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  • Mo., 26. Mai 2025, 10:47 Uhr
    MUNDART: Unvergesslicher Abend mit Herz, Humor und Heimatgefühl

    „Typisch Lômbadde“

    Kalle Horstfeld und Irene Neundörfer mit dem Gemälde von Kh Krämer (1961), das das Haus von „Schnaggl-Rous“ zeigt.
    Foto: oh

    LAMPERTHEIM – Das Mai-Treffen der Lômbadda Babbler begeisterte mit Geschichten, Musik, Kultur und Erinnerungen im Luthersaal der Martin-Luther-Kirche. Wenn sich 140 Menschen an einem Dienstagabend im Luthersaal der Martin-Luther-Kirche versammeln, um gemeinsam zu lachen, zu erinnern und ihre Heimatkultur zu feiern, dann ist eines sicher: Die Lômbadda Babbler haben eingeladen. Beim diesjährigen Mai-Treffen stand alles unter dem Motto „Typisch für Lômbadde“ – und was das genau bedeutet, zeigte sich in einem bunten, emotionalen und rundum gelungenen Abend, der alle Facetten des Lampertheimer Lebens einfühlsam und unterhaltsam beleuchtete.

    Den Auftakt machte Kalle Horstfeld, „Owwerbabbler“ und „gute Seele“ der Babbler. In seiner Begrüßung betonte er nicht nur den Stellenwert des Treffens, sondern auch den Anspruch, Heimat nicht nur zu bewahren, sondern lebendig zu halten. „Wir sind Geschichtenerzähler, Dialektpfleger und Brückenbauer zwischen Generationen“, so Horstfeld. Sein Appell: Die Lômbadda Babbler seien nicht nur ein Verein, sondern ein „Kultur- und Erinnerungsarchiv des Alltags“, das in Erzählungen, Sprache und Musik weitergegeben werden muss.

    Mit viel Wortwitz und historischer Tiefe begann Franz Korb mit „Alles Spargel – oder was?“ den Reigen der Beiträge. In seinem Vortrag wurde der Spargel weit mehr als ein Gemüse: Er wurde zum Symbol für Lampertheimer Identität, für harte Arbeit, Tradition und Stolz. Er erzählte vom ersten Spargelstich, über politische Vergleiche bis hin zur Symbolik des aufrechten Wachstums – stets mit einem Augenzwinkern, das aufhorchen ließ: „Beim Spargel ist der Kopf das Wichtigste.“ Eine gelungene Mischung aus Heimatkunde und Kabarett.

    Mit Erika Krämer-Tomczak wurde es lyrisch: Ihr Beitrag „Wo der Altrhein fließt und der Biedensand atmet“ war ein Spaziergang durch das seelische Lampertheim. Sie erinnerte an den Duft der Erde, die Kindheit am Wasser, das Rauschen der Bäume, das leise Sprechen der Natur – und an Gerichte, die nach Zuhause schmecken: Kartoffelbrieh und Schmeersel. Ihr Vortrag war wie ein altes Fotoalbum in Worten – vertraut, liebevoll, verwurzelt.

    Auch Armin Herweck wählte einen poetischen Zugang. In seinem stillen, tiefgründigen Text über den „weißen Schwan auf dem Altrhein“ wurde das Tier zur Allegorie für Liebe, Beständigkeit und stille Würde. Er sprach nicht nur über Vögel, sondern über uns Menschen – und erinnerte an die Kraft der Treue in einer lauten Welt.

    Der Kontrast zu so viel Tiefe kam in Form von Karin Kraus – und einer großen Schüssel. Ihr Beitrag „Was man mit einer schönen großen Schüssel alles machen kann“ war eine humorvolle Hymne an das Leben in all seinen chaotischen, komischen und kuriosen Facetten: Von Bowle über Hämorrhoidenbäder bis hin zu Pferdeäpfeln – nichts war zu lebensnah, um nicht mit Humor, Charme und Sprachwitz gefeiert zu werden. Die Schüssel wurde zum Symbol für das gelebte Leben – immer mitten im Geschehen.

    Kurt Seilheimer schlug wiederum den Bogen von der regionalen Mundart zur Weltliteratur – besser gesagt: zur Nibelungensage. Er holte das Publikum mit einem vertrauten Dialektzitat einer Mitschülerin ab („Ich muss nach Hause, meine Mutter wird schon lurren“) und führte es dann in die dramatische Geschichte von Siegfried, Hagen und Krimhild. Seine Botschaft: Mythos lebt dort, wo Menschen ihn weitererzählen – auch in Lômbadde.

    Wie tief Dialekt und Kulinarik miteinander verwoben sind, zeigten Irene Drayß und Annelie Neher mit ihrem Auftritt „Mundart geht durch den Magen“. Sie präsentierten Klassiker wie Handkäs mit Musik, Kadeiser Klöße oder das legendäre Broggefeschd. Dazu gab es köstliche Sprüche wie: „Vorne gerührt – brennt hinten nicht an“ – und eine klare Botschaft: Dialekt ist nicht altmodisch, sondern aromatisch!

    Mit Helmut Hummel betrat ein weiterer Erzähler die Bühne, der nicht nur Geschichten erzählte, sondern auch ein Lebensgefühl vermittelte. In „Typisch Lômbadda“ erinnerte er an Gestalten wie „Puddinglui“, „Schnaggl-Rous“ oder den „Bomber“, der für ein explosives Erlebnis im Plumpsklo sorgte. Es war ein Abend für alle, die sich noch erinnern – und für jene, die sich wünschen, sie hätten diese Zeit erlebt.

    Heinz Eichenauer, bekannt als „Clever“, kam an diesem Abend auch musikalisch zu Wort. In seinem Vortrag „Was gehört zu Lampertheim dazu?“ verband er Orte, Dialektworte und lokale Legenden zu einem Gefühl: Lampertheim ist kein Punkt auf der Landkarte – es ist eine Herzensgegend. Besonders das „neue Lampertheimer Lied“, das er zum Abschluss anstimmte, wurde vom Publikum mit Begeisterung mitgesungen. Applaus, Gänsehaut und ein Gefühl von Verbundenheit.

    Margit Kühn schenkte der Kartoffel ihre wohlverdiente Würdigung. In „Kadoffel, ganz un has“ zeigte sie, wie kreativ, vielseitig und erinnerungsträchtig diese Knolle sein kann – als Spielzeug, Essen, Bastelmaterial und Seelentröster.

    Hans Kling berichtete von seinen Erfahrungen mit der Spargelzeit, dem Schlachtfest und einem ganz besonderen Rettungseinsatz für seinen Hund. Nach seiner Begrüßung mit „oschoou – hejwen“ verband er Alltagsgeschichten mit echtem Erleben – vom Bier für die Gaas (Ziege) bis hin zum Besuch der Polizei beim hauseigenen Schlachtfest. Es waren die kleinen, oft kuriosen Geschichten, die einen Blick in eine Vergangenheit gewährten, in der Zusammenhalt und Einfachheit die Regel waren.

    Mit einem historischen Auftritt ließ Fritz Medert den Abend ausklingen. In seinem Beitrag über die Ursprünge des Spargelanbaus erinnerte er an Pioniere wie Eugen Schreiber, deren Weitsicht und Mut den Grundstein für eine Tradition legten, die heute fester Bestandteil Lampertheimer Identität ist.

    Die musikalische Begleitung übernahm Matthias Karb, der mit Hits wie „Don’t Stop Believin’“ (Journey), „Sonne in der Nacht“ (Peter Maffay) und „Nothing Else Matters“ (Metallica) für emotionale Zwischentöne sorgte. Seine Musik war wie der Abend selbst: lebendig, nachdenklich und verbindend.

    Ein besonderes Highlight war die Präsentation eines Gemäldes von Kh Krämer (1961), das das Haus von „Schnaggl-Rous“ zeigt. Überlassen wurde es von Irene Neundörfer – ein Stück Zeitgeschichte auf Leinwand, das dem Abend eine weitere Ebene der Erinnerung schenkte. Owwerbabbler Horstfeld dankte Abdull für seine eindrucksvollen Fotos und der Martin-Luther-Kirche, dem Kulturamt Lampertheim und cultur communal für ihre Unterstützung. Ihr Einsatz hat diesen Abend erst möglich gemacht.

    Das nächste Treffen der Lômbadda Babbler findet am 10. Juni 2025 um 19 Uhr im Luthersaal statt. Es steht unter dem Titel: „80 Jahre Kriegsende – Kriege machen die Welt nicht besser. FRIEDEN tut das.“ Ein Thema, das nachdenklich stimmt und uns alle betrifft – mit Gedichten, Geschichten und Liedern über das Erinnern, das Verzeihen und die Verantwortung, die wir als Gesellschaft für den Frieden tragen. Die Lômbadda Babbler laden alle herzlich ein – zum Hinhören, Mitfühlen und Mitlachen. Denn Heimat lebt – in jedem Satz, jedem Lied, jedem Lächeln. zg



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