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Do., 03. September 2015, 23:29 Uhr
Besondere Verkehrsschulung für Flüchtlinge im Kreis Bergstraße / Kreisbeigeordneter Schimpf mahnt Unterstützung durch Land und Bund an
Sicher mit dem Fahrrad in neuer Heimat unterwegs
Rege Teilnahme: Die Flüchtlinge nutzen das Angebot der Fahrradverkehrsschule mit Interesse und Begeisterung und bekamen zum Abschluss ein Zertifikat durch den Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf überreicht. Foto: Benjamin Kloos
BÜRSTADT – Die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge, die aufgrund von Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen und nach Deutschland gekommen haben, ist in Bürstadt, ist im Ried groß. So sieht man mittlerweile häufig Flüchtlinge auf dem Rad durch die Straßen der Sonnenstadt fahren. Grund genug, ein besonderes Projekt ins Leben zu rufen: Unter dem Motto „Ride your bike safely in Germany” laden der ADFC, lokale Sportvereine wie der TV Bürstadt 1891 oder die Sportgemeinde Biblis 1906 sowie die örtlichen Asylkreise gemeinsam mit dem Landesprogramm „WIR – Wegweisende Integrationsansätze Realisieren” zu Fahrrad-Verkehrsschulkursen für Flüchtlinge und interessierte Migranten ein. Start des Pilotprojektes war am Mittwoch mit zwei Kursen in Bürstadt, gefolgt von weiteren Angeboten in Rimbach, Zwingenberg und Bensheim. Kurse in Biblis und Heppenheim sind in Planung. Pro Kurs können bis zu 15 Flüchtlinge teilnehmen.
Ziel des Projektes ist es, dass Flüchtlinge, die mit Fahrrädern unterwegs sind, die Verkehrsregeln kennen lernen und sich sicher im Straßenverkehr bewegen können. Damit reduziert sich die Gefahr, dass sie selbstverschuldet einen Unfall verursachen oder sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen. Für die Durchführung der ersten Kurse konnte Ralf Drexelius als ADAC-Moderator gewonnen werden. Drexelius, hauptberuflich als Koordinator für die Jugendverkehrsschulen der Polizei Südhessen tätig und dementsprechend erfahren, opferte hierfür eigens einige Urlaubstage.
„Haben viel gelernt”
Erfreut über das Angebot zeigten sich besonders die Flüchtlinge selbst: „Wir haben sehr viel gelernt mit dem Fahrrad, vielen Dank für das Lehren, es hat uns allen viel Spaß gemacht”, strahlte Osman, der ursprünglich aus Somalia stammt und nun in Bobstadt lebt, in gutem Deutsch.
„Die Sprache ist der Schlüssel für eine gelungen Integration, aber auch ein wesentlich schnellerer Zugang zu Arbeit, für den wir uns im Kreis stark einsetzen. Dazu gehört aber auch eine Mobilität, die durch Fahrräder gewährleistet wird. Der Kurs ist wichtig, um Verkehrsregeln zu vermitteln, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. Zudem ist es wichtig, den Menschen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, bis sie eine Tätigkeit gefunden haben. Eine Schulung wie diese ist auch in diesem Sinne ein wichtiges Angebot”, betonte Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf bei der Übergabe der Zertifikate an die Teilnehmer des ersten Kurses in Bürstadt. „Dies ist ein sehr sinnvolles Projekt zur Integration für Menschen, die auf der Suche nach einer neuen Heimat zu uns kommen. Vielen Dank an alle Beteiligten”, lobte Kreisbeigeordneter Schimpf. „Im Kreis Bergstraße ist es bisher gut gelungen, mit einer Vielzahl an ehrenamtlichen Helfern Menschen die Eingliederung in unsere Gesellschaft und Kultur zu erleichtern. Auch dafür herzlichen Dank. Dieses Ehrenamt darf aber nicht überfordert werden. Hier sind der Bund und das Land gefragt, auch bei der finanziellen Unterstützung der Kommunen. Wir müssen in diesem Jahr 6 Millionen Euro für die Flüchtlinge aufbringen, 2016 werden es 12 Millionen sein, die aus allgemeinen Steuermitteln zur Verfügung gestellt werden müssen. Für 2015 sind uns 1,8 Millionen Euro vom Bund zugesagt, bisher ist kein Euro angekommen. Nur durch die Zusammenarbeit aller kann Integration gelingen, eine offene und ehrliche Herangehensweise ist Grundvoraussetzung”, mahnte Matthias Schimpf an.
Große Disziplin gezeigt
ADAC-Moderator Ralf Drexelius freute sich über die große Motivation und die Disziplin seitens der Flüchtlinge. „Bei Fehlern haben sie genau hingeschaut und wollten wissen, was sie verbessern können und müssen. Wir haben nach einer theoretischen Einführung im praktischen Teil den Schwerpunkt auf die Vorfahrtsregeln, rechts vor links, link abbiegen aber auch auf die Verkehrssicherheit der Räder und die Wichtigkeit des Fahrens mit Helm gelegt. Ein positiver Lerneffekt ist schon direkt nach dem Kurs bei der Fahrt von der Schillerschule hierher erkennbar gewesen. Und dies ist genau das, was wir erreichen wollen: Dass die Flüchtlinge sich selbst und andere nicht durch Unwissenheit im Verkehr in Gefahr bringen.” Benjamin Kloos