VEREIN FÜR HEIMATGESCHICHTE: Großes Interesse an der Tagesfahrt nach Seligenstadt und Hanau Wilhelmspark
Spurensuche der Märtyrer Petrus und Marcellinus fortgesetzt
Interessante Eindrücke erhielten die Teilnehmer bei der Exkursion des Nordheimer Vereines für Heimatgeschichte. Foto: oh
NORDHEIM – Wie im vergangenen Jahr begaben sich die Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim auch in diesem Jahr auf die Spuren der Märtyrer Petrus und Marcellinus. Diese beiden Heiligen hat Einhard, der Biograph des Kaisers Karl des Großen, im Jahr 827 aus Rom holen lassen. Petrus und Marcellinus, der Priester war, erlitten um das Jahr 299 oder 304 nach Christus unter dem römischen Kaiser Diokletian den Märtyrertod. Beigesetzt in den Katakomben Roms wurden sie schon bald verehrt, wundersame Heilungen bei körperlichen Gebrechen wurden ihnen zugeschrieben. Auf ihrem Weg von Rom wurden sie mit dem Schiff den Rhein herab nach dem alten römischen Hafen Zullestein/Stein in Biblis-Nordheim verbracht. Hier erwartete den goldenen Schrein mit den Gebeinen der Heiligen schon eine große Menschenmenge. Singend und betend schulterten die Vornehmsten des Rieds den Sarkophag in langer Prozession nach dem Kloster Lorsch. Aber Einhard hat für diese beiden Heiligen die Basilika in Michelstadt erbaut. Bereits ein Jahr später verbrachte er sie in das verfallene römische Kastell bei Obermühlheim am Main. Schnell wurde die dortige Laurentiuskapelle für den Zustrom der Wallfahrer zu klein und es wurde eine große Basilika in karolingischem Stil aus Steinen des Kastells mit Benediktinerabtei errichtet, die den Namen Seligenstadt bekam. Reiche Schenkungen bekam die Abtei aus der ganzen Umgebung.
Das Kloster Seligenstadt nahe dem Mainufer, wurde ab 1685 in barockem Stil vergrößert und erneuert. Ein prächtiger großer Klostergarten mit Nutzpflanzen zur Deckung des Eigenbedarfs, Apotheken- und Kräutergarten wurden mit angelegt. Es gab die Überzeugung, dass die Seele des Mönchs außerhalb der Klostermauer Schaden nehme. Für Seligenstadt war das reiche Kloster mit seinem Wallfahrtsbetrieb ein enorm wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Schöne Fachwerkhäuser entstanden innerhalb der Stadtmauer. Im letzten Weltkrieg unbeschädigt hat Seligenstadt in seiner Kernstadt heute 15000 Einwohner, neben Behörden und höherer Schule, gibt es noch zwei Brauereien und sechs Eisdielen. Bei der Führung durch die Altstadt erstaunten die zahlreichen gastronomischen Betriebe. In jüngster Zeit hat sich Seligenstadt zu einem begehrten Ort für Eheschließungen entwickelt. Mehrere Hochzeitsfeiern an einem Tag sind meist die Regel.
Am Marktplatz befindet sich noch das Einhardhaus mit dessen Inschrift „Seelig sei die Stadt genannt, in der ich meine Tochter Emma wieder fand“. Hier wird der Städtenamen dahingehend erklärt, dass Einhard und die Kaisertochter Emma heimlich geheiratet haben und danach vom Kaiserhof verbannt wurden. Nach einigen Jahren fand der Kaiser auf einer Jagd in den umliegenden Wäldern zufällig beide als Betreiber des Gasthof Bären wieder, war väterlich erfreut und vergab ihnen. Der barocke Staatspark Hanau-Wilhelmspark, angelegt ab 1777war das weitere Ziel der Exkursion. Er beeindruckte durch seinen authentischen Park und die zahlreichen fürstlichen Prachtbauten. Großes Interesse fand das große historische Karussell von 1779, das zum Vorbild der kleineren Jahrmarktkarussells wurde. Aber auch das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum. Nach gemeinsamem Abendessen, dankten die Teilnehmer den Organisatoren der schönen Fahrt, Gisela Gibtner, Jens Bitsch und Kurt Dinges für die gelungene Tagesfahrt. zg