
LAMPERTHEIM – An der Himmelspforte angekommen, steht Malermeister Wilhelm Guthier (Frank Griesheimer) vor einem Rätsel – wo ist er gelandet? Schnell wird klar, dass ihn ungeklärte Umstände dorthin befördert hatten. Wie auf Erden nicht ungewöhnlich, macht er hier Bekanntschaft mit bürokratischen Verfahren, die ihn zur Weißglut bringen. Das Publikum hatte jedoch seine helle Freude am Geschehen, spontaner Szenenapplaus setzte immer wieder Zeichen der Begeisterung. Die Verkörperung der Charaktere mit ihrem Mimikspiel machte das Zuschauen zum Vergnügen – die Darsteller lebten sich in ihren Rollen aus, den Schalk im Nacken. Frank Griesheimer als genervter Malermeister bekam es mit sehr peniblen Empfangsdamen vom Jüngsten Gericht zu tun, amtlich „jüngschdes Gerischt“, denen er mundartlich die Meinung geigte. „Kann die alt Krawallschachtel endlich mool ihr Maul halde, die bleed Kuh“, war zu hören, seine Faust rammte den Schreibtisch. Die drei himmlischen Empfangsdamen, Abteilungsleiterin Gisela Geigenbläser (Traudel Krause), die Leiterin des Beschwerdemanagements Isolde Schlappner (Stephanie Seelinger) und die etwas begriffsstutzige Praktikantin Anlina Alessi (Christine Kern) nehmen es mit den Formularen und korrekten Ziehung der Nummer vor Eintritt ganz genau und überraschen das Publikum mit etlichen witzigen Zungenbrechern. Das Bühnenbild mit Himmelspforte und eindrucksvollen Wolkenformationen auf blauem Himmel ließen keinen Zweifel an der Örtlichkeit, ein Werk der kreativen und tatkräftigen Bühnenbildner der Volksbühne: Inge Andres, Nicole Karb, Peter Karb, Wolfgang Kessler, Dieter Weidenauer, Kevin Krause und Roman Krause. Seiner Frau Luise (Heike Tschirner) hat es Molamoaschda Wilhelm Guthier zu verdanken, dass Luzifer, der Fürst der Finsternis (Steffen Götz), ihn als neuen Höllenbewohner begrüßen möchte und ganz schön Dampf macht. „Komm zu mir, da hast du es besser“, empfiehlt der Hörnertragende dem ratlosen Wilhelm. Doch die Sache muss ordentlich verhandelt werden, alle Seiten werden gehört: Ehefrau Luise bekommt Anwältin Veronika Wegerle (Natascha Burkhardt) zur Seite, während Frauenheld Dr. Armin Winter, der „Oawald vun Wilhelm“ ist. Heike Tschirner war zuvor hinter den Kulissen auch für Frisuren und Maske zuständig.
Foto: Hannelore Nowacki
Frauen und Männer, Himmel und Hölle
Aus dem Mund der adretten Anwältin erfährt das Publikum, was sie von Männern hält, was durchaus Anlass zum Schmunzeln gibt. Proteste von männlicher Seite waren nicht zu vernehmen, Männer verstehen eben Humor - schließlich handelt sich um eine lustige Komödie mit fetzigen Dialogen, dem Leben jenseits der Bühne gar nicht so unähnlich. Dem Erzengel Philippus (Frank Burkhardt) kommt nach der halbstündigen Pause eine tragende Rolle bei der Verhandlung zu. Mit einer 6-Tage-Woche ist er sehr beansprucht, nimmt schnell noch ein Antiidiotikum ein, denn gleich ist wieder der Deifel los, das ahnt er. Und schon tritt der Fäschd dä Finschdaniss ein. Ehefrau Luise bekommt Gelegenheit alle Verfehlungen ihres Gatten zu beklagen, dessen Versetzung in die Hölle ihr ein Herzensanliegen ist. Doch Wilhelm ist nicht auf den Mund gefallen und gibt kräftig Kontra. „Alles werd guud!“ Das Gericht möchte ihn beruhigen, der doch nur wissen will, wo zur Hölle geht’s zum Himmel. Wie die Sache ausgeht, wird an dieser Stelle nicht verraten. Jedenfalls überraschend anders. Am Ende gab es für die Darsteller und die unsichtbar tätigen Sufflese Angelika Jenner und Angelika Kessler lang anhaltenden Beifall. Regisseur Michael Swietlicki ist die freie Übertragung des Stücks von Andreas Wening „Wo zur Hölle geht’s zum Himmel?“ in Lampertheimer Mundart zu verdanken. Die weiteren Aufführungen der Volksbühne in der Notkirche sind am 13., 15., 16., 22. und 23. November sowie am 17., 18., 22., 24. und 25. Januar.
Hannelore Nowacki






























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