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Fr., 27. Januar 2023, 00:06 Uhr
SPENDE: Seniorenkreis Hofheim spendet 500 Euro für Tafelarbeit im Ried
Tafelarbeit – Lebensmittel retten, Menschen helfen
Pfarrer Holger Mett überreichte Tafelkoordinatorin Dr. Ute Weber-Schäfer den Spendenumschlag mit 500 Euro und Holzengel und ein Blumengesteck für die Tafelarbeit. Foto: Hannelore Nowacki
HOFHEIM – Jeden letzten Mittwoch im Monat treffen sich Senioren im Gemeindezentrum der evangelischen Friedenskirche zu Kaffee und Kuchen in gemütlicher Runde mit geistlicher Andacht, mal kommen mehr mal weniger Besucher. Am vergangenen Mittwoch waren am großen Tisch alle Plätze besetzt, was Pfarrer Holger Mett und Christel Lottermann vom Seniorenkreisteam sehr freute. Zum Programm gehörte an diesem Nachmittag nach der Andacht und Genuss von Kaffee und Kuchen ein Vortrag über die Tafelarbeit mit besonderem Bezug zu den Riedgemeinden. Als Referentin war die hauptamtliche Tafelkoordinatorin des Diakonischen Werks Bergstraße Dr. Ute Schäfer-Weber eingeladen. Sie traf auf ein sehr interessiertes Publikum, das ihren Vortrag mit Beifall honorierte und sich mit etlichen Fragen wissbegierig in das Thema Tafel und gesellschaftliche Verantwortung vertiefte. Das Thema Tafelarbeit mit der zunehmenden Zahl der Bedürftigen und des erhöhten Finanzbedarfs für den Betrieb der Tafeln war beim Seniorenkreis schon zuvor durch zahlreiche Berichte in den Medien in den Blick gerückt. Wenngleich alles beim Seniorenkreis kostenlos ist, wollen viele doch etwas geben, erklärte Christel Lottermann im Gespräch mit dem TIP. Folglich füllte sich über einen längeren Zeitraum die Spendenkasse, bis sich 500 Euro angesammelt hatten, die nun für die Tafelarbeit gespendet wurden. Die Andacht und die Wunschlieder der beiden Geburtstagskinder aus dem Gesangbuch, die Pfarrer Mett an der Gitarre begleitete, waren passend zum Vortragsthema ausgewählt. Pfarrer Mett zitierte aus den Seligpreisungen der Bergpredigt: „Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden“. Dass in der Welt so viele Menschen Hunger leiden und daran sterben, hänge auch mit der Ungerechtigkeit zusammen, dass Hilfsgelder nicht ankommen. Auch in unserem Land gebe es Menschen, die heute nicht wissen, was morgen auf den Tisch kommt. „Gott will nicht, dass Menschen hungern und dürsten“, ist sich Pfarrer Mett sicher, daher spreche Gott auch der Tafelarbeit seinen Segen zu. Nach einem Gebet regte Pfarrer Mett an, sich die Hände zu reichen. Das Seniorenkreisteam (Christel Lottermann, Annette Gutbier und Martina Ryll)schenkte Kaffee aus, die Senioren bedienten sich an den Kuchenplatten und nutzten die Zeit für Unterhaltungen.
Tafeln für die Teilhabe am Leben
Was ist eine Tafel? Diese Frage reichte Pfarrer Mett zur fachlichen Beantwortung an Tafelkoordinatorin Weber-Schäfer weiter. „Eine Tafel ist wie ein kleines Unternehmen, ein Supermarkt der christlichen Nächstenliebe“, erklärte sie. Die Tafeln seien vor allem auch Lebensmittel-Retter. Wer für den Einkauf mit dem Nachweis geringen Einkommens registriert ist, könne im Monat 60 bis 80 Euro sparen, Geld, das sonst für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fehle. In ihrer anschaulichen Beschreibung der Arbeit und der vielfältigen Aufgaben der zahlreichen Ehrenamtlichen in jeder der drei Ausgabestellen in ihrem Zuständigkeitsbereich machte Weber-Schäfer die große Verantwortung deutlich, die mit der Arbeit verbunden ist. Neben den Tafel-Ausgabestellen im Ried, in Bürstadt und in Lampertheim, betreut sie auch die Tafel in Rimbach mit einem großen Einzugsgebiet im Odenwald. Für Sprit und Unterhalt der Kühlfahrzeuge, Stromkosten für die Kühlhäuser und Kühlregale und für sonstiges wie die Versicherung der Ehrenamtlichen werde eine finanzielle Ausstattung gebraucht, die größtenteils aus Spenden komme. Jeweils 50 Ehrenamtliche seien in einer Ausgabestelle tätig, alles Leute im Alter von durchschnittlich 70 Jahren. Zur Entlastung seien weitere Helfer jederzeit willkommen. Warum so viele ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen? „Es gibt viel zu tun – beim Abholen der Ware, bei der Warenausgabe zweimal nachmittags in der Woche und beim vorherigen Sortieren der angelieferten Kisten mit Obst, Gemüse, Milchprodukten und Backwaren“. Das machen die Teams und die Teamleitungen. Das sei körperliche Arbeit, aber mit vielen schönen Momenten verbunden, denn „Helfen tut gut“. Die Tafelkunden bekommen die Waren nach Familiengröße und Bedarf zugeteilt, denn alles ist abgezählt, sonst würde es nicht reichen für die 80 Haushalte je Tafel. Auch länger haltbare Lebensmittel werden als Spende gebraucht.
Für ihren Einkauf bezahlt ein Paar mit zwei Kindern drei Euro, die Kinder sind frei, ein Erwachsener zahlt 2 Euro, der Partner 1 Euro. Mit diesen Einnahmen werden 20 Prozent der Betriebskosten gedeckt. Über 500 Personen versorge eine Tafel-Ausgabestelle im Ried, darunter jeweils 200 Kinder. Eigentlich könnten viel mehr Senioren zur Tafel kommen, weiß Weber-Schäfer, sie macht Mut - niemand brauche sich zu schämen. In Bürstadt kommen 26 Personen über 63 Jahre zur Tafel, in Lampertheim über 50. Hannelore Nowacki