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  • Di., 24. Juli 2018, 09:15 Uhr
    Inszenierung 2018 haucht Nibelungen-Mythos wieder Leben ein / Viel Applaus nach 
Premiere / Erfrischend andere Fortschreibung der Geschichte

    Siegfrieds Erben bringen den Dom zum Beben

    Video-Designer Clemens Walter bringt den Dom zum „beben” und lässt das Publikum erschaudern. Foto: David Baltzer

    WORMS – In Siegfrieds Erben verfügte Hunnenkönig Etzel am Freitagabend bei der Premiere vor etwa 1.300 Zuschauern ein sieben Tage währendes Fest, an dessen Höhepunkt die Jungfrau Swanhild zur „Hohen Hunnen” geadelt werden soll. Als kurz vor Mitternacht der Vorhang am Dom-Nordportal gefallen war, zollte das Publikum der neuen Inszenierung lang anhaltenden und intensiven Applaus. Während die Hunnen nur sieben Tage feiern, feiert Worms die Festspiele noch bis 5. August! Die Fortschreibung der Geschichte durch das Autorenduo Feridun Zaimoglu und Günter Senkel hat nach Gemetzel, Gold und Glut die Lust auf den Nibelungen-Stoff neu entfacht.
    „Fantastische und professionelle Arbeit”, lobte Oberbürgermeister Michael Kissel bei der Begrüßung im Heylshofpark die Leistung der Verantwortlichen hinter den Kulissen. Intendant Nico Hofmann verwies auf die hervorragende Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort. Dieses Verständnis für kulturelle Belange sei keineswegs selbstverständlich, betonte Hofmann, der auch die Arbeit von Thomas Laue als neuem künstlerischem Leiter schätzen gelernt habe. Gemeinsam wurde bis zuletzt trotz Hagel und Gewitter an den Details gearbeitet. Zudem habe die Blinddarm-Notoperation von Dietrich von Bern-Darsteller Felix Rech zwei Tage vor der Premiere das Team vor eine besondere Herausforderung gestellt. „Dass Felix Rech nach Rücksprache mit den Ärzten heute auf der Bühne steht, ist unglaublich”, merkte Hofmann an. „Kein Spaß, ein anspruchsvoller Abend”, so der Intendant.
    Mit Daniel Lommatzsch kam aus München prompt Ersatz für den Schauspielkollegen angereist. Lommatzsch spielte sich bei der Medienprobe in seine Rolle und setzte sich am Sonntagabend auch vor dem Kaiserdom gekonnt in Szene, da Felix Rech nach gut überstandener OP und bemerkenswertem Auftritt bei der Premiere eine Ruhepause einlegen musste.
    Im Rampenlicht auf dem Roten Teppich: Wilson Gonzalez, Natascha, Cheyenne und Jimi Blue Ochsenknecht. Foto: Karolina Krüger

    Etzels Rache lässt sogar den Dom „beben”
    Auf der Freilichtbühne vor dem Kaiserdom wurde der Nibelungenmythos fortgeschrieben. Die spannende Frage, wie die Geschichte nach dem Gemetzel im Hunnenland weiter geht, wurde unter der Regie von Roger Vontobel eindrucksvoll beantwortet. Etzels Rache ließ mittel hochsensibler Technik und dem Know-how eines von Video-Designer Clemens Walter sogar den Dom „erbeben”. Ein Wirkungstreffer auch beim Publikum. Applaus für tolle 3-D-Effekte, die für Gänsehaut-Momente sorgen. Sein ganzes Charisma konnte auch Jürgen Prochnow in die Rolle des Etzel werfen. Die Trauer um Ortlieb, Kriemhilds und Etzels Sohn, mündet schließlich im Machtkampf um den Nibelungschatz. Den, wie auch die Vorherrschaft um das Burgunderreich, verlieren auch Siegfrieds Eltern, das Königspaar Siegmund (Bruno Cathomas) und Sieglinde (Karin Pfammatter) aus Xanten, die im Dialog als alterndes Monarchenpaar amüsante Momente beisteuern.
    Schluss-Applaus. Jürgen Prochnow brilliert als Hunnenkönig Etzel, der Beifall des Publikum brandet auch für seine Leistung auf. Foto: Stefan Weißmann

    Neuer Stern am Nibelungenhimmel
    Linn Reusse als Swanhild, Tochter von Siegfried und Kriemhild, entpuppt sich beim Aufeinandertreffen der Kulturen und Religionen wider Erwarten als ernstzunehmende Widersacherin Etzels. Selbst Ursula Strauss verblasste als Burgherrin Brunhild mit fortwährender Dauer neben dem neuen Stern am Nibelungenhimmel. Swanhild trägt mit dem einfältigen Burkhardt, Sohn von Brunhild (Max Mayer) das Erbe weiter. Sie nährt beim Publikum die Hoffnung auf eine ebenso effektvolle wie überraschende Fortsetzung. 2019 soll die Inszenierung den Titel „Überwältigung” tragen. Am liebsten wieder mit Charakteren wie Jürgen Prochnow als Etzel. Ein Wiedersehen mit Enkhjargal Dandarvaanchig, dem Stimmwunder aus der Mongolei, wäre ebenfalls ein Gewinn. Enkhjargal Dandarvaanchig hat, wie das gesamte musikalische Konzept, den Erfolg des neuen Stückes mitgetragen, bei dem Festspiel-Urgestein Wolfgang Pregler unter Beweis, dass er auch Königsmutter Ute kann. Die Eindrücke von der Fortschreibung der Geschichte wirken nach. Neugierig und mit einer gewissen Erwartung gilt der Blick bereits der „Überwältigung”. Steffen Heumann







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