FASTNACHT: 1. Carneval-Club Rot-Weiß feierte Kampagneneröffnung im Jubiläumsjahr
Stadtprinzenpaar Sabine II. und Patrick I. übernimmt närrische Regentschaft
LAMPERTHEIM – Brauchtum mit närrischer Leidenschaft hat in Lampertheim einen Namen: Seit 66 Jahren – oder nach Narrenart gezählt nach 6x 11 Jahren – huldigt der 1. Carneval-Club Rot-Weiß (CCRW) dem Gott Jokus mit allen kreativen Kräften. Und wie bei einem runden Jubiläum Brauch ist, wird ein Stadtprinzenpaar auserkoren. Abschied nehmen hieß es am Samstagabend in der Hans-Pfeiffer-Halle allerdings auch – Stadtprinzessin Steffi II. übergab die Insignien der närrischen Macht an das Stadtprinzenpaar Sabine II. und Patrick I., deren Inthronisierung stilgerecht mit viel Disco-Nebel und einem funkensprühenden Feuerwerk eingeleitet wurde, denn beide sind im bürgerlichen Leben ehrenamtliche Feuerwehrleute und auch ein Paar, das sich den Familiennamen Kappauf teilt.
Ein grandioses Funkeln begleitete die neuen Tollitäten zur Inthronisierung. Das Stadtprinzenpaar Patrick I. und Sabine II. verspricht, Lampertheim zur Narrenstadt zu verwandeln und den Bürgermeister zu entmachten. Foto: Hannelore Nowacki
Als Motto wählten sie „Tatü Tata, hier kommt das Prinzenpaar“. Nicht lange und dann wurde es für die Feuerwehrleute im Saal ernst – ihre Reihen lichteten sich, als ein Alarm sie zu brennenden Strohballen in Rosengarten rief. Das Stadtprinzenpaar war glücklicherweise außer Dienst und konnte weiter feiern. Bei der Feuerwehr hat man es bekanntlich häufig mit Rauch und Feuer zu tun, doch die Farbe Rot teilt sich die Freiwillige Feuerwehr in Lampertheim mit dem 1. Carneval-Club Rot-Weiß. Ein Blick zurück ins Jahr 1956 zeigt, warum zum Jubiläum die Feuerwehr eine Hauptrolle einnimmt. Damals war es der Spielmannszug der Feuerwehr, der sich elf Jahre nach Ende des Weltkriegs für den Frohsinn der Fastnacht mit Kappenabend und Büttenreden begeisterte. Elf Gründerväter hatte die Fastnacht in Lampertheim vor 66 Jahren, die sich dann mit den Farben der Stadt Rot und Weiß zu deren Ehren schmückte. In feuerroter Festrobe betrat Sabine II. an der Seite ihres Prinzen die Bühne, flankiert von Kameraden der Feuerwehr in Ausgehuniform und Fahnenträger mit den Traditionsfahnen. Rot waren die Tische gedeckt, in weiße Hussen waren die Stühle gehüllt, auf denen die geladenen Gäste Platz nahmen. Eine feierlustige Abordnung des belgischen Partnervereins T’Folkloorke Adegem aus der Lampertheimer Partnerstadt Maldegem war angereist, sie brachten das dreifache „Alaaf“ mit. In Lampertheim zeigt das dreifach „donnernde Helau“ die Hochstimmung an. Aus der näheren Nachbarschaft hatten drei Karnevalclubs Abordnungen entsandt. Mit vier Tollitäten, Prinzenpaar und Kinderprinzenpaar, sorgte der KC Eich für Aufsehen. Aus Bürstadt machte das Stadtprinzenpaar Viviane I. und Andreas II. mit Gefolge aus der Vereins-AG ihre Aufwartung, musste jedoch zu weiteren Verpflichtungen weiterziehen. Eine tolle Überraschung erlebte Jesina Litters – die 2. Vorsitzende des CCRW hatte der Vorstand zur neuen Sitzungspräsidentin ernannt. Bürgermeister Gottfried Störmer, der wie der Erste Stadtrat Marius Schmidt, Kulturamtsleiter Rolf Hecher und Stadtverordneter Helmut Hummel berufener CCRW-Senator ist, sprach von einer glücklichen Lage, dass die Tradition der Fastnacht in Lampertheim aufrecht erhalten werden könne. Landrat Christian Engelhardt unterhielt das Publikum mit gereimter Rede und befand, dass die magische Zahl 66 für den CCRW „immer jung“ bedeute. Der CCRW-Vorsitzende Holger Braun versprach zur Begrüßung Frohsinn und Heiterkeit, worauf auch der Elferrat eingeschworen wurde. Die zwei Jahre der Coronazeit hätten den Verein geprägt, erklärte Braun. Zum Wohlergehen der Gäste seien die Abstände zwischen den Tischen größer. „Wir tun dies alles aus Spaß an der Freud“, bekannte Ehrenpräsidentin Margit Selb in ihrer gereimten Vereinsgeschichte. Viel Arbeit ist dennoch schon immer angesagt gewesen, wie sie als langjährige Sitzungspräsidentin und Vereinsvorsitzende weiß, deshalb ihre Empfehlung auch für eine erfolgreiche Zukunft des Vereins: „Zusammenrücken, zusammenhalten sollten wir geloben, nur gemeinsam bleiben wir oben“. Auf genau 24.107 Tage bis hin zu den Sekunden bezifferte Margit Selb die Vereinsgeschichte.
Auf die verkündeten Paragrafen der Narrenherrschaft folgte ein dreifach donnerndes Helau des Stadtprinzenpaars Patrick I. und Sabine II. mit der neuen Sitzungspräsidentin Jesina Litters und dem Publikum. Foto: Hannelore Nowacki
Eine Vielzahl von Ehrungen prägte den Abend, zahlreiche aktive Mitglieder wurden für langjähriges Engagement ausgezeichnet. Kurt Muntermann, der mit Margit Selb viele Jahre zusammengearbeitet hat, wurde zum Senator ernannt. Mehrfach wurde der Ehrenorden in Gold und Silber verliehen. Die höchste Auszeichnung des badisch-pfälzischen Karnevals, der Goldene Löwe, wurde zweimal verliehen. Den Senatoren, Ehrensenatoren und Förderern wie Alfred Grasmück, der seit 11 Jahren Ehrensenator ist, wurde Dank zuteil. Mit Schunkelrunden und Stimmungsmusik brachte DJ Rick die Fastnachter in der Pause auf Hochtouren und zum Finale wurde etwas „Verrücktes“ probiert. Ausgelassen ging es nach dem offiziellen Teil des Abends weiter. Zum Programm gehörte ein Auftritt von Funkenmariechen Yara Richter und der Funkengarde, die eine tänzerische Kostprobe ihres Könnens gaben.
Nächste Station auf dem Narrenfahrplan ist am 8. Januar das 2. Drive-in-Ordensfest, gefolgt vom Rathaussturm am 13. Januar und der Jubiläumsprunksitzung am 28. Januar. Noch eine gute Nachricht: Die Umzüge in Lampertheim und Bürstadt finden statt. Darauf freut sich Margit Selb, sie meint: „Fastnacht feiern lassen wir uns nicht mehr verleiden“. Hannelore Nowacki