Sa., 22.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 28. Oktober 2020, 11:58 Uhr
    WELTSCHLAGANFALLTAG: Stroke Unit am Kreiskrankenhaus Bergstraße ermöglicht bestmögliche Behandlung 

    Schlaganfall – Jede Minute zählt!

    Rund um den Weltschlaganfalltag, der in diesen Tagen im Kalender steht, rückt die Arbeit der Stroke Unit verstärkt in den Fokus. Foto: Kreiskrankenhaus Bergstraße


    KREIS BERGSTRASSE – Das Wort „Zeit“ fällt oft und sehr bewusst, wenn Professor Dr. Timolaos Rizos über das Thema Schlaganfall spricht. Immer wieder weist der am Kreiskrankenhaus Bergstraße arbeitende erfahrene Neurologe darauf hin, wie wichtig der Faktor Zeit ist, um das Leben von Schlaganfallpatienten zu retten und um dauerhafte Schäden zu verhindern. Schnelles Handeln von Ersthelfern, Rettungsdienst und Klinikärzten ist unabdingbar. Ebenso entscheidend ist die bestmögliche klinische Versorgung durch ein interdisziplinäres Team verschiedenster Berufsgruppen. Hierfür gibt es spezielle Zentren, sogenannten Stroke Units. Diese stehen für kurze Wege und gebündelte Expertise zur optimalen Behandlung von Schlaganfallpatienten. Eine solche Stroke Unit ist seit mehreren Jahren am Bergsträßer Kreiskrankenhaus in Heppenheim etabliert. Das dortige Team nutzt den Weltschlaganfalltag in diesen Tagen, um das Augenmerk verstärkt auf das Thema zu lenken.
    „Die Schwelle, den Rettungsdienst zu kontaktieren, sollte sehr niedrig sein,“ betont Professor Dr. Rizos. Das heißt, Betroffene und Menschen in deren Umfeld sollen nicht zögern, über die Notrufnummer 112 den Rettungsdienst zu alarmieren, wenn der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht. Bei einem Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, kommt es zumeist zu einem Gefäßverschluss im Gehirn, ausgelöst durch ein Blutgerinnsel. Eine sofortige Behandlung ist unabdingbar. Allerdings zeigt sich oft, dass wertvolle Zeit vergeben wird, bevor der Rettungsdienst gerufen wird und Patienten zur Behandlung in eine Stroke Unit kommen.

    Dabei kann ein Schlaganfall in vielen Fällen mit einer Thrombolyse, auch Lysetherapie genannt, sehr gut behandelt werden. Die Medikamentengabe ermöglicht, das Blutgerinnsel aufzulösen. Eine wichtige Einschränkung: Eine solche Behandlung ist nur in einem Zeitfenster von bis zu viereinhalb Stunden nach dem Beginn der ersten Symptome des Schlaganfalls möglich. Die ohnehin schon schwierige Schlaganfalltherapie wird nach verstreichen dieser Zeit noch komplizierter. Bei besonders schweren Fällen kann außerdem ein Kathetereingriff (Thrombektomie) notwendig werden. Hier sind Neuroradiologen gefragt. Daher arbeiten die Spezialisten der Stroke Unit in Heppenheim mit der Neurologischen Klinik (Professor Dr. Martin Bendszus, Neuroradiologie und Professor Dr. Wolfgang Wick, Neurologie) des Heidelberger Universitätsklinikums, unter dessen Dach das Kreiskrankenhaus Bergstraße betrieben wird, eng zusammen. Schlaganfallpatienten bei denen ein solcher Kathetereingriff notwendig ist werden innerhalb des regionalen Schlaganfallnetzwerks FAST in Heppenheim auf den Eingriff vorbereitet und nach Heidelberg verlegt. Nach dem Eingriff erfolgt dann zur weiteren Behandlung und Versorgung oft eine Rückverlegung ins Kreiskrankenhaus.
    Auch an vielen anderen Stellen stehen die Ärzte in Heppenheim und Heidelberg in engem Schulterschluss. Wo geboten, werden Patienten via Teleneurologie vorgestellt. Ebenso eng wie der Kontakt mit den Kollegen in Heidelberg, ist der Kontakt zu den Rettungsdiensten in der Region. Diese sind im Umgang mit Schlaganfallpatienten geschult, Notärzte und Rettungswagenbesatzungen wissen, wie wichtig die schnelle Therapie in einer Stroke Unit ist. Schon bei der Anfahrt zur Heppenheimer Klinik stehen sie in Kontakt mit den dortigen Ärzten, informieren über Symptome und Zustand des Patienten und bereiten so eine reibungslose Übernahme durch das Krankenhaus-Team vor. 

    Bei der Schlaganfalltherapie handelt es sich um eine komplexe Behandlung, bei der verschiedenste Therapien notwendig sind. Dies gelingt nur im Team. Neben den Ärzten sind Fachpfleger, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Sozialarbeiter absolut unerlässlich. Das gemeinsame Ziel besteht darin, die Folgeschäden möglichst gering zu halten und dem Patienten nach dem Schlaganfall ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Nach der Akutbehandlung am Kreiskrankenhaus ist daher oftmals eine Reha nötig.
    Mit dem Aufbau der Stroke Unit, angegliedert an die von PD Dr. Wolfgang Auch-Schwelk geleiteten Innere Medizin II, hat das Kreiskrankenhaus vor einigen Jahren eine medizinische Versorgungslücke in der Region geschlossen. Die Stroke Unit ermöglicht kurze Wege und kann durch die enge Verzahnung mit dem Heidelberger Uniklinikum eine optimale Behandlung auf dem derzeitigen Stand der Wissenschaft für jeden Patienten realisieren. 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche ist das Schlaganfall-Team in Heppenheim vor Ort präsent. Insgesamt acht Patientenbetten mit Monitorüberwachung stehen dort zur Verfügung. Zudem hat die Neurologie, zu der die Stroke Unit gehört, bei Bedarf Betten auf einer Normalstation. zg

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lokal
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 1