EVANGELISCHE KIRCHE: Gemeinden im Dekanat Bergstraße haben viel Phantasie und Kreativität entwickelt
Trotz Corona: „Fürchtet euch nicht“ - Weihnachten findet statt
Screenshot von Pfarrer Arne Polzer aus dessen YouTube-Kanal. Foto: oh
KREIS BERGSTRASSE – Weihnachten wird in diesem Jahr anders sein als gewohnt. Vieles ist in diesem Corona-Jahr nicht oder nur eingeschränkt möglich. Doch die Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Bergstraße haben viel Phantasie und Kreativität entwickelt, um das Fest so feiern zu können, wie es zuvor noch nie gefeiert wurde.
Bei der Engelbotschaft „Fürchtet euch nicht, ich verkündige euch große Freude" werde man Weihnachten 2020 weltweit wohl eher auf den ersten Teil hören, meint der Heppenheimer Pfarrer Frank Sticksel. „Furchteinflößend ist ja nicht nur die Pandemie mit all den Folgen, sondern auch das, was dadurch in den Hintergrund zu geraten droht: Flüchtlingselend auf den Mittelmeer und in den Massenlagern, Zerstörung der Schöpfung durch uns Menschen, Ausbreitung aggressiver egoistischer und nationalistischer Tendenzen. Furchtlos dagegen angehen an den Orten, an denen wir stehen, das ist der Auftrag.“ Die evangelischen und katholischen Gemeinden Heppenheims feiern diesmal erstmals Heilig Abend alle Gottesdienst gemeinsam – drei wegen des größten Platzangebots in der Pfarrkirche Sankt Peter, und einer ab 22 Uhr im Freien an verschiedenen Orten in der Stadt. Eine Premiere, bei der der Evangelische Dekan Arno Kreh und sein katholischer Amtskollege Thomas Meurer mitwirken werden.
Die Evangelischen Gemeinden Biblis und Nordheim planen Heilig Abend Freiluftgottesdienste vor der Bibliser Kirche und in Nordheim hinter dem Rathaus auf dem Kerweplatz. Darüber hinaus bietet Pfarrer Arne Polzer auf YouTube ein ständig wachsendes Angebot an Gottesdiensten, Musik und Geschichten für Kinder an. „Vielleicht entdeckt ja so mancher auch wieder das Singen zu Hause. Ich glaube, viele Kinder würden ihre Eltern mit ganz anderen Augen betrachten, wenn diese sängen, erzählten und Weihnachten auch inhaltlich gestalteten. Bei all dem darf man allerdings nicht vergessen, dass die größten Einschränkungen für die Menschen bestehen, die mit starken Symptomen von COVID-19 auf den Intensivstationen liegen und die als Angehörige um die Kranken bangen oder um die Toten trauern.“
Auch die Stephanusgemeinde in Bensheim bietet auf ihrer Homepage einen Weihnachtsgottesdienst und einen Krippenspielgottesdienst an. Insbesondere an Heilig Abend sind die Kirchen in der Regel bis auf den letzten Platz besetzt. Aber auch in diesem Jahr werde niemand abgewiesen, betont Pfarrerin Astrid Maria Horn. „Es war uns in der Vorbereitung sehr wichtig, Angebote zu schaffen, die von vielen Menschen wahrgenommen werden können. So bieten wir neben den insgesamt fünf Gottesdiensten an Heiligabend auch eine offene Kirche an. Menschen können vom 24. bis zum 26. Dezember zu bestimmten Zeiten auch alleine in die Kirche kommen und die Lesung der Weihnachtsgeschichte und Orgelmusik hören.“
Auch Pfarrer Ralf Kröger von der Martin-Luther-Gemeinde in Lampertheim sagte sich, wir können auch anders. „An Heiligabend wird unser Krippenspielgottesdienst ab 15 Uhr auf YouTube zu sehen sein. Eine Teilnahme in der Kirche ist nicht möglich. Um 17 Uhr möchten wir die Christvesper im Freien vor der Kirche feiern. Die Pfadfinder werden den Platz mit Fackeln erleuchten und es wird für alle warme Decken geben. Um 22.30 Uhr laden wir einem meditativ gehaltenen Hybrid-Gottesdienst ein, der im Internet zu sehen ist, aber auch vor Ort besucht werden kann. Dazu ist eine Anmeldung nötig.“
„Ich hätte nie gedacht, dass ich kurz vor dem Ruhestand noch einmal YouTube-Gottesdienste aufnehmen würde. Wie gut, dass wir nie aufhören, zu lernen, in diesem Leben“, meint die Pfarrerin von Lindenfels Jutta Grimm-Helbig. Dort werden allerdings auch viele Gottesdienste draußen im Freien gefeiert. „Ich vermisse besonders die persönlichen Kontakte. Aber ich freue mich auch darüber, dass die meisten Menschen in Lindenfels verantwortlich mit der Krise und ihren Konsequenzen für unser Miteinander umgehen. Das Positive an dieser besonderen Situation ist aber, dass sie uns wieder auf den eigentlichen Sinn der Advents- und Weihnachtstage aufmerksam macht“, so Pfarrerin Grimm-Helbig.
Die evangelische Gemeinde Rimbach filmt ihre Gottesdienste und stellt sie ins Internet. „Ältere Gemeindeglieder lassen sich von ihren Kindern die Technik einstellen, sodass sie teilhaben können“, berichtet Pfarrer Dr. Uwe Buß. Ansonsten wird auch in Rimbach im Freien Heilig Abend gefeiert. „Wir haben glücklicherweise einen großen Kirchpark. Wir hoffen, unsere Gottesdienste in kürzerer Form bei Kerzenschein und einem schönen Feuer im Freien feiern zu können. Wenn das Wetter mitspielt, kann das sogar besonders schön werden. Viren und Krankheiten, ja selbst der Tod, haben nicht das letzte Wort. Das stellt alles in ein neues Licht“, meint Pfarrer Buß.
Für alle 44 Gemeinden im Evangelischen Dekanat Bergstraße gilt: Weihnachten findet statt - trotz Corona. Die Bensheimer Pfarrerin Horn betont: „Es wird Weihnachten werden, egal in welcher Zeit, egal an welchem Ort. Der Engel spricht es uns zu: Fürchtet Euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren. Daran verändert auch Corona nichts.“ Pfarrer Kröger aus Lampertheim formuliert es so: „Gottes Licht scheint in der Finsternis. Dieses Jahr ist es für viele finsterer als in manch anderen Jahren. Es ist deshalb unsere Aufgabe, Lichter der Hoffnung, des Glaubens und der Liebe noch heller als sonst leuchten zu lassen.“ zg