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  • Fr., 27. September 2024, 14:40 Uhr
    GLÜCKSSPIELSUCHT: Hessenweiter Aktionstag informierte über Abhängigkeit und Risiken durch Sportwetten / Jugendliche besonders gefährdet

    Schritt für Schritt in die Unabhängigkeit

    Fachbereichsleiter Adrian Steier-Bertz und die neue neue Fachberaterin für Glücksspielsucht, Natalie Oppenkowski, gewährten am Aktionstag einen Einblick in ihre Tätigkeit und informierten über die vielfältigen Gefahren von Sportwetten sowie das Risiko bereits bei Jugendlichen und junge Erwachsenen in eine Abhängigkeit von Glücksspielen zu geraten.
    Foto: Steffen Heumann

    LAMPERTHEIM – Die Popularität von Sportwetten hat in den letzten Jahren in Deutschland und weltweit stark zugenommen. Insbesondere die jüngere Generation ist immer häufiger von den verlockenden Angeboten und dem einfachen Zugang zu diesen Wettmöglichkeiten betroffen. Experten warnen vor den erheblichen Suchtrisiken, die mit der „Leidenschaft“ für das Wetten verbunden sind, insbesondere für Jugendliche und junge Menschen. Am Mittwoch, dem hessenweiten Aktionstag, informierten Adrian Steier-Bertz, Fachbereichsleiter, und Natalie Oppenkowski, Fachberaterin der AWO Suchthilfe & Prävention Prisma in Lampertheim, über Auswege, um den Teufelskreis des eigenen Suchtverhaltens erfolgreich zu durchbrechen.

    Belastung für Betroffene und Umfeld

    „Oft leiden die Angehörigen mit“, nimmt Adrian Steier-Bertz Bezug auf seine langjährigen Erfahrungen. Geldnöte, Schulden und die Sorgen um die Existenz belasten mitunter das gesamte soziale Umfeld. Der erste Schritt: Das Gespräch bei der Suchthilfe in der Martin-Kärcher-Straße. Das erfolgt in einem geschützten Rahmen und unterliegt der Schweigepflicht. Das Berater-Team weiß um die Problematik, kennt Auswege aus dem Dilemma und kann auf ein hervorragendes Netzwerk zurückgreifen. „Spezielle Therapien sind ein Erfolgsrezept“, betonen Adrian Steier-Bertz und Natalie Oppenkowski. Von ambulant bis stationär reicht das Angebot an individuellen Maßnahmen für suchtkranke Menschen.

    Durch eine erfolgreiche Therapie können Betroffene auf ihrem Weg in die Unabhängigkeit vorangebracht werden, erklärt Steier-Bertz. Neben der Entwöhnung von der Glücksspielsucht sei ein weiteres Ziel die Persönlichkeitsentwicklung zu stärken und an Schwächen zu arbeiten. Im Einklang damit, stünden die Chancen gut, nachhaltig die anerkannte Krankheit zu bewältigen und den Start in ein neues Leben zu realisieren. Kein leichtes Unterfangen. Verlockungen der Glücksspielindustrie sind und bleiben omnipräsent. Kinder und Jugendliche könnten sich dem geschickten Marketing der Anbieter kaum entziehen, so die Experten. Entsprechend hoch sei die Dunkelziffer von Suchtkranken. In Lampertheim hätten 2023 rund 580 Betroffene das Beratungsangebot von Prisma angenommen. Die aktuelle Entwicklung bietet Anlass zur Sorge. „Wir gehen von steigenden Fallzahlen aus“, konstatieren Adrian Steier-Bertz und Natalie Oppenkowski. 

    Glücksspielsucht – unterschätzte Gefahr

    Nach Alkohol und Drogen spiele die Glücksspielsucht in der Außenwahrnehmung eine untergeordnete Rolle. Eine Empfehlung aus Sicht der Fachleute: In Schulen dezidiert auf die Gefahren von Glücksspielsucht aufmerksam machen! Denn: „Die große psychotrope Wirkung bei der Aussicht auf den schnellen Gewinn wird oft verkannt“, fügt Adrian Steier-Bertz an. Besonders Kinder und Jugendliche, die schon früh Erfahrungen mit Glücksspielen machen, sind gefährdet, wie Studienergebnisse belegen. 

    Aufgrund langjähriger Erfahrungen in der Praxis sei zwar von der Wirksamkeit präventiver Maßnahmen insgesamt auszugehen. Ein konkreter Nachweis für die Effektivität fehle jedoch. Das erschwere trotz der Plausibilität des Bedarfes die personelle Verstärkung von Suchtberatungsstellen. Adrian Steier-Bertz und Natalie Oppenkowski setzen mittelfristig auf die Einsicht und Unterstützung der zuständigen Gremien. Kurzfristig könnten Impulse von den Schulen zielführend sein. Präventive Arbeit im Bereich Glücksspielsucht erreicht dort die gefährdete Zielgruppe. Weitere Infos unter AWO Prisma Suchthilfe & Prävention, Martin-Kärcher-Straße 26, 68623 Lampertheim, Telefon 06206/969400, E-Mail suchthilfe.prisma@awo-bergstrasse.de und www.hls-gluecksspielsucht.org 

    Steffen Heumann

    Zitat: „Das Schöne daran ist direkte Hilfe zu leisten. Menschen zu helfen ist nicht abstrakt.“ (Adrian Steier-Bertz und Natalie Oppenkowski, auf TiP-Nachfrage, was die Arbeit in der Fachstelle für Suchtberatung besonders macht.)

     

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