Deutsche Spitzengilde zeigte Spitzenausstellung und textile Techniken
Strickspitze einfach anders
Bürgermeister Felix Kusicka freute sich als Schirmherr über die Veranstaltung der Deutschen Spitzengilde. Katharina Kern (links) hatte die Idee die Spitzengilde nach Biblis zu holen, die den Spitzenfrauen, der 1. Vorsitzenden Birgit Sarzio (Mitte) und der 2. Vorsitzenden Karin Müller, gut gefiel. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Spitzen haben eine lange Geschichte – und sie sind modern. Interessante Einblicke in die Kunst der Spitzen gaben Mitglieder der Deutschen Spitzengilde am Samstag und Sonntag im großen Saal des Bürgerzentrums. Dabei konnten sich die Besucher von der Aktualität der Spitzen überzeugen, aber auch wertvolle Stücke aus längst vergangenen Zeiten genau unter die Lupe nehmen. Hinter Glas geschützt war ein Spitzen-Hochzeitstuch zu sehen, für eine Braut aus wohlhabendem Hause aus Seide gefertigt, konnte sie das zarte Gewebe durch ihren Ring ziehen, was damals wohl besonderes Glück versprach. Gudrun Borck aus Langen, die dort ein Museum betreut und die Ausstellung in Biblis verantwortlich zusammengestellt hat, erklärte den Besuchern die historischen Zusammenhänge. Spitzen entstehen mit Geduld, gab sie zu verstehen, verlangen aber auch technisches Wissen und Können, weshalb sie anstatt des Begriffs „Handarbeiten“ für das kunstvolle manuelle Herstellen von Spitzen lieber von „textilen Techniken“ spricht. Einige dieser Spitzentechniken sind Stricken, Klöppeln, Häkeln oder Sticken. Es komme darauf an das Material zu verstehen, um dann mit den eigenen Ideen „kreativ spazieren zu gehen“. Karin Müller, Zweite Vorsitzende der Deutschen Spitzengilde, räumte bei der Ausstellungseröffnung mit Vorstellungen auf, nach denen Spitzen ein angestaubtes haben. Spitzen verteidigen heute ihre Spitzenstellung in der Mode auch dank der Modedesigner, die Spitzen in Paris und anderen Modemetropolen auf die Laufstege bringen. Spitzen und Stricken sind auf die große Bühne zurückgekehrt. Gestrickte Spitzen findet man zudem als dekorative Kunst in 3D-Wirkung für die Wand, aus ungewöhnlichen Materialien wie Plastikpackbänder und zerschnittene Müllsäcke. „Eine spannende Sache – lassen Sie sich überraschen“, riet sie den Besuchern. Eine Spitzenvorführung in der Kunst des Radfahrens präsentierten zur Eröffnung drei junge Mitglieder des RV Biblis. Bürgermeister Felix Kusicka, Schirmherr der Veranstaltung, warf in der Zeitachse einen Blick in die Bibliser Vergangenheit bis zum Lorscher Codex und verband die historische Entwicklung von der Gurkenmetropole bis zum energiewirtschaftlichen Wandel in jüngster Zeit mit dem Schicksal der Spitze, die eine ähnliche Wandlungsfähigkeit zur Moderne hin bewies. Es gehe darum, Tradition zu bewahren und mit der Moderne zu verbinden. Die Deutsche Spitzengilde mit 180 Mitgliedern in Deutschland hatte auf Initiative ihres Bibliser Mitglieds Katharina Kern die Mitgliederversammlung am Freitagabend und die Ausstellung mit dreizehn Teilnehmern in Biblis stattfinden lassen. Zu sehen waren auch „Stühle – im Lauf der Jahrhunderte“ von Katharina Kern. Die „Theater AG kleiner Bär und Company“ und der Handharmonika-Club Groß-Rohrheim versorgten die Besucher in der Cafeteria mit einem großen Angebot an selbstgebackenen Kuchen und herzhaften Produkten. In der Ausstellung zeigte Laurenz Mayer aus dem Odenwald das vielfältige Handwerkszeug fürs Klöppeln, alles selbst von Hand gedrechselt. Im Workshop bei Peter Mohler konnten die Besucher Knotentechniken erlernen, wie den Stek, ein leicht zu öffnender Gebrauchsknoten. Einer der wichtigsten Knoten sei der Palstek, dessen Schlinge sich nicht zuziehe, im Gegensatz zum Henkerknoten. Knoten brauche man beispielsweise im Tauchsport und bei der Feuerwehr. Museumspädagogen aus dem Freilichtlabor Lauresham in Lorsch zeigten die Wollverarbeitung vom Spinnfaden bis zum Nadelbinden und historischen Brettchenweben. Hannelore Nowacki