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  • Mo., 13. März 2023, 20:58 Uhr
    INKLUSION: Erster Sport-Inklusionstag in der Altrheinhalle mit vielen Besuchern

    Sport, Spaß und Spiel - Angebote der Sportvereine gerne genutzt 

    Handballspielen im Rollstuhl, das probierten viele Kinder und Jugendliche aus. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Kinder, die vor Freude strahlten, Jugendliche mit sportlichem Ehrgeiz, Eltern und Großeltern, die zuschauten und mitmachten und sich über die Angebote informierten – in der Altrheinhalle war am Sonnntagvormittag viel los und viel geboten. Um mit Sport, Spaß und Spiel junge Menschen mit und ohne Einschränkungen zu begeistern hatten sich die teilnehmenden Vereine und Anbieter ins Zeug gelegt. Sechs Stunden waren eingeplant. „Sport ist ein guter Weg zum Zusammenhalt“, sagte Erster Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt bei der Eröffnung des ersten Sport-Inklusionstages in Lampertheim. Herkunft und sozialer Status, Beeinträchtigungen oder keine Handicaps – Sport bringt die Menschen zueinander, ist Schmidt überzeugt. Dieser Sport-Inklusionstag sei das erste sichtbare Zeichen aus dem Aktionsplan Inklusion, der mit fünf Arbeitsgruppen an den Start ging, darunter die Gruppe mit Schwerpunkt Sport und Freizeit. Auch Bürgermeister Gottfried Störmer schaute sich die Angebote in der Altrheinhalle an. Sportinklusionslotsin Ulrike Gliem, beim Kanu-Club Lampertheim ist sie Sportwartin und Trainerin, hatte diesen Sport-Inklusionstag mit Projektkoordinatorin Chantal Schwarz organisiert. Schon nach einer Stunde war klar: Die Angebote kommen gut an. Darüber freute sich Ulrike Gliem, auch in Erwartung des Nachmittags mit vielen weiteren Besuchern. Als besonderen Vorteil sieht sie, dass sich sowohl Kinder mit und ohne Beeinträchtigung als auch Vereine ausprobieren und neue Möglichkeiten entdecken können. Denn noch hätten nicht alle Sportvereine Erfahrung mit inklusiven Angeboten. „Ein großes Kompliment“ für diesen Sport-Inklusionstag sprach der 1. Vorsitzende des Frankfurter Inklusions-Sportvereins Holger Kranz aus. „Eine tolle Resonanz“. Da er seit 30 Jahren viel herumkomme, könne er sagen: „Das ist in Deutschland nicht selbstverständlich, eigentlich die absolute Ausnahme“. Vom Rollstuhl aus schaute er dem bunten Treiben zu, beeindruckt auch, wie häufig „seine“  Leih-Rollstühle von Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung ausprobiert wurden. Zwanzig Rollstühle verschiedener Bauart hatte er zum Ausleihen mitgebracht, sollte der Ansturm noch größer werden, habe er weitere zwanzig Rollstühle draußen im Fahrzeug, erzählte er im Gespräch mit dem TIP. Vor dem Tor der TV-Handballer spielten sich rasante Spielszenen mit Rollstühlen ab, kräftig drehten die Kinder und Jugendlichen die Greifringe. „Das geht ganz schön in die Arme“, meinte ein Junge, was die anderen bestätigten. Auch die Haut werde strapaziert, Handschuhe würden wohl helfen. Dazu meinte Holger Kranz gegenüber dem TIP, dass Rollstuhlfahrer wie alle Menschen je nach Hauttyp unterschiedlich reagieren würden, doch sei mit Schwielen zu rechnen. 

    Ausprobieren und Spaß haben

    In der Altrheinhalle war der TV Lampertheim mit Handball vertreten, beim Fußball kooperierte die Lebenshilfe. Harry Heidenreich, bei der Lebenshilfe ehrenamtlich aktiv, machte mit den Kindern Übungen zur Körperwahrnehmung wie Rückwärtsgehen und Springen. Spaß sieht er als Schlüssel zu Sport und Bewegung: „Spaß muss sein“. Besonders gefalle den Kindern zum Abschluss der Übungen das Schlagpolster, das er festhielt. Bei den Kickboxern vom Team Busse, eine Abteilung im Kanu-Club, waren Ausdauer und Kraft das Thema am Kunststoff-Dummy, der unbeschadet viele kraftvolle Schläge einsteckte.

    Tennis stand bei den Besuchern hoch im Kurs. Foto: Hannelore Nowacki


    Als jedoch Dirk Eichenauer in zwanzig Sekunden seine Rekordtreffer landete, musste Trainer Steven Busse dem Dummy den Kopf halten. Sohn Luke mit fast zwölf Jahren zeigte sich ebenfalls in Hochform. Erfolgreich war auch die zehnjährige Lucía, die bereits im Wassersportverein Lampertheim aktiv ist. Handball habe sie ausprobiert, aber nicht alle Stationen in der Halle, erzählte sie. Die Kleinen hielten sich an den Geschicklichkeitsparcours. Ruhe und Konzentration waren am Schießstand der Sportgemeinde Hüttenfeld (SGH) nötig, um mit dem Luftgewehr ins Ziel zu treffen. Vereinsmitglied Tommy, acht Jahre alt, profitiert von seiner Erfahrung, er empfiehlt: „Man kann sich beim Zielen Zeit lassen“. Hüpfen und Geschicklichkeitsspiele machten den Kindern bei der Tanzschule von Ute Gabel-Schader Spaß. Bei den Tennisclubs Hüttenfeld und Lampertheim sausten die Bälle über das Netz. Tennis geht auch mit Rollstuhl, bewies ein junger Mann, der auf ihn angewiesen ist. Am Stand des Deutschen Behindertensportverbandes von der Geschäftsstelle in Fulda informierte Masha Derigs zahlreiche Besucher und die Vereine über die Angebote. Als Inklusions-Checkerin besucht und berät sie mit ihrer Kollegin Vereine in ganz Hessen. Am Tisch nebenan bei ihrer Kollegin Ines Prokein saß gerade die neunjährige Johanna mit Augenbinde, vor sich vier weiße Becher und zehn Bausteine in vier Größen, die sie durch Tasten und Fühlen nach Größe in die Becher sortierte. „Stimmt alles“, stellte Ines Prokein fest – wie zuvor bei ihrem Papa Jörg Lohmann. Keine leichte Aufgabe, wie er jedoch betonte. Was ihr am besten gefällt? „Eigentlich ist alles gut“, meinte Johanna.  Wer nach der Bewegung Hunger hatte, konnte sich beim DRK-Team mit knusprigen Pommes oder Brötchen mit heißer Wurst stärken. Hannelore Nowacki

     

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