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Do., 27. August 2020, 09:29 Uhr
Verabschiedung von Schiedsmann Werner Hahl und Amtseinführung von Günter Loy
Simone Günderoth neue Schiedsfrau – ein Ehrenamt fürs Schlichten
Unter dem Stadtwappen der Stadt Lampertheim wahrten sie für das Foto Distanz (von links): Günter Loy, Kai Andres, Amtsgerichtsdirektor Lothar Schwarz, die neue Schiedsfrau Simone Günderoth, Bürgermeister Gottfried Störmer und Werner Hahl. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Im Schiedsamt sind Fingerspitzengefühl und Wissen gefragt, Geduld und Ruhe sowie die Fähigkeit auf Menschen zuzugehen, zuzuhören, um einen Konflikt auflösen zu können – Schiedspersonen sind also „besondere Menschen“ wie es Bürgermeister Gottfried Störmer und deren unmittelbarer Dienstvorgesetzter bei der kleinen Feier im großen Sitzungssaal des Stadthauses am Dienstagvormittag formulierte. Amtsgerichtsdirektor Lothar Schwarz, Leiter des Lampertheimer Amtsgerichts, spielte in diesem Fall nur die zweite Geige, wie er seine offizielle Funktion beschrieb. Denn anders als beim Ortsgericht obliegtdem Amtsgericht als Dienstaufsicht des Schiedsamts nur der Vollzug der formalen Verabschiedung und Amtseinführung mit Vereidigung, was bereits früher geschehen war. Die Verabschiedung der bisherigen Schiedsmänner Werner Hahl und seines Stellvertreters Kai Andres wurde wegen der Coronaregeln im kleinen Rahmen in Begleitung der Partner, aber der Distanz wegen im großen Saal gefeiert und auch die anschließende Amtseinführung der neuen Schiedsfrau Simone Günderoth und ihres Stellvertreters Günter Loy verlief wegen der geltenden Coronaregeln zügig. Einen Händedruck gab es ebenso wenig wie die persönliche Überreichung von Weinpräsenten und Blumenstrauß für die Dame. An Anerkennung der Leistungen des ausgeschiedenen Schiedsmannes Werner Hahl, der dieses Ehrenamt seit 25 Jahren ausübte, wurde jedoch nicht gespart. Das Schiedsamt in Hessen gebe es seit etwa 180 Jahren, mit der besonderen Funktion der Konfliktlösung ohne Gerichtsverfahren, um stattdessen im gemeinsamen Gespräch einen Kompromiss zu finden, meistens bei einem Nachbarschaftsstreit, wie Bürgermeister Störmer die Funktion dieses Ehrenamtes erläuterte, das neben der eigentlichen Berufstätigkeit ausgeübt werde. Eine Vielzahl von Vorgängen habe Werner Hahl in 25 Jahren verhandelt. Amtsgerichtsdirektor Schwarz erinnerte an das Jahr 1994 als Werner Hahl in das Ehrenamt gewählt wurde und die Schiedsämter Hofheim und Rosengarten wegen der geringen Auslastung mit Lampertheim zusammengelegt wurden. Schwarz dankte Werner Hahl für die geleistete Arbeit, ebenso wie dessen Stellvertreter Kai Andres, der in seinen fünf Tätigkeitsjahren die vorbereitenden Arbeiten mitgetragen habe, die sich über den zivilrechtlichen Bereich, verwaltungsrechtliche Fragen und Privatklagen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruch erstreckten. Zur Zufriedenheit auch der Geschäftsstellenleiterin sei die Arbeit ausgeführt worden. Die neue Schiedsfrau Simone Günderoth, Anfang 2020 von der Stadtverordnetenversammlung gewählt, werde sich noch die Vorschriften aneignen, wozu auch „ein bisschen Strafrecht“ gehöre. Die ganze Bandbreite des menschlichen Zusammenlebens mache den Reiz des Amtes aus, befand Schwarz. Auch Günter Loy als stellvertretender Schiedsmann werde sich mit den Vorschriften auseinandersetzen müssen. Beiden wünschte Schwarz im Amt viel Glück. Wie bei der Dankesrede von Werner Hahl deutlich wurde, kann dieses Ehrenamt zufrieden machen. Es sei ein schöner Anlass, seinen Dank an den Dienstherren und an den juristischen Dienstvorgesetzten zurückzugeben. „Ich habe es gerne gemacht“, sagte Werner Hahl, dem das Amt praktisch in den Genen lag, denn schon sein Großvater war Schiedsmann. Doch kein anderer kam bislang an die lange Amtszeit von 25 Jahren von Werner Hahl heran, wie er selbst bei Recherchen herausgefunden hatte. Dann hatten die Zuhörer noch das Glück, Werner Hahl zu erleben, als er ein wenig „aus dem Nähkästchen“ plauderte. Bei einem seiner spektakulären Fälle sei es um das Parken auf der falschen Straßenseite gegangen, ein Streit unter Nachbarn, der eskalierte, als die Nachbarin das Cabrio mit einem Gartenschlauch wässerte. Der Betroffene stellte einen Schlichtungsantrag, doch die Nachbarin habe sich nicht äußern wollen. Werner Hahl musste schließlich eine Erfolgslosigkeitsbescheinigung ausstellen. Vor Gerichtzog der Mann nicht, hatte Werner Hahl erfahren, fragte aber nach. Der Mann habe gelernt – sein Auto parkte er nicht mehr auf dieser Straßenseite. Werner Hahls Fazit nach 25 Jahren: „Es gibt Menschen, die wollen sich nicht vergleichen“. Hannelore Nowacki