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Fr., 26. Oktober 2018, 19:46 Uhr
Biedensand-Hallenbad schließt zum 28. Februar 2019 / Sanierung bringt für Vereine und Schulen Probleme mit sich
Umfangreiche Sanierung des Hallenbades steht an
Das Hallenbad der Biedensand Bäder wird zum 28. Februar 2019 aufgrund einer umfangreichen Sanierung für die Dauer von einem Jahr geschlossen. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Nachdem die Sanierung des Hallenbades der Biedensand Bäder im vergangenen Jahr verschoben wurde, steht diese nun bevor: Zum 28. Februar 2019 wird das Hallenbad schließen, anschließend wird für die Dauer von einem Jahr umfangreich saniert. Geht alles nach Plan, wird das Bad am 1. März 2020 wieder öffnen. Dies hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Vereine und Schulen, die das Bad regelmäßig nutzen und für die dies keine einfache Situation ist.
Die Sanierung des Hallenbades umfasst das komplette Dach und die Fassade – und auch die Lüftungmit der direkten Zu- und Abluftzufuhr in die Halle wird erneuert – „im Prinzip wird die komplette Hülle ausgetauscht”, so Jens Klingler, Erster Stadtrat und Geschäftsführer der Biedensand Bäder. Auslöser für die intensiven Arbeiten ist die Lüftung. „Wir haben festgestellt, dass es keinen Sinn macht, nur die Lüftung zu erneuern, da das alte Dach nicht für neue Lüftung genutzt werden kann. Somit benötigen wir ein neues Dach und in diesem Zug auch eine neue Fassade”, ergänzt der Bäderchef. „Neue DIN-Normen müssen erfüllt werden, daher muss gesamte Haustechnik neu gemacht werden. Ingesamt haben wir 2,5 Millionen Euro an Kosten im Haushalt veranschlagt.” Um finanzielle Unterstützung seitens des Landes Hessen zu erhalten, wurde ein Antrag zur Förderung gestellt. „Der Landkreis hat die Dringlichkeit bestätigt und den Antrag an das Land weiter geleitet, vorab haben wir bereits positive Signale erhalten”, zeigt sich Jens Klingler optimistisch. Und auch der Bauantrag sei bereits gestellt worden.
Nach der Sanierung wird es zwei statt bisher ein Lüftungsgerät geben. „Der bisherige
Raum ist zu klein, daher muss angebaut werden”, so Klingler weiter. Zudem entsteht ein komplett neuer Kassenbereich, der in diesem Zuge ebenfalls mit umgebaut wird. Und auch der Übergang zum Freibad wird erleichtert, hier soll ein Drehkreuz ermöglichen, dass sich der bisherige Weg durch das Hallenbad erübrigt.
„Vereine aus der ganzen Region nutzen das Bad, auch aus Lorsch oder Viernheim, bei den Schulen kommt eine sogar aus Gernsheim – dies zeigt die Bedeutung des Hallenbades für die ganze Region. Das Hallenbad ist uns wichtig, daher investieren wir und bringen es auf den neuesten Stand – auch wenn es dadurch natürlich neben den Schwimmbadnutzern besonders bei den Vereinen und Schulen Einschränkungen geben wird.“
Schwimmer mit Problemen
Wie genau diese aussehen, dazu fragte der TIP bei drei Vereinen, die das Hallenbad regelmäßig nutzen, nach: Bei der SG Neptun Lampertheim, bei der DLRG sowie beim Wassersportverein.
„Natürlich wird das Training eingeschränkt sein. Wir benötigen Trainingsbahnen zu moderaten Zeiten in den wenigen umliegenden Schwimmbädern, werden Trainingsgruppen zusammenfassen und Fahrgemeinschaften müssen gebildet werden. Darüber hinaus kommen zusätzliche Kosten auf uns zu. Unter diesen Voraussetzungen wird es nicht einfach werden, neue Mitglieder zu werben„, so Heike Grosse, 1. Vorsitzende der SG Neptun. Aktuell sei man noch auf der Suche nach Alternativen, über die Zeit der Schließung wird seitens der Stadt noch nicht mit dem Verein gesprochen.
Keine Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene
Besonders betroffen ist auch die DLRG: „Die Schließung des Hallenbads ist für uns eine drastische Einschränkung bei der Schwimmausbildung der Kinder: Wir sind mit circa 100 Kindern im Alter zwischen 6 und 17 Jahren zur Schwimmausbildung, zum Wettkampftraining und zur Rettungsschwimmausbildung auf ein Hallenbad angewiesen. Auch die Anfängerschwimmkurse für Kinder und Erwachsene sowie die Erwachsenenkraulkurse sind nur in einem Hallenbad durchführbar. Dies ist für uns auch ein wichtiger Teil für die Nachwuchsarbeit für unseren Verein. Insofern war die erste Reaktion ein gewisses Entsetzen, welches aber schnell durch ein konstruktives Denken über Alternativen wechselte”, so die DLRG, die bedauert, dass es seitens der Stadt keine Lösungsvorschläge gibt. „Die Schließung des Lampertheimer Hallenbades bringt den regulären Trainingsbetrieb im Winter erst einmal komplett zum Erliegen. In den Sommermonaten können wir versuchen auf das Freibad ausweichen, aber in den kälteren Monaten brauchen wir ein Wetter unabhängiges Hallenbad. Zusammen mit der Entwicklung, dass es immer weniger Hallenbäder in Deutschland gibt, bereitet uns das aktuell erhebliche Einschränkungen für unseren Trainingsbetrieb. Es werden aufgrund der wenigen freien Zeiten und Bahnen in den umliegenden Hallenbädern Trainingsgruppen zusammengelegt oder Trainingszeiten verkürzt werden müssen. Wir versuchen aber trotzdem eine Weiterführung unseres Trainings zu gewährleisten”, so die DLRG zu den direkten Folgen. „Ein weiteres Problem sind die geänderten Trainingstage und Uhrzeiten für unsere Mitglieder aber auch für die Trainer. Es genügt ja leider nicht nur Bahnen zu bekommen, auch die Kinder und Trainer müssen an diesen Tagen und Uhrzeiten teilnehmen können. Neben den zeitlichen Problemen kommen noch die Transportprobleme dazu, die Kinder müssen ja auch ins Alternativbad kommen. Was ohne die Mithilfe der Eltern nicht machbar ist. Ebenso sind Bahnmieten und Eintrittspreise für unseren Verein eine erhebliche Mehrbelastung, so dass wir – je nach Alternative – gezwungen sein könnten, einen Teil der Mehrbelastung durch eine Beitragserhöhung weiterzugeben. Wir prüfen grade im Umkreis von 25 Kilometern alle Hallenbäder auf mögliche freie Bahnen um einen Trainingsbetrieb weiterzuführen. Es gestaltet sich aber sehr schwierig, da in den Hallenbädern bereits zu den Zeiten, die für uns interessant wären (kindergerecht) oftmals bereits alle Bahnen belegt sind oder der öffentliche Betrieb Vorrang hat. Inwiefern wir das das Trainingsprogramm verkleinert müssen wird sich zeigen, sobald wir eine Alternative gefunden haben. Und: Wir werden für 2019 leider kein Anfängerschwimmen für Kinder und Erwachsenen anbieten können.”
Kanupolo direkt betroffen
Auch der WSV ist direkt betroffen: „Regelmässiges Training im Hallenbad führt die Kanupolo-Abteilung des WSV durch, und zwar einmal wöchentlich. Darüber hinaus werden mit den Nachwuchssportlern und den Kindern der Kanuakademie etwa alle ein bis zwei Monate Besuche im Hallenbad durchgeführt, um sie mit Spaß und spielerisch an das Medium Wasser und verschiedene Boote heranzuführen. In Einzelfällen wird mit kleineren Kindern durch ausgebildete Trainer auch an der Schwimmfähigkeit gearbeitet. Zur Gewinnung neuer Mitglieder und für das regelmäßige Training der Polospieler stellt das Hallenbad einen wichtigen Faktor dar”, erläutert Rainer Vetter, 2. Vorsitzender des WSV. „Da im Umkreis kein anderes Hallenbad für die Benutzung mit Booten zur Verfügung steht, bleiben als Trainingsmöglichkeiten nur die vereinseigenen Alternativen wie Halle und Kraftraum und bei entsprechender Witterung der Altrhein. Das Hallenbad des Landessportbundes in Frankfurt kann zwar prinzipiell auch zum Polo-Training genutzt werden, ist aber im Winterhalbjahr regelmäßig ausgebucht.” Benjamin Kloos