CARITAS: Corona verändert die Arbeit vor Ort – sowohl bei der Beratung als auch bei der Tagespflege und im Alten- und Pflegeheim
„Sozial braucht digital”
Die beiden Caritasdirektoren Stefanie Rhein und Ansgar Funcke (v.l.) präsentierten den Jahresbericht der Caritas – und wiesen auf die besonderen Angebote in Lampertheim hin. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Der Caritasverband Darmstadt bietet ein breites Hilfeangebot für Menschen in vielen persönlichen Krisen an – auch in Zeiten von Corona und gerade auch im Ried. Die beiden Caritasdirektoren Stefanie Rhein und Ansgar Funcke informierten im Rahmen eines Pressegesprächs über die Arbeit in Lampertheim und die aktuelle Situation.
Dieses fand aufgrund der geltenden Abstandsregeln in den Räumen der Tagesstätte des Gemeindepsychiatrischen Zentrums in der Neuen Schulstraße statt, in der es ungewöhnlich still war. Denn die psychisch kranken Gäste der Tagesstätte, die sonst hier gemeinsam essen, erzählen und eine Tagesstruktur erleben, dürfen wegen Corona erst wieder ab dem 2. Juni kommen. „Wir sind froh, dass wir wieder öffnen dürfen und so den Menschen nicht nur Orientierung im Alltag, sondern auch eine sinnstiftende Tätigkeit bieten können. Denn für viele unserer Besucher war die Situation am Anfang noch leicht zu ertragen, aber mit der Zeit wurde es sehr schwierig, trotz regelmäßiger telefonischer Kontakte. Besonders die Klienten, die alleine in ihrer Wohnung leben, haben mit Vereinsamung und Ängsten zu kämpfen”, erläuterte Stefanie Rhein. Von den 20 Plätzen, die zur Verfügung stehen, können aufgrund von Auflagen nicht alle gleichzeitig belegt werden. „Aber wir arbeiten derzeit an einem Angebot, wie wir möglichst allen mit Aktivitäten im Freien wieder aktiv helfen können.”
Durch die Schließung der Einrichtungen und der Tatsache, dass die Menschen nicht mehr zur Beratung kommen können, habe das Jahresthema der Caritas aus dem Jahr 2019 noch einmal besonders an Bedeutung gewonnen: „Sozial braucht digital.” „Digitalisierung ist für unseren Alltag elementar geworden. Dies hat unsere IT sehr herausgefordert, aber ich glaube es sind gute Momente, die so entstanden sind. Wir lernen, mit dem digitalen Kontakt anders umzugehen”, erläuterte Stefanie Rhein. „Gerade da, wo der persönliche Kontakt wichtig ist, kann der digitale Kontakt aber auf einmal zur großen Hürde werden, auch und gerade aus finanziellen Gründen. Daher ist es wichtig, die Möglichkeit zu schaffen, dass auch Menschen, die es sich finanziell nicht leisten können, die Möglichkeit an der digitalen Beratung zu ermöglichen.”
Vielfältige Beratungsangebote
Im Caritas-Zentrum in der Neuen Schulstraße sind neben der Tagesstätte auch die Büros der Beratungsstelle und des Betreuten Wohnens untergebracht. Außerdem finden in den Räumlichkeiten die Sprechstunden der Allgemeinen Lebensberatung, der Schwangerschafts-, der Seniorenberatung sowie des Krisendienstes statt, seit Corona jedoch überwiegend telefonisch.
Die Sorge um die Existenz sei bei vielen Menschen in der Krise nochmals deutlich geworden. „Das Angebot der Caritas ist daher umso bedeutender, dieses wird zum Großteil durch die Kirchensteuer finanziert. Die Beratungsangebote sind leider ein Wachstumsmarkt, da der Bedarf immer mehr steigt”, so Ansgar Funcke. Beratung sei vor allem bei der Existenzsicherung, beim Zugang zu bezahlbarem Wohnraum und bei der Schwangerschaftsberatung gefragt. Gerade bei diesen Bereichen sowie bei Angst- und Panikstörungen und Trennungs- und Lebenskrisen sei der Kontakt über Telefon oder E-Mail nicht so sehr geeignet. Daher stellte Corona die Arbeit aller Caritas-Mitarbeitenden vor besondere Herausforderungen. „In dieser turbulenten Zeit, in der viele Menschen große Ängste haben, braucht es die Angebote der Caritas. Da sind unsere Mitarbeiter mit den Hilfeangeboten verlässliche Anlaufstellen”, ergänzte Ansgar Funcke und mahnte: „Ein Thema, das uns bereits in den letzten Jahren mit Sorge erfüllt hat, ist die häusliche Gewalt. Dies ist im Alltag vieler Menschen immer wieder eine große Herausforderung. Viele der Frauenhäuser waren bereits 2019 sehr stark ausgelastet.”
Digitalisierung im Alten- und Pflegeheim
In Lampertheim ist der Caritasverband neben dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum seit November 2018 auch für das Alten- und Pflegeheim Mariä Verkündigung als Träger verantwortlich. „Hier mussten wir mit der Einführung des Besuchsverbotes sehr schnell nach Lösungen suchen, wie die Bewohner zu ihren Angehörigen per Video Sichtkontakt halten können. Andererseits wurde in dieser Zeit aber auch sehr deutlich, dass die alleinige digitale Ansprache Hilfesuchender in vielen Bereich nicht möglich ist oder nicht ausreicht”, so die Caritasdirektoren. Not mache erfinderisch und so hätten Messenger-Dienste und Videokonferenzprogramme innerhalb weniger Tage den Einzug ins Heim geschafft. „Das war alles nur dank des großen Engagements der Mitarbeiter möglich”, ergänzten die Caritasdirektoren. Benjamin Kloos