünsche ergriffen hatte – sich noch einmal zu Wort zu melden, „um eine frohe Botschaft hinauszutragen,“ die nicht im biblischen Sinne gemeint sei: Die Kollekte aus dem Gottesdienst, die für die Pfadfinder bestimmt sei, betrage 709 Euro.

    Abschließend bedankte sich Zähringer bei den Gratulanten und den Gästen, bei der Lagerleitung und den Helfern in der Küche und nicht zuletzt bei den beiden evangelischen Kirchengemeinden für das „Zur-Verfügungstellen“ von Material, für Rat und für Tat. Schlussendlich sprach der Stammesführer die Einladung aus, zum Abendessen und einem gemütlichen Abend um das Lagerfeuer herum zu bleiben. „Es gibt keine zeitliche Begrenzung“, schmunzelte er seinen Zuhörern ins Gesicht, „wir sind die ganze Nacht noch da.“ Nadine Schütz

     

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