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  • Fr., 30. Januar 2026, 14:40 Uhr
    LESSING-GYMNASIUM: Dialogveranstaltung der Oberstufenschüler mit fünf Landtagsabgeordneten zu selbst gewählten Themen

    Stellungnahmen der Polit-Profis im Dialog im Zehn-Minuten-Takt

    Zehn Minuten Zeit hatten die Schüler, um jeden der fünf Landtagsabgeordneten zu ihrem Thema zu befragen und ihre Argumente vorzubringen. Hier ging es in der Diskussion mit MdL Alexander Bauer (CDU) intensiv und kontrovers um die Überwachungssoftware Palantir.
    Foto: Hannelore Nowacki

    LAMPERTHEIM – Fünf Fragen an die eingeladenen hessischen Landespolitiker hatten die Oberschüler der Qualifizierungsphase I im Unterricht erarbeitet, die den Landtagsabgeordneten zur Vorbereitung der Dialogveranstaltung zugegangen waren.

    Sollten alle Schüler an den weiterführenden Schulen ein digitales Endgerät erhalten, auch mehr finanzielle Unterstützung für Soft- und Hardware, um die Medienkompetenz zu fördern? Die Frage, ob Periodenprodukte in Schulen und öffentlichen Gebäuden kostenlos zur Verfügung stehen sollten, war ein Thema, das die jungen Frauen bewegt, am Thementisch waren sie unter sich geblieben. Wie in Gesprächen am Rande zu erfahren war, gibt es im LGL Periodenprodukte nur auf Nachfrage im Sekretariat, frühere Erfahrungen mit Vandalismus seitens männlicher Schüler hätten zu dieser Regelung geführt, lautete eine Vermutung gegenüber dem TiP. Als weiteres Anliegen wurden den Politikern die Frage nach verpflichtenden Angeboten zur Förderung der mentalen Gesundheit an allen hessischen Schulen vorgelegt. Als ausschließlich männliche Domäne erwies sich der Thementisch mit der Frage, ob die Sicherheitssoftware Palantir in Hessen verwendet werden sollte. Sollte es Strategien und Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen geben, um der Konkurrenz von KI zu begegnen war die fünfte Frage.

    Die hell erleuchtete Mensa des Lessing-Gymnasiums Lampertheim (LGL) wurde am Montagvormittag zu einem Politikforum mit sachlichen Diskussionen und von Seiten der Oberstufenschüler mit gut vorbereiteten Fragen an fünf hessische Landtagsabgeordnete aller Fraktionen. Alle sind auf dem Weg zum Abi im nächsten Jahr. Zu früher Stunde, schon vor neun Uhr hatten die rund 50 Schüler an den fünf Thementischen mit ihren Ausarbeitungen Platz genommen und trotz Schnee auf den Straßen waren auch die Abgeordneten pünktlich zur Stelle. Die fünf Themen hatten die Schüler selbst ausgewählt und im Unterricht vorbereitet. Federführend war der Fachbereich Politik und Wirtschaft. Allerdings hielten sich die beteiligten Fachlehrerinnen Stephanie Ulber, Anita Svuletic, Anna Werner und Jan Scherer, Lehrkraft im Vorbereitungsdienst, während der gut zweistündigen Dialogveranstaltung im Hintergrund. Schulleiterin Silke Weimar-Ekdur, die mit dem stellvertretenden Schulleiter Jérôme Dath zur Begrüßung gekommen war, dankte den Schülern für die Vorbereitung. Es sei eine tolle Veranstaltung mit Austausch zu Themen des realen Lebens. In ihrem Grußwort per Video betonte die Präsidentin der Hessischen Landtags, dass Demokratie vom Austausch unterschiedlicher Meinungen lebe.

    Am Thementisch zur Digitalisierung und Förderung der Medienkompetenz lagen die hart erarbeiteten Argumente der Schüler auf dem Tisch. Die Plätzchendose war auch nach fortgeschrittener Zeit noch geschlossen.
    Foto: Hannelore Nowacki

    Polit-Profis im strukturierten Austausch mit Abiturienten in spe

    An jedem Thementisch hielt ein Gruppensprecher die Fäden in der Hand, für die Moderation waren Sarah, Evia und Lea zuständig und das Presseteam hörte sich an den Tischen um und protokollierte am Schluss die Abstimmung. Auf die Auswahl der Abgeordneten hatten weder Schüler noch Schule Einfluss, denn diese Dialogveranstaltung wird in Verantwortung von dialogP ausgerichtet, ein gemeinnütziges Projekt zur politischen Bildung, das Jugendliche und vor allem Landespolitiker an einen Tisch bringen soll, auf das sich die Schule beworben hatte. Träger des Projekts ist der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus mit Sitz in Berlin. Den teilnehmenden Schulen in Hessen entstehen keine Kosten, Infomaterial, die Pro- und Contra-Kärtchen und die Glocke werden von dialogP zur Verfügung gestellt. Nicht zum ersten Mal, denn vor drei Jahren war die Mensa auch schon Schauplatz einer strukturierten Diskussion mit Landtagsabgeordneten auf Augenhöhe im Rahmen dieses Dialogformats. Wieder dabei war Alexander Bauer (CDU, MdL Bergstraße West), ihre Premiere hatten Josefine Koebe (SPD, MdL Bergstraße), Hildegard Förster-Heldmann (Grüne, Darmstadt), Karsten Bletzer (AfD, Bergstraße) und Yanki Pürsin (FDP) aus Frankfurt, der seinen wegen eines Trauerfalls verhinderten Fraktionskollegen Moritz Promny vertrat.

    In der Vorstellungsrunde erfuhren die Schüler unter anderem, welche Berufe und Hobbys, Lieblingsgerichte und Lieblingsmusik die Politiker haben. Schnelle Reaktion und richtige Antworten waren beim Warm-up-Quiz gefragt – Sieger nach Punkten war der jubelnde Digital-Thementisch. Sachlich und ruhig verliefen die Tischgespräche – im 10-Minuten-Takt wechselten die Parlamentarier zu einem anderen Tisch. Volkswirtin Koebe hat zur KI und Sicherung von Arbeitsplätzen eine klare Meinung: „KI bringt Vorteile, weil wir am Arbeitsmarkt schrumpfen“, sagt sie. Und wo in der Produktion vorher 10 Leute waren, sind es jetzt vielleicht gar keine – ein Produktionsvorteil angesichts der demografischen Entwicklung. Über die Fragestellung der Schüler habe sie sich gewundert. Zur Förderung der mentalen Gesundheit spricht sich AfD-Politiker Bletzer gegen verpflichtende Angebote an Schulen aus, solch sensible Themen sieht er im freiwilligen Nachmittagsunterricht oder in Selbsthilfegruppen aufgehoben. Die Bedenken der Schüler gegen die Überwachungssoftware Palantir konnte MdL Bauer nicht zerstreuen. „Es ist ein gutes Produkt“, meint er, würde aber eine europäische Lösung mit eigenem Konzept begrüßen, Marktführer seien jedoch die Amerikaner. Man habe nach einer Alternative gesucht, aber keine gefunden. Dem Argument, dass Palantir Persönlichkeitsprofile erstelle, mit Folgen, die gerade die Amerikaner erleben, sieht Bauer gelassen entgegen, da es in Deutschland Datenschutz gebe.

    Beim Warm-up mit dem Hessen-Quiz kämpften die Thementische um Punkte – die Sieger am Digitaltisch jubelten.
    Foto: Hannelore Nowacki

    Gleich darauf eröffnete die Grünen-Politikerin Hildegard Förster-Heldmann am Palantir-Thementisch, dass sie von dem Thema keine Ahnung habe. Ein Schüler wies darauf hin, dass Palantir seit 2017 ein Thema sei. Wie die FDP die Digitalisierung an Schulen sieht und die Frage nach einem öffentlich finanzierten Endgerät für Schüler an weiterführenden Schulen beantwortete FDP-MdL Pürsin in angeregter Diskussion. Ausgangspunkt war eine Studie von 2023, die seit 2013 in Deutschland einen Leistungsrückgang der Schüler feststellte. Soll Unterricht dennoch komplett digital sein? Kein „Entweder Oder“ will Pürsin, ein Endgerät sollte jeder Schüler bekommen, der es sich selbst nicht leisten kann. Alles sollte möglich sein, je nach Schule und Klasse. Wie kamen die Politiker an? Dazu hatten die Schüler sich ihre Meinung gebildet. Zu hören waren ein paar Kritikpunkte in der Pause – „aber sonst war es super“. Im Unterricht wird die Veranstaltung aufgearbeitet.
    Hannelore Nowacki
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