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  • Di., 24. März 2026, 09:10 Uhr
    KULTUR: Theatergruppe „Nordemer Kuckucks“ in kleiner Besetzung ganz groß mit Gemeinschaftswerk

    Sagenhaftes Nordheim erfolgreich mit „De wilde Klaus“

    Kräuterhexe Esmeralda weiß, welche Maßnahmen und Substanzen die rettende Wirkung erzielen.
    Foto: Hannelore Nowacki

    NORDHEIM – Lange war in Nordheim nicht bekannt, dass es einen wohlmeinenden Geist gibt, der seit 1762 seine Kräfte nutzt, um über den Rhein, vor allem aber über Nordheim und die Nordheimer zu wachen. Sogar der Heimat- und Geschichtsverein ahnte von diesem Fährmann Klaus Neumann und der Sage vom wilden Klaus nichts, der damals in den aufgewühlten Fluten des Rheins in dunkler Nacht sein Leben verlor als er eine junge Frau rettete. Zu ihrem Liebsten hatte er sie über den Rhein bringen wollen. Glücklicherweise ist der Theatergruppe „Nordemer Kuckucks“ zu verdanken, dass die rund 200 Zuschauer bei der Premiere am Samstagabend in der Kultur- und Sporthalle im Laufe des neuen Stücks vom wilden Klaus erfuhren, nicht sofort, aber zu gegebener Zeit, als die Not es gebot. Das lokalpolitisch inspirierte Stück in drei Akten nimmt überraschende Wendungen, doch ohne die Spannung zu nehmen, kann gesagt werden, dass alles gut wird, nur nicht für jeden. Ein ausgewiesenes Lustspiel war nicht beabsichtigt, aber für Heiterkeit war ebenso gesorgt wie für den aktuellen örtlichen Bezug. Zum ersten Mal haben die „Nordemer Kuckucks“ ihr Theaterstück selbst geschrieben, alle zusammen haben als Autoren mitgewirkt. Ein echtes Gemeinschaftswerk wie Jens Bitsch im Gespräch vor der Aufführung erklärte. Man habe ein fertiges Stück für fünf Personen, für vier Männer und eine Frau gesucht, aber nicht gefunden. Doch habe die Eigenproduktion in Mundart Vorteile - ortsbezogene Pointen ließen sich gut integrieren. Als Souffleur im Kasten vor der Bühne hatte Jens Bitsch das Geschehen im Blick. Simone Gall führte das Publikum als Vorleserin in die Handlung ein, die sich zum Bühnenumbau in den Zwischenakten vor dem roten Vorhang abspielte. 

    Das wird ein sagenhaftes Projekt! Der neue Bibliser Bürgermeister Wilhelm Neuhäuser (Klaus Engelhardt) betört Ortsvorsteher Karl Schwarzenberg (Stefan Uihlein) mit seinen Plänen.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Mit Nordemern legt man sich nicht an

    Klaus Engelhardt in der Rolle als neuer Bibliser Bürgermeister Wilhelm Neuhäuser stellte in routinierter Politikermanier glaubhaft den Mann von Welt mit großen Plänen zur wirtschaftlichen Entwicklung dar, der zudem durch dezidiertes Hochdeutsch auffällt. Die chinesische Seidenstraße stellte er in Aussicht - mit Hafen, Abriss im Ort und großem Parkplatz. Anders der bodenständige Nordheimer Ortsvorsteher Karl Schwarzenberg (Stefan Uihlein), der mit heimischer Mundart brilliert und eigentlich nur das Beste für den Ort will, aber dem gewieften Bürgermeister auf den Leim geht. Ein paar Gläser Weinbrand aus dem Vorrat des Bürgermeisters waren dabei hilfreich. Kräuterhexe Esmeralda, die selbstbewusste Frau ohne Nachnamen mit dem lockeren Mundart-Mundwerk, sollte sich ideenreich als Retterin des ländlichen Idylls erweisen. Gemeinsam mit Matthias Walch als Apfelbauer Heiner Darmstädter, ein Zupacker mit dem richtigen Stöffchen im Keller fürs Dubbeglas, und Will Krück als Hühnerbauer Fred Henning, der Platz für seine Hinkel braucht, setzen die drei einen genialen Plan um. Eine Hand wäscht die andere, hatte der Bürgermeister gemeint, der mit dem Wegbaggern der Sandbank zugleich an günstigen Baustoff kommen wollte. Kräuterhexe Esmeralda gab kund: „Mit de Nordemer soll man sich besser nicht oalege“. Was ist da alles passiert! Nun war klar: „Der wilde Klaus geht um“. Der hatte vielleicht auch bei der Technik die Finger im Spiel, der Bernd Morew jedoch schnell zu Hilfe kam. Die tragische Sage vom wilden Klaus haben die „Nordemer Kuckucks“ glatt erfunden, hätte aber als heimatkundliche Sensation Potenzial. Das Publikum amüsierte sich prächtig und spendete reichlich Applaus. Für die Bewirtung mit gut belegten Laugenstangen und Getränken standen weitere Vereinsmitglieder am Tresen. Den Volleyballern galt der Dank für das Aufstellen von 210 Stühlen. An der Abendkasse waren noch ein paar Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro erhältlich, im Vorverkauf waren nur 8 Euro fällig. Die zweite Aufführung in der Kultur- und Sporthalle in der Wormser Straße 8 findet am kommenden Samstagabend um 20 Uhr statt (Einlass 19 Uhr).   

    Hannelore Nowacki

     

     

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