ST. ANDREAS-KIRCHE: Die Orgel der St. Andreas-Kirche muss aufwändig saniert werden / Spenden zur Finanzierung sind willkommen
Sanierung zum 55. Jahrestag
Die Sanierung der Orgel in der St. Andreas-Kirche schreitet voran. Foto: Winfried Lutz
LAMPERTHEIM – Am ersten Arbeitstag des neuen Jahres standen sie morgens pünktlich vor der Sakristei der St. Andreas-Kirche, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Orgelbaufirma aus dem Saarland, die derzeit die Orgel saniert. Pfarrer Rauch hatte es bereits in den Weihnachtsgottesdiensten angesagt: „Unsere Orgel bläst aus dem letzten Loch und muss saniert werden“.
Die Orgel der Pfarrkirche wird jetzt fünfundfünfzig Jahre alt und ist in die Jahre gekommen. Sie wurde im Jahre 1967 von einer ebenfalls im Saarland ansässigen Orgelbaufirma als 835. Werk erbaut. Die Orgel wurde letztmalig im Jahre 1993 umfassend gereinigt.
Mehrere Gutachten aus den letzten Jahren sagen aus, dass die Orgel sehr stark verschmutzt und verstimmt ist, jedoch ein solides und erhaltungswertes Pfeifenwerk mit einem interessanten Klangvolumen habe. Die Metallpfeifen sind aus einer Zinn-Blei-Legierung oder Kupfer, die Holzpfeifen aus massivem Mahagoni- oder Eichenholz gefertigt. Die Orgel hat insgesamt über 1.600 Pfeifen, die Großen über drei Meter lang und die Kleinsten dünner und feiner als ein Bleistift. Die Pfeifen werden schonend gereinigt. Metallpfeifen zum Teil mit einem fettlösenden Bad behandelt, die Holzpfeifen innen mit Druckluft und außen feucht abgewaschen sowie die Dichtigkeit überprüft. Schäden, Risse und Beulen werden beseitigt.
Neben der Reinigung und Renovierung des Pfeifenwerks sind weitere Arbeiten dringend notwendig. Der Orgelmotor mit dem Gebläse ist sehr laut und muss ersetzt werden. Die nicht mehr auseichend vorhandene Schalldämmung wird ersetzt. Die Windladen, auf denen die Pfeifen sitzen, müssen gereinigt und Funktionsteile, wie Registerschleifen exakt eingestellt und abgedichtet werden. Die gesamte Windversorgung wird überprüft, die Bälge mit Leder neu bezogen, alle Kanäle auf Dichtigkeit geprüft und instand gesetzt. Bei den Registermagneten, die beim Ein- und Ausschalten zu laute Geräusche verursachen, werden die Dämmfilze ersetzt.
Ein weiterer großer Teil der Sanierung ist die vorhandene Elektrik. Sie entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen der Sicherheitstechnik, was zu Kurzschlüssen führen könnte. Hier werden Gleichrichter ersetzt, elektrische Leitungen ausgetauscht sowie Einzelsicherungen durch Verstärkerplatinen eingebaut. Das nach oben geschlossene Orgelgehäuse aus Kiefernholzfurnier wird gründlich gereinigt. Die Oberflächen abgewaschen, Türen und Scharniere überprüft und ggf. wieder gangbar gemacht, das Orgelinnere abgesaugt und feucht abgewaschen. Der Spieltisch wird gereinigt, die Ton- und Registerkontakte gereinigt und nachjustiert. Die Filzdämmungen der Tastaturen werden in der Werkstatt des Orgelbauers ersetzt. In die Pedal-Tastatur werden neue Polsterfilze eingebaut.
Foto: Winfried Lutz
Nachdem die Orgelmonteure ihre Pfeifenladen und Pfeifenpaletten, die zur sorgfältigen Aufnahme der ausgebauten kleineren Pfeifen bis zur Reinigung und Wiedereinbau dienen, auf die Empore gebracht hatten, wurde die Baustelle näher betrachtet. Die Lichtverhältnisse und Zugänge überprüft sowie wichtige Bereiche fotografiert. Danach wurde mit dem Ausheben der Pfeifen begonnen. Zuerst die untere Orgelebene, in der sich die Pfeifen des Hauptwerks befinden. Die Pfeifen des Oberwerks sind in der oberen Ebene, die Pedalpfeifen jeweils zur Hälfte auf der rechten und linken Seite des Orgelgehäuses. Bis zum Dreikönigstag waren die ersten Vorarbeiten erledigt und fast alle Pfeifen ausgebaut, sorgfältig gelagert sowie der Spieltisch zerlegt. Die Prospektpfeifen, das Gesicht der Orgel, verbleiben im Gehäuse. Hier will man ein unnötiges Hantieren und Lagern umgehen, damit Beschädigungen oder Fingerabdrücke vermieden werden. Die hochglänzenden Kupferpfeifen werden erst am Ende der Arbeiten gereinigt. Nach vierzehntägiger Werkstattarbeit wird dann mit der eigentlichen Sanierung begonnen, die dann noch mehrere Wochen dauern wird.
Pfarrer Rauch hat es bereits bei seiner Ankündigung der Gemeinde ans Herz gelegt: Für die Renovierung und Instandsetzung der Orgel ist von der Gemeinde ein höherer fünfstelliger Betrag aufzubringen. Leider hat die Orgel der St. Andreas-Kirche keinen so hohen, interessanten und denkmalgeschützten Stellenwert, dass sie als historisches Instrument anerkannt und mit Bundesmitteln restauriert werden kann. Kirchensteuermittel stehen dafür auch nicht zur Verfügung. Selbst der Orgelneubau im Mainzer Dom wird ausschließlich von Spendengeldern finanziert.
Zuweisungen für das angelaufene Sanierungsprojekt werden gerne entgegen genommen und können auf das Konto der Pfarrei St. Andreas mit dem Zweck „Orgelsanierung“ überwiesen werden. Eine gesonderte Spendenquittung wird ausgestellt. Pfarrer Rauch gab der Hoffnung Ausdruck, dass in der Heimat- und Primizkirche des Lampertheimer Ehrenbürgers, Jesuiten und Märtyrers Alfred Delp bald wieder eine harmonisch wohlklingende Orgel zur Ehre Gottes erklingen wird. zg