Antrag für Förderprogramm Stadtumbau Ende März – gut besuchter Infoabend im Rathaus
Stadtentwicklung in Biblis geht voran
Bibliser Bürger aller Altersgruppen waren bei der öffentlichen Informationsveranstaltung zum geplanten Stadtumbau, der durch das Förderprogramm des Landes Hessen unterstützt werden soll. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Diesmal soll es klappen. Nachdem die Aufnahme in das hessische Förderprogramm zum Stadtumbau im vergangenen Jahr für die Gemeinde Biblis überraschend nicht erfolgreich war, arbeiten Bürgermeister Felix Kusicka, Verwaltung und NH ProjektStadt an der Ausarbeitung des neuen Antrags, der Ende März an das Land Hessen geschickt wird. Gemeinsam mit den Bürgern soll am „neuen Biblis“ gearbeitet werden. Zum Auftakt der neuen Runde hatte Bürgermeister Kusicka am Dienstag alle Bibliser Bürger zum Informationsabend in den großen Sitzungssaal des Rathauses eingeladen, „um Teil dieses spannenden Prozesses zu sein“. Zur Freude des Bürgermeisters war das Interesse groß, der Saal voll. Kusicka erklärte, dass der erneute Antrag mit mehr Detailtiefe unterlegt werden solle, eine Aufgabe, die gemeinsam mit den Bürgern angegangen werde. Am Dienstag wird es ein Treffen mit eingeladenen Vertretern aus der Bibliser Bürgerschaft geben, die als Multiplikatoren in der „Lokalen Partnerschaft“ an der Entwicklung für Biblis mitwirken werden. Nach seiner Konstituierung soll das Gremium mit zehn bis fünfzehn Mitgliedern eine arbeitsfähige Größe haben. Vertreter aus den Fraktionen und Gremien, des Jugendrates und der Senioren, Banken und weitere werden mitarbeiten. „Ich persönlich halte es für zwingend notwendig, dass wir diesen Veränderungs- und Modernisierungsprozess angehen“, betonte Kusicka. Im Vergleich zu umliegenden Kommunen sei Biblis im Rückstand, es werde ein spannender Prozess und eine Herausforderung zugleich. In einem etwa dreiviertelstündigem Vortrag stellte Diplom-Geografin und Projektleiterin Corinna Berger, die mit ihrem Kollegen Gregor Steiger die begleitende Firma NH ProjektStadt mit Sitz in Frankfurt am Main vertrat, das Unternehmen vor und fasste die bisherige Entwicklung in Biblis rückblickend zusammen. Mit der Vorstellung des Standortentwicklungskonzeptes 2013 hatte der Veränderungsprozess begonnen, 2015 wurden in zwei großen Workshops mit der Verwaltung die Themenbereich Leben und Wohnen, Energie und Imagewandel, Tourismus und Mobilität, Kultur und Bildung, Grün- und Freiflächen besprochen. Ergänzungen an diesem Abend seien erwünscht, erklärte die Referentin. Die „Lokale Partnerschaft“ werde weitere Impulse geben. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehört die Informationsveranstaltung. Wenn Biblis in das Förderprogramm aufgenommen wird, kann mit einer Förderquote von 50 bis 65 Prozent gerechnet werden. Eine Mitteilung des Landes Hessen, ob Biblis mit einer Förderung rechnen darf, ist im Herbst zu erwarten. Mit Beispielen aus anderen Kommunen illustrierte Berger die möglichen Förderbereiche, zu denen auch verbindende „grüne und blaue“ Elemente der Infrastruktur zum Klimaschutz gehören wie Grünflächen und Gewässer. Bürgermeister Kusicka nahm die aktuelle Lage in den Blick, konzentriert auf die städtebaulichen Defizite in Biblis wie den Bahnhof und das Umfeld mit den maroden Lagergebäuden sowie die Bahnhofstraße.
Rund um den Bahnhof soll es in Biblis schöner werden. Archivfoto: Hannelore Nowacki
Wer mit der Bahn in Biblis ankomme, soll zukünftig durch die Umgestaltung der Bahnhofstraße ein ansehnliches Entree vorfinden, einhergehend mit einer Verbesserung der Wohnqualität wie durch die Sanierung der Hausnummer 21 als Wohngebäude. Wenn 2018 der Bahnhofsumbau für die S-Bahn abgeschlossen ist, brauche Biblis für die Pendler ein P+R-Areal, das auf gemeindeeigenen Grundstücken jenseits der Bahngleise entstehen soll. Als zweiten „Hotspot“ nannte Bürgermeister Kusicka das Rathaus-Areal mit dem rückwärtigen Bereich einschließlich „alter Kindergarten“, der abgerissen werden könnte. Eine „neue Mitte“ soll hier entstehen, die Wohnen, auch seniorengerechtes Wohnen, Einkaufen, Café und Treffpunkte vereinigt. Auch die Aufenthaltsqualität in der Darmstädter Straße und anderen Straßen findet Kusicka verbesserungsbedürftig: „Erschreckend, wie kahl die Darmstädter Straße ist“. „Wir haben den einen oder anderen Rohdiamanten in Biblis“, meinte Kusicka mit Blick auf den Gemeindesee als fußläufig zu erreichendes Naherholungsgebiet. Neben der Schaffung von Neubaugebieten sieht Kusicka die Chance, Fördermittel mit einem Programm „Jung-kauft-Alt“ gegen Leerstände zu nutzen. Die Vorteile: Straße und Kanal, alles sei schon vorhanden. Junge Familien könnten alte Gebäude im Ortskern kaufen und mit Fördermitteln sanieren. Zum örtlichen Klimaschutz bei zunehmend heißen Sommern sollen grüne Oasen, hochwertige Grünflächen und Höfe geschaffen werden, die Solarenergie soll vom Dach kommen. Bei der anschließenden Diskussion ging es um einige Detailfragen, aber auch um die Frage „gibt es einen Plan B, wenn das Förderprogramm nicht klappt“. Für diesen Fall sieht Kusicka eine Lösung: „Es gibt auch andere Programme“. Auf Nachfrage eines jungen Zuhörers machte Kusicka deutlich: „Auch die Jugend soll Ideen einbringen“. Hannelore Nowacki