Di., 19. Juli 2022, 16:46 Uhr
WOHNUNGSMARKT: 11-Punkte-Plan stellt die Leitlinien der Strategie dar
Stadtverwaltung setzt auf wohnungspolitische Strategie
LAMPERTHEIM – Der Druck auf dem deutschen Wohnungsmarkt ist derzeit immens. Auch Lampertheim ist da keine Ausnahme, wie unter anderem die Diskussionen in den jüngsten Gremiensitzungen zeigen. Für die Stadtverwaltung ergeben sich somit verschiedenste Herausforderungen. Zum einen muss langfristig bezahlbarer (Miet-)Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten geschaffen werden, zum anderen stellt der demographische Wandel bestimmte Bedingungen an Wohnraum. Aber auch durch Krieg und Vertreibung ankommende Flüchtlinge müssen untergebracht und integriert werden. Um neben privatwirtschaftlichen Unternehmen selbst aktiv Wohnraum zu schaffen, hat die Stadtverwaltung ein Konzept für eine gesamtstädtische wohnungspolitische Strategie erarbeitet.
Ein 11-Punkte-Plan stellt hierbei die Leitlinien der Strategie dar. In erster Linie geht es vor allem darum, die Bedingungen für Wohnungsbau zu schaffen. „Wir reden hier davon, Flächen für den Wohnungsbau zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen“, erklärt Bürgermeister Gottfried Störmer. „Diese Flächen können dann von externen Bauträgern mit Wohnraum bebaut werden. Die Stadtverwaltung selbst baut keine Wohnungen.“ Wichtigstes Mittel hierbei ist die Nutzung des sogenannten Vorkaufsrechtes. Dadurch kann sich die Stadt wichtige Grundstücke sichern, um diese von Bauträgern bebauen zu lassen. Hierfür sieht der Plan auch vor, dass sich die Verwaltung intern neu aufstellen und die Zusammenarbeit mit externen Bereichen neu ausrichten muss. Um sicherzustellen, dass auf Grundstücken, welche von der Stadt verkauft werden, nicht ausschließlich Luxuswohnungen entstehen, hat die Verwaltung ein entscheidendes Instrument. Die Vergabe der Grundstücke erfolgt nicht zum Höchstpreis, sondern das beste Konzept nach Maßgabe festgelegter Kriterien und Qualität bestimmt die Vergabeentscheidung. Konkret bedeutet dies, dass die Stadt festlegen kann, unter welchen Bedingungen auf den Grundstücken neuer Wohnraum entsteht. Dies können beispielsweise klimafreundliche Bedingungen sein oder aber auch die Festlegung einer bestimmten Anzahl an Sozialwohnungen. Diese Vorgehensweise ermöglicht einen gesellschaftlichen Mehrwert vor wirtschaftlicher Rendite.
Ein weiteres wichtiges Instrument ist die Richtlinie "Gewährung von Zuschüssen zum Neubau im Bereich bezahlbarer Wohnraum“. Wie in vielen anderen Städten und Regionen auch, besteht in Lampertheim die dringende Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Um hier entsprechende Anreize zu schaffen, hat die Verwaltung durch die Gewährung von Zuschüssen der stark rückläufigen Anzahl an bezahlbaren Wohnungen entgegengewirkt. „Diese Zuschüsse müssen sich in einem finanziell stemmbaren Rahmen bewegen“, betont Bürgermeister Gottfried Störmer.
Die Verwaltung hat das Konzept den in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien vorgelegt und wird das 11-Punkte-Programm nun gemeinsam mit den Fraktionen in den Fachausschüssen diskutieren.
Informationen zum Wohnungsbestand der Stadt Lampertheim
Neben privaten Anbietern ist die Stadt Lampertheim auch selbst als Anbieter von Wohnungen auf dem Markt aktiv. Derzeit hält die Verwaltung insgesamt 139 Wohnungen, bei denen allerdings ein erheblicher Sanierungsstau besteht.
Aktueller und zukünftiger Bedarf
Der Fachbereich Immobilienmanagement hat gemeinsam mit weiteren Fachbereichen folgende Bedarfe an Wohnraum analysiert:
- barrierefreier Wohnraum für mobilitätseingeschränkte Menschen unter 60 Jahren
- Schaffung von vermehrt kleineren Wohneinheiten
- Nutzung regenerativer Energiequellen
- größere Gebäudekomplexe
- Wohnraum für ein möglichst selbstbestimmtes Leben
- Vorbeugen vor Ghettoisierung
- Wohnraum für Geflüchtete
- ambulante Wohnformen für Menschen mit Behinderungen zg