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  • Di., 06. Februar 2018, 08:59 Uhr
    20 Jahre ehrenamtliche Hospiz-Initiative im Ried / Feierliches Jubiläum mit Denkanstößen

    Sterben gehört zum Leben – begleiten und zuhören  

    Denkdeckel mit ungewöhnlichen Botschaften bescherten nachdenkliche Momente. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Denkdeckel lagen auf dem Tisch, gleich daneben die Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum der Hospiz-Initiative im Ried und ein informatives Faltblatt mit eingelegtem Mitgliedsaufnahmeantrag. Auf dem kurzen Weg zum Sektempfang ergab sich die Gelegenheit für einen ersten nachdenklichen Moment. Hatten doch diese farbigen runden Denkdeckel Aufdrucke mit recht ungewöhnlichen Botschaften wie „Mein Haus, mein Auto, mein Sterben“ oder „Was wünschst Du Dir für den Rest des Lebens?“ Tatsächlich ist auch der Vereinszweck ein ganz besonderer, es geht um Leben und Tod, Begleitung Sterbender und der Angehörigen, um Trauerbegleitung, Beratung und Entlastung, um Zeit schenken und zuhören. Das Sterben passiert täglich, aber der moderne Mensch mag das Thema nicht, blendet es lieber aus – ein gesellschaftliches Phänomen. Der neue Name PaHoRi e. V., der für Palliativ- und Hospiz-Initiative im Ried e. V. steht, soll die erweiterten Aufgaben als ambulanter Palliativ- und Hospiz-Begleitdienst für Erwachsene, Kinder und Jugendliche abbilden und das Ansprechen erleichtern. Die Reden zur Feierstunde im Gemeindezentrum St. Michael  gaben den Gästen einen Überblick, mit Rückschau, gegenwärtiger Lage und Ausblick in die Zukunft. Später war Gelegenheit an Stehtischen bei Sekt, Saft und belegten Schnittchen vom Büffet miteinander ins Gespräch zu kommen. Unter den Gästen waren die Stadtoberhäupter der vier Riedkommunen mit insgesamt rund 60.000 Einwohnern, denen die Hospiz-Initiative im Ried seit 20 Jahren ihre kostenfreien Angebote offeriert -  überkonfessionell und unabhängig. Bürgermeisterin Barbara Schader (Bürstadt), Bürgermeister Gottfried Störmer (Lampertheim), Bürgermeister Felix Kusicka (Biblis) und Bürgermeister Rainer Bersch (Groß-Rohrheim), Erster Stadtrat Walter Wiedemann sowie die ehemaligen Bürgermeister Alfons Haag (Bürstadt) und Alfred Kappel (Biblis) waren unter den Gästen. Landtagsabgeordneter Alexander Bauer (CDU) und Bundestagsabgeordneter Dr. Michael Meister (CDU) waren gekommen, Mitglieder der Bürgerstiftungen, Weggefährten und Mitglieder.

    Erster Vorsitzender Wolfgang Zeißner blickte auf 20 Jahre Hospiz-Arbeit zurück. Die Hospiz-Initiative im Ried trägt jetzt den Namen PaHoRi e. V., der für Palliativ- und Hospiz-Initiative im Ried e. V. steht und die erweiterten Aufgaben als ambulanter Palliativ- und Hospiz-Begleitdienst für Erwachsene, Kinder und Jugendliche abbildet. Foto: Hannelore Nowacki


    Hausherr Pfarrer Peter Kern sprach der Hospizinitiative auch im Namen seiner evangelischen Amtskollegin Pfarrerin Johanna Kluge einen ganz besonderen Dank für die in 20 Jahren geleistete Arbeit aus. „Inseln der Humanität“ nannte Kern den Verein in Anlehnung an Papst Franziskus.

    20 Jahre im Dienst der Menschen

    Die Hospizbewegung hatte sich vor mehr als zwanzig Jahren viel vorgenommen und sie hat viel erreicht. Ein Erfolg, der vielen Menschen geholfen hat, auf dem sich die Hospiz-Initiative im Ried jedoch nicht ausruht. Davon konnten sich am Sonntag die Gäste überzeugen. Der Verein zählt 140 Mitglieder und neun Vorstandsmitglieder, ausgebildet sind 28 ehrenamtliche Hospiz- und Trauerbegleiter, zehn befinden sich gerade in Ausbildung. Gabriele Weiß-Szpera und Angelika Machnik sind hauptamtliche Koordinatorinnen und zugleich Palliativ-Care-Fachkräfte. Vorstandsmitglied Thomas Köhler, zuständig für die Finanzen, führte die Zuhörer mit einem Ausflug ins Mittelalter zum Thema hin, damals kam die Redewendung vom „Löffel abgeben“ auf. Mit dem mittelalterlichen „Redestab“ erzielte der Redner Aufmerksamkeit und er gab ihn weiter. Zunächst an den Ersten PaHoRi-Vorsitzenden Wolfgang Zeißner, der die Geschichte der Hospiz-Initiative seit den ersten Treffen bis zur Gründung am 4. Februar 1998 mit 28 Mitgliedern nachzeichnete. Mit der besseren medizinischen Versorgung sei das Sterben mit Versagen gleichgesetzt worden, in der Mitte des 20. Jahrhunderts habe der heimliche Tod im Krankenhaus begonnen. „Sterben gehört zum Leben“, betonte Zeißner, nach Möglichkeit in Würde zu Hause. Bereits im Januar 1997 ließen sich zehn Frauen zu ehrenamtlichen Hospiz-Begleiterinnen ausbilden, von denen zwei bis heute aktiv sind. Gut vernetzt war die Hospiz-Initiative von Anfang an, einige Jahre später kamen Kostenzuschüsse vom GKV-Spitzenverband zu den Personalkosten für die palliativ pflegerische Beratung. Seit 2002 nutzt die Hospiz-Initiative kostenlos die Räumlichkeiten in der Schubertstraße 31. Das Trauercafé wurde 2009 eingerichtet. 74 Hospiz-Begleiter/innen wurden ausgebildet, 400 Menschen wurden begleitet. Ehrenamtlich wurden 33.000 Stunden geleistet, Ehren- und Hauptamtliche fuhren 59.000 Kilometer. Vorstandsmitglied und Palliativ-Medizinerin Elfi Hoffmann erklärte die palliative Behandlung, die nicht heilt, aber Schmerzen und Leiden lindert. Köhler schaut zuversichtlich in die Zukunft, mit Schwerpunkten in der Aus- und Weiterbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter, aktiver Vereins- und Netzwerkarbeit. Das 40-jährige Jubiläum mit „exzellenter“ ehrenamtlicher Arbeit hat er fest im Blick. Das neue Logo mache deutlich: „Wir sind eine Initiative mit Herz“. Koordinatorin Gabriele Weiß-Szpera sprach den Ehrenamtlichen das Verdienst zu, die Enttabuisierung und Neugestaltung des Umgangs  mit schwerster Krankheit, Sterben Tod und Trauer in den letzten Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet zu haben. Andererseits habe sich mit dieser Entwicklung auch die Rolle der Ehrenamtlichen verändert, die Hospizarbeit sei professionelle, spezialisierte Ehrenamtsarbeit im Team auf Basis einer 120-stündigen Grundausbildung geworden. MdB Meister gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich weitere Menschen finden, die aktiv auf Menschen im Sterben zugehen.

    Das Letzte-Hilfe-Kit, um den Sterbenden die letzten Stunden so angenehm und würdevoll wie möglich zu gestalten. Foto: Hannelore Nowacki


    In seiner Rede wies er auf Änderungen im Sozialgesetzbuch zugunsten Betroffener hin und sprach sich im Sinne des Paragrafen 217 Strafgesetzbuch vehement für das Verbot gewerbsmäßiger Sterbehilfe aus. Bürgermeisterin Schader erinnerte daran, dass der Palliativmediziner Dr. Alfred Leiling ein Pionier auf seinem Gebiet war, der für das „Leben bis zum Ende“ eintritt. Im Namen aller kommunalen Vertreter dankte sie der Hospiz-Initiative für ihr Engagement. Musikalisch wurde die Feierstunde vom Ensemble des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr gestaltet – Erik Minnder (Querflöte), Magdalena Bohrer (Klavier), Johanna Tausch (Violine) und Anja Tausch (Gitarre).   Hannelore Nowacki

    Information

    Die Vorstandsmitglieder: Wolfgang Zeißner, Katja Borries, Thomas Köhler, Sonja Ostermann, Elfi Hoffmann, Carla Schmitt, Edelgard Schietinger, Jana Sieger, Reinhold Wetzel.

     

     

     
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