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Fr., 24. Juli 2015, 08:26 Uhr
Netzwerk Asyl feierte mit Flüchtlingen Abschluss der ersten Sprachkurse
Unterhaltsame Vorführungen in deutscher Sprache
Männer aus Eritrea sangen ein religiöses Lied in ihrer Landessprache. Im weiteren Verlauf der Feier erlebten die Zuschauer bei Vorführungen und Präsentationen, wie gut sich die Flüchtlinge bereits in der deutschen Sprache verständlich machen können. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Integration gelingt nur durch Sprache. In Bürstadt hatten sich schon früh, bald nach der Ankunft der ersten Flüchtlinge, zahlreiche ehrenamtliche Helfer bereit erklärt, den Neuankömmlingen die deutsche Sprache zu vermitteln und ihnen beim Kennenlernen der neuen kulturellen Umwelt behilflich zu sein. Einige Flüchtlinge erhielten seit Oktober professionellen Sprachunterricht mit dem Ziel den A1-Test zu bestehen. Jasna Rößler leitete diesen über die Caritas organisierten Kurs für Lernende aus Eritrea, Somalia, Pakistan und Albanien. Ein Dutzend ehrenamtlicher Sprachpaten aus dem Koordinierungskreis für Flüchtlinge, der sich zum Netzwerk Asyl entwickelte, kümmerte sich in vielen Kleingruppen um weitere Flüchtlinge. Insgesamt nahmen etwa fünfzig bis sechzig Lernende teil. Im Juni wurden die Deutschkenntnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Kurse und Lerngruppen geprüft. Der Erfolg der Sprachvermittlung ist nun durch Zertifikate und Teilnahmebescheinigungen bestätigt, die am Mittwochabend im Rahmen einer gemeinsamen Feier im Gemeindezentrum St. Michael überreicht wurden. Bei dieser mehr als zweistündigen Feier bewiesen die Flüchtlinge mit sichtlicher Freude, dass sie mit ihren Sprachkenntnissen sogar schon ein Unterhaltungsprogramm gestalten können. Eingeladen hatte das Netzwerk Asyl, das von Gemeindereferent Michael Held und Rosi Hartmann vom Pfarrbüro geleitet wird. Mit einem gemeinsam gesungenen Kanon eröffneten acht Frauen aus verschiedenen Ländern die Feierstunde. „Guten Tag, ihr seid willkommen“ lautete der zum Anlass passende Text. Männer aus Eritrea sangen ein religiöses Lied in ihrer Landessprache, das durch Melodie und Rhythmus zum Mitschwingen einlud. Später beeindruckten die Flüchtlinge ihr Publikum mit der Präsentation ihrer Heimatländer in deutscher Sprache und überraschten die Zuschauer durch deutschsprachige einfallsreiche, kreative Beiträge und Vorführungen. Hans-Georg Gött, Ortsvorsteher in Bobstadt, war begeistert, wie er im Gespräch mit dem TIP erzählte. Besonders gefielen ihm ein pantomimisches Spiel mit zwei Mannschaften und ein Brief an die Mutter zu Hause, in dem ein Flüchtling seine Eindrücke und Erlebnisse in der neuen Umgebung schilderte. Auch ein Gedicht auf Deutsch habe ihn sehr berührt. In ihrem einführenden Vortrag gab Hannelore Lenhardt, bei der Caritas Dienststellenleiterin des Migrationsdienstes, nach einem Rückblick einen Ausblick auf die zukünftigen Kursaktivitäten, zu denen Integrationskurse für anerkannte Asylbewerber zählen. Zur Entlastung der ehrenamtlichen Sprachvermittler sollen drei Intensivkurse von Honorarkräften mit dreimal drei Wochenstunden stattfinden, im Gemeindezentrum St. Michael und im Alten Rathaus in Bobstadt. Jasna Rößler, die die Lernenden auf das A1-Sprachniveau geführt hat, machte in ihrem Vortrag deutlich, dass Kommunikation ohne Sprachkenntnisse nur beschränkt möglich sei und zur Abhängigkeit führe. „Sprache zu erlernen ist ein Abenteuer“, erklärte Rößler. Andererseits sei es ein Geben und ein Nehmen, so wisse sie jetzt, wie Christen in Pakistan Ostern feiern und dass es in Albanien keine Altenheime gebe. Gemeinsame Unternehmungen wie Fahrradtouren, beispielsweise zum Heimatmuseum in Lampertheim und der Besuch von Firmen, um das Arbeitsleben in Deutschland kennenzulernen, gehörten auch zum Lernprogramm. Hannelore Nowacki