
GROSS-ROHRHEIM – Zur letzten Sitzung der Gemeindevertretung in diesem Jahr am Mittwoch hatte Gemeindevertretervorsteher Torsten Henzel (SPD) mit kurzer Tagesordnung eingeladen. Unter den acht Punkten stand die Zuleitung der Haushaltsplans 2026 nach den Mitteilungen und Anfragen ganz oben. Mit 18 von insgesamt 19 anwesenden Gemeindevertretern war das Gemeindeparlament fast vollständig erschienen. Zwei Zuschauer hatten Platz genommen. In seiner Haushaltsrede für 2026 sprach Bürgermeister Karsten Krug (SPD) von zahlreichen „Herausforderungen“, die gar nicht in der Gemeinde hausgemacht sind, sondern auf Bundes-, Landes- und Kreisebene mit erheblichen Auswirkungen auf den Haushalt entschieden werden. Aus Berlin sieht Krug keinen Kurswechsel zur Verbesserung der wirtschaftlichen Gesamtsituation mit Auswirkung auf die Kommunen und auch von der neuen Koalition in Hessen sei nicht das umgesetzt worden, was sie medial „als Partner der kommunalen Familie“ präsentiert habe: Stattdessen sei es zu Kürzungen im kommunalen Finanzausgleich gekommen, durch den in Groß-Rohrheim 165.000 Euro fehlen. Der Grundbetrag pro Einwohner war reduziert worden. Zusammen mit einer geänderten Regelung bei der Gewerbesteuer durch das Land Hessen, die 130.000 Euro weniger an Erträgen erbringe, verliere Groß-Rohrheim 300.000 Euro. Auch der Kreis Bergstraße belaste den Haushalt mit Kreis- und Schulumlage weiterhin erheblich. Um aus dem finanziellen Tal der Tränen mittelfristig herauszukommen, sieht Krug mittelfristig eine Anpassung, sprich Erhöhung, der Grundsteuer B als Lösung unumgänglich. Seine positive Botschaft: „Noch steht unsere Gemeinde dank solider Rücklagen und hohem Kontostand vergleichsweise gut da“. Wobei die ordentliche Rücklage rund 1,8 Millionen Euro und die außerordentliche Rücklage rund 7,7 Millionen Euro betrage, so dass die Fehlbeträge in den kommenden Jahren gedeckt werden könnten. Trotz hoher Defizite sei der Haushalt genehmigungsfähig.
Foto: Hannelore Nowacki
Wichtige Investitionen könnten dennoch in Groß-Rohrheim im Bereich Bildung und Kinderbetreuung stattfinden. Auch in der Entwicklung Gewerbegebiete und Einzelhandelsstandort solle weitergehen. Die Mittel für das Kulturprogramm, Maimarkt, Kerwe und Nikolausmarkt und die Sommer-Allee sowie für Autorenlesungen und einen Comedy-Abend seien im Haushalt eingeplant. Die lange Themenliste anstehender Aufgaben sei keine abschließende Aufstellung, betonte Krug. Trotz aller „Herausforderungen“ sieht Krug für Groß-Rohrheim zeitgleich Chancen für die weiteren Entwicklung der Gemeinde. Der Haushaltsplan wird nun in den Fraktionen diskutiert, im neuen Jahr ist die Beschlussfassung vorgesehen. In weiterer Tagesordnungspunkt war die Wahl der stellvertretenden Schiedsperson für die seit Monaten vakante ehrenamtliche Stelle. Wie bereits bei vorherigen Wahlgängen erhielt Dieter Engert (Leben in Groß-Rohrheim) in der geheimen Wahl nicht die erforderliche Stimmenmehrheit. Dem Bericht des Gemeindevorstandes ist zu entnehmen, dass die Gemeinde Groß-Rohrheim aus dem Soforthilfeprogramm des Landes Hessen 89.565 Euro erhält, die bereits im Haushalt 2026 verbucht sind. Für die Aufnahme der Gemeinde in das Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Entwicklung“ des Landes Hessen liegt die Zusage vor.
Hannelore Nowacki
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