Bürgermeister Gottfried Störmer stellt sich als Bürgermeisterkandidat vor
Stadtumbau wird großes Thema im Wahlkampf
Bürgermeister Gottfried Störmer ist bereit für eine weitere Amtszeit von sechs Jahren. Im Pressegespräch stellte er seine Motivation und seine Ideen vor. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Bürgermeister Gottfried Störmer wird zur Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 für die Wahlperiode ab 1. Dezember 2019 kandidieren und nächste Woche seine Bewerbungsunterlagen beim Wahlleiter einreichen. Das gab er am Mittwochabend bei einem Pressegespräch im „Bistro am Römer“ bekannt. Dabei waren Ehefrau Sabine Störmer und sein Wahlkampfberater Wolfgang Werry, der ihn bereits vor sechs Jahren unterstützt hatte. Bei Kerzenlicht in entspannter Runde erläuterte Störmer seine Motivation und Ideen für die kommende sechsjährige Wahlzeit. Von einem Gegenkandidaten sei ihm nichts bekannt, sagte Störmer auf Nachfrage, überdies würde er lieber „Mitbewerber“ sagen. Warum kandidiert er wieder? Die Antwort formulierte Störmer engagiert und umfassend, beginnend mit dem Bekenntnis: „Ich bin Lampertheimer aus Überzeugung“ und „ich bin sehr eng mit Lampertheim verbunden, ich habe eine enge Beziehung zu meiner Geburtsstadt“ und gleich danach: „Ich will meine Arbeit, die ich begonnen habe, fortführen“. Eine Menge Impulse habe er gesetzt, aber die Aufgaben nicht abschließen können. Gibt es etwas Greifbares? Störmer erklärt, dass ein Einzelner gar nichts bewegen könne, aber ein Bürgermeister das Gesicht der Stadt ist. Hilfe bekomme er von der Stadtverwaltung und ohne die Beschlussfassung und Mitarbeit der Politik komme auch in Lampertheim nichts zustande. Sein Fazit „nach fünf Jahren, einem Monat und ein paar Tagen“ fasste Störmer im Satz zusammen: „Es ist mir ganz gut gelungen mit Stadtverwaltung und Politik vieles auf den Weg zu bringen“. Schnell hatte Störmer diese Erfolge, die er nicht so nennt, aufgezählt, darunter die entschärfte Verkehrssituation an der Kreuzung Industrie- und Neuschloßstraßemit dem Kreisel, die Innenstadtentwicklung in der Sedanstraße durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Lampertheim (SEL) und die Riesengasse, die Häuser seien bereits niedergelegt. Das Bürgerhaus in Hofheim habe sich sehr positiv entwickelt. „Ich freue mich, dass ich daran mitarbeiten durfte“, sagte Störmer und wies ein weiteres Mal darauf hin, dass es immer ein Zusammenwirken von Stadtverwaltung und Politik sei. Zukunftswirksamsprach Störmer das Stadtmarketing an, das bereits ein positives Ergebnis zeige - der Innenstadt-Arbeitskreis sei von sieben auf 20 Mitglieder gewachsen. Auch die Wirtschaftsförderung und das Citymanagement mit dem Laden-Leerstandsmanagement hätten sich weiterentwickelt, bei Tourismus und Freizeit „sind wir auf einem sehr guten Weg“. Die Schulen als Kreisaufgabe müssten sich der wachsenden Kinderzahl anpassen, ebenso die Kitas, stellte Störmer fest, wobei er die geplanten 60 Millionen Euro des Kreises für den „Biedensand Campus“ äußerst positiv sieht. Das ganz große Thema im Wahlkampf werde der Stadtumbau, der ins Landesprogramm aufgenommen wurde, sich im dritten Jahr befinde und der Stadt ein neues Gesicht geben werde – vor allem in der Emilienstraße und Domgasse sowie im Unterdorf zwischen St.-Andreas-Kirche, Riesengasse und Parkplatz. Jetzt werden die Konzepte für die Innenstadt entwickelt.
Vieles dauert und braucht seine Zeit
Unter den „kritischen Themen“ nannte Störmer zunächst die ICE-Neubaustrecke und den Bahnlärm an den Bestandsstrecken. Für Ende 2019 habe der Bahnprojektleiter die Bekanntgabe der Streckenführung in Aussicht gestellt. Ein Dauerthema seit mehr als 20 Jahren sei die Altrheinentschlammung – mit den Bundesbehörden gebe es einen offenen Dialog über die Möglichkeiten und Finanzierung. Stromleitungen mit dem Ausbau für Gleichstrom der Firma Amprion führte er als drittes Problemthema an. Ein weiteres Argument für seine Wiederwahl:Hilfreich sei es, betonte Störmer, wenn man sich wie er in den Themen auskennt und weiß wer da angesprochen werden kann, wer zuständig ist. Als Zukunftsthema stehe für ihn das Wohnen in Zeiten des Einwohnerzuwachses im Vordergrund - bei seinem Amtsbeginn habe Lampertheim 31.300 Einwohner gehabt, jetzt schon 32.600,mit steigender Tendenz. Mit Vernetzung in der Region, mit Mannheim und Heidelberg, will Störmer das Thema Wohnen ausloten. Mehr Einwohner, mehr Mobilität und öffentlicher Personennahverkehr, aber auch mehr Abstellflächen für Autos? Parkplätze auf offenen Flächen in einer Stadt wie Lampertheim, wo auch Wohnungen gebaut werden könnten? Die Autos dann doch lieber in Tiefgaragen oder anstatt im öffentlichen Raum in der eigenen Garage, auf dem eigenen Stellplatz parken, sagte Störmer energisch und nannte dieses Thema„eine große Aufgabe“. Im Bahnverkehr müsse die Ausbaustufe 2 der S-Bahn kommen und die Fahrstühle müssen endlich funktionieren. Darüber hinaus will Störmer den Verbund von Bus-Bahn-Carsharing und VRN nextbike-Angeboten entwickeln. Auch sei er für weitere Themenfelder offen. Eine Erfahrung in seiner Amtszeit habe ihn tatsächlich überrascht, offenbarte Störmer: Dass vieles so lange dauert und viel Zeit in Anspruch nehme wie Gespräche mit der Politik. Auch beim Bahnhof sei es so gelaufen, die Stadt wollte schon vor anderthalb Jahren einziehen. Es gebe Zuständigkeiten, die einbezogen werden müssen. Bei ganz vielen Themen wäre er dennoch gerne weitergekommen. Seine Erkenntnis daraus formulierte er mit der alten Weisheit: „Gut Ding will Weile haben“. Damit war das Thema Personal in der Verwaltung erreicht, das höhere Kosten verursache, wenn man qualifiziertes Personal habe wolle. Andererseits sei die Optimierung der Verwaltung ein ständiges Thema. Auf sichtbare Erfolge angesprochen wies Störmer auf das abgeschlossene Projekt „Sichtbarmachung des Altrheins“ hin, wo vorher eine „grüne Wand“ die Sicht auf das Gewässer versperrte. Weitgehend abgeschlossen seien die Fahrradschutzstreifen und ähnliche Maßnahmen. Mit vier Stellen sei das Stadtmarketing eingerichtet, die sich durch die Inhalte bezahlt machen sollen. Einiges laufe schon wie das Projekt „CleVermieter“. Nun gehe es darum festzustellen wie viele Wohnungsleerstände es gibt und Eigentümer gezielt anzusprechen.
Als Bürgermeister 24 Stunden am Tag bereit
Als Bürgermeister sei man 24 Stunden am Tag dienstbereit und das sieben Tage in der Woche. Zum Beispiel könne es passieren, dass es nachts irgendwo in der Stadt brennt und die Feuerwehr ihn informiert, dass betroffene Bewohner schnell untergebracht werden müssen. Auch sonst verlangt die Tätigkeit des Bürgermeisters eine gewisse Stressresistenz, doch er habe mehr positive Rückmeldungen bekommen und Bestärkung gefunden als negative Erfahrungen gemacht. Zufrieden mache ihn, dass Bürger ihm das Vertrauen geben. Und seine Frau werde ihn weiterhin 24 Stunden freistellen. Sabine Störmer ergänzte: „Wie bisher“. Hannelore Nowacki