SCHULE: Landrat Engelhardt kommentiert Baufortschritte der Schule in den Weschnitzauen nach Verzögerung durch Pfusch und Insolvenz
Umzug in den Neubau voraussichtlich in Sommerferien 2025
Altes und neues Gebäude der Schule in den Weschnitzauen, im Hintergrund die gemeindeeigene Riedhalle als Turnhalle. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Baulärm war auf der Baustelle an diesem Sommerferientag nicht zu hören, feierliche Ruhe schien eingekehrt zu sein. In der Unterrichtszeit vor wenigen Tagen noch gab es hier ordentlich auf die Ohren, als auf dem Dach die fehlerhaft aufgetragene Betonschicht im lärmintensiven Strahlverfahren abgetragen wurde. Davon berichtete der kommissarische Schulleiter Timo Helweg-Thome am Mittwochvormittag, als Landrat Christian Engelhardt im Rahmen seiner Sommertour in die Freiherr-vom-Stein-Straße zur Baubesichtigung kam.
Johannes Kühn, der technische Leiter der Gebäudewirtschaft des Kreises Bergstraße, erklärte welche Arbeiten auf dem Dach notwendig geworden sind, nachdem die ursprünglich beauftragte Firma mangelhafte Leistungen erbracht und den Beton in nicht ausreichender Qualität aufgetragen hatte – und dann in Konkurs ging. Ein neues Rohbau-Unternehmen habe man suchen müssen, es kam dadurch zu Verzögerungen. Für den Abbau des zurückgebliebenen Krans sei der Kreis selbst in Vorleistung getreten und habe die Teile eingelagert, da zum Eigentum der Konkursfirma gehörig.
Das Betondach sei jetzt zwar regendicht und die Lichtkuppel fertig installiert, aber nach den vorbereitenden Arbeiten fehle noch die Dämmung. Beim Blick nach oben auf den eingerüsteten dreistöckigen Ersatzneubau der Grundschule meinte Engelhardt „sieht ja schon super aus“. Immerhin ist die Holzfassade montiert und die Fenster sind eingebaut. Von besonderen Herausforderungen bei den komplexen Baumaßnahmen sprach Engelhardt, mit Problemen im wirtschaftlichen und technischen Bereich wie bei anderen Bauvorhaben auch, zum Beispiel bei der Bobstädter Sporthalle.
Durch die Verzögerung kann die neue Schule in den Weschnitzauen nicht wie geplant in den Weihnachtsferien 2024, sondern wohl erst in den Sommerferien 2025 bezogen werden. Bis Frühjahr 2025 soll der Bau zwar fertig sein, aber die Zusammenführung der beiden Schulstandorte mit insgesamt 200 Kindern erfordere eine besondere logistische Planung, erläuterte Schulleiter Helweg-Thome. Die Frage sei auch, ob man die Kinder mitten im Schuljahr aus der gewohnten Umgebung holt oder den Umzug nicht besser in die Sommerferien verlegt.
Das bisherige zweistöckige Schulgebäude soll nach dem Umzug abgerissen werden, um Platz für den Pausenhof zu schaffen. Wo turnen die Kinder zukünftig? Die Riedhalle ist laut Kühn im desolaten Zustand und energetisch nicht sanierbar. Die Frage sei, ob der Kreis eine eigene Turnhalle auf dem knappen Schulareal baut oder eine neue Riedhalle als Mieter gemeinsam mit der Gemeinde Biblis als Eigentümer nutzt oder auch eine andere Lösung gefunden wird. Engelhardt verwies auf die Gremien der Gemeinde Biblis, die darüber zu entscheiden hätten, was mit der gemeindeeigenen Riedhalle geschehen soll.
Landrat Christian Engelhardt (links), der technische Leiter der Gebäudewirtschaft Johannes Kühn und Schulleiter Timo Helweg-Thome erläuterten der Presse die Probleme und Baufortschritte. Foto: Hannelore Nowacki
Neues Gebäude und neues pädagogisches Konzept
Die Schule soll für die Kinder überschaubar sein, erklärte Landrat Engelhardt das Konzept der Cluster-Schule mit vier eigenen räumlichen Jahrgangsbereichen für die jeweils drei Klassen. Im Erdgeschoss mit großen Fenstern wird die Mensa mit beweglichen Wänden eingerichtet, die zum Foyer hin zu öffnen sind. So entstehe eine Aula und eine Hälfte der Treppen in den ersten Stock ist in Form von Sitztreppen angelegt. Zuschauer bei Aufführungen können hier Platz nehmen. Der Innenhof mit frei schwebender Betontreppe wird von der Lichtkuppel auf dem Dach mit Tageslicht versorgt.
Das pädagogische Konzept sei in Arbeit, berichtete Schulleiter Helweg-Thome. Schule sei heute ganz anders zu denken, nicht wie früher nur mit Vormittagsunterricht. Schülergruppen seien heterogener als früher, viele Eltern berufstätig und die Kinder ganztags in der Schule mit einem Betreuungsangebot am Morgen und am Nachmittag, beschrieb Engelhardt die Lage. Schulräume müssten daher multifunktional mit beweglichen Zwischenwänden ausgestattet und nutzbar sein. Ein Fahrstuhl sichert die Barrierefreiheit. Im neuen Schuljahr ab 1. August werde die Schulkindbetreuung GaBiBe nach dem neuen Konzept des hessischen Schulgesetzes „Pakt für den Ganztag“ übertragen, jedoch in Verantwortung der Schulleitung in den Räumen der Schule.