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  • So., 19. April 2015, 19:43 Uhr
    Kommentar zur Landratswahl am 19. April von Benjamin Kloos

    „Schlag ins Gesicht für alle Demokraten"

    21, 82 Prozent - Eine Zahl, wie sie erschreckender kaum sein könnte. Denn dieses mangelnde Desinteresse seitens der Bürgerinnen und Bürger im Kreis Bergstraße, wer in Zukunft als Landrat die Geschicke des Kreises entscheidend mit prägen wird, ist ein gefährliches Zeichen für die Demokratie. Somit haben lediglich knapp über 10 Prozent aller Wähler im Kreis ihre Stimme für den künftigen Landrat Christian Engelhardt abgegeben, ein Armutszeugnis einer Demokratie.

    Bei kaum einer anderen Wahl zählt die Stimme jedes Einzelnen so viel wie bei der Landratswahl. Und bei kaum einer anderen Wahl ist die Bedeutung für die Menschen vor Ort so groß wie bei dieser. Denn ein Landrat ist - oder sollte es sein - der Erste Bürger des Kreises, der sich für diesen und dessen Belange einsetzt, für den das Wohl der Bürger an erster Stelle liegt - über Parteigrenzen hinweg. So, wie es Matthias Wilkes in teilweise vorbildlicher Weise getan hat, und es auch nicht gescheut hat, seinen eignen Parteikollegen in Land und Bund entgegen- und für die Interessen des Kreises einzutreten.

    Wahlbeteiligungen wie in Gorxheimertal mit 12.66 %, aber auch in Lampertheim, Biblis oder Bürstadt mit deutlich unter 20 Prozent, machen eines deutlich: Das Interesse an der Politik, die für den Kreis entscheidend ist, ist äußerst gering. Sollte bei den 2016 anstehenden Kommunalwahlen ein ähnlich geringes Interesse vorherrschen, dürfte das Kräften in die Karten spielen, die wenig demokratisch gesinnt sind und dies für sich ausnutzen werden. Denn jeder Nichtwähler stärkt radikale Gruppen - auch wenn diese bei der Landratswahl glücklicherweise nicht vertreten waren. Aber wohin dies führen kann, zeigt ein Blick in die benachbarten Städte Worms und Mannheim. Hier hat bei den vergangenen Kommunalwahlen die NPD, auch dank niedriger Wahlbeteiligungen, den Sprung in die Parlamente der Städte geschafft. Zum Unmut der demokratischen Parteien, die nun mit zahlreichen unsinnigen Anträgen und besonders gefährlichen Parolen zu kämpfen haben. Der Wormser NPD-Stadtrat wurde gerade erst wegen Volksverhetzung schuldig gesprochen, eine Anzeige seitens Oberbürgermeister Michael Kissel und des Stadtrates der Stadt Worms aufgrund ausländerfeindlicher und diffamierender Äußerungen im Stadtparlament läuft noch. Auch deshalb ist es so wichtig, wählen zu gehen, zumal die Geschichte gezeigt hat, wie schlimm es auch den Menschen im eigenen Land in einer Diktatur geht und wohin es führen kann, wenn man solche Zeichen nicht früh genug ernst nimmt.

    Diese Wahlbeteiligung ist besonders eines: Ein Schlag ins Gesicht für alle Demokraten in den kommunalen Parlamenten, die sich ehrenamtlich für ihre Mitbürger engagieren - aber besonders für alle Menschen, die in Diktaturen bereits sind, ihr Leben zu gefährden oder gar zu opfern, um Demokratie und damit auch das Wahlrecht für sich und ihre Mitmenschen zu erlangen. Dessen sollte sich jeder, der am Sonntag nicht wählen war, bewusst sein.
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