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Di., 02. Mai 2023, 08:35 Uhr
JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG: Die Bürstädter Feuerwehren wählten Sebastian Kaiser zum Stadtbrandinspektor als Nachfolger von Uwe Schwara
Uwe Schwara mit donnerndem Applaus als Stadtbrandinspektor verabschiedet
Sebastian Kaiser (rechts) ist der neu gewählte Stadtbrandinspektor, Manuel Hildebrandt ist der stellvertretende Stadtbrandinspektor. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT-BOBSTADT – Die Stadt Bürstadt hat einen neuen Stadtbrandinspektor (SBI) – bei dergemeinsamen Jahreshauptversammlung der drei Bürstädter Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt Mitte, Bobstadt und Riedrode am Samstagabend in der Feuerwache Bobstadt wurde Sebastian Kaiser in der turnusgemäßen Wahl von seinen Kameraden als Nachfolger von Uwe Schwara gewählt. Schwara hatte nicht mehr kandidiert, wie er schon länger angekündigt hatte. In zwei Führungspositionen war er insgesamt 30 Jahre tätig: 1994 wurde er Wehrführer in Bobstadt als Nachfolger von Rudi Pumm, heutiger Ehrenkommandant und bei der Versammlung anwesend. 2003 wurde Schwara Stadtbrandinspektor. In den Feuerwehr-Ruhestand verabschiedet er sich nicht. Schwara bleibt weiter als Ausbilder für Atemschutzgeräteträger aktiv und als Kreisbrandmeister unterstützt er Kreisbrandinspektor Steffen Lutter in verschiedenen Tätigkeitsfeldern und nimmt Leitungsfunktionen bei größeren Einsätzen wahr. Da Feuerwehrleute im Alter von 60 Jahren laut Gesetz aus dem aktiven Dienst ausscheiden, aber eine Verlängerung von fünf Jahren beantragen können, wird der 59-jährige Schwara die Verlängerung beantragen. Zum Nachfolger von Sebastian Kaiser als stellvertretender Stadtbrandinspektor wurde Manuel Hildebrandt gewählt, ebenfalls auf Wunsch in geheimer Wahl. Sebastian Kaiser wurde von den anwesenden 67 wahlberechtigten aktiven Feuerwehrleuten mit 55 Ja-Stimmen, bei elf Nein-Stimmen und einer Enthaltung gewählt, Hildebrandt erhielt 56 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen, neunmal stand Nein auf dem Stimmzettel. Weitere Kandidatenvorschläge gab es nicht. In die Fahrzeughalle der Feuerwache Bobstadt waren zahlreiche Lokalpolitiker, die DRK-Bereitschaftsleitung und Landtagsabgeordneter Alexander Bauer gekommen, der die Anerkennungsprämien 2022 des Landes Hessen für langjährige Dienstzeiten in der Einsatzabteilung überreichte, verbunden mit einer Bandschnalle zum Tragen an der Uniform: Björn Walther (10 Jahre), Manuel Hofmeister (20 Jahre), Irene Eberlein und Michael Reischert (30 Jahre) und Burkhard Jakob (40 Jahre). In einer persönlichen Erklärung nach dem Tätigkeitsbericht des Stadtbrandinspektors (SBI) für das Jahr 2022 sprach Uwe Schwara allen Feuerwehren, Bürgermeisterin Barbara Schader und der Verwaltung, dem Ersten Stadtrat Christoph Lang und dessen Vorgänger Walter Wiedemann, dem Kreisbrandinspektor, den stellvertretenden SBI und Bürgern seinen Dank für Unterstützung und Zusammenarbeit aus, auch seine Familie, seine Frau und Tochter, schloss er in den Dank ein. Stellvertreter waren 15 Jahre Burkhard Jakob; drei Jahre Sven Molitor; ein Jahr Simon Lambrecht und seit letztem Jahr Sebastian Kaiser. „Mir war es eine Ehre und eine Freude, diese Funktion auszufüllen, viele wunderbare Menschen habe ich kennengelernt und wertvolle Erfahrungen gemacht“, sagte Schwara. Mit donnerndem Applaus im Stehen antworteten seine Kameraden. Bürgermeisterin Schader bescheinigte Schwara zahlreiche Verdienste. Schwara sei die Qualifizierung der Aktiven und eine gute Fahrzeug- und Geräteausstattungwichtig gewesen, habe immer weit vorausschauend gedacht, auch die Kinder- und Jugendfeuerwehr betreffend, und sei mit Leidenschaft und Professionalität „Feuer und Flamme“ für seine Tätigkeit gewesen. Das habe man auch im Kreis bemerkt. „Unsere Mannschaft ist perfekt aufgestellt“, folgerteSchader und sagte Schwara „danke für diesen selbstlosen Einsatz, für dieses Engagement“. Die Mannschaft verabschiede ihren „großen Kommandanten“. Für sie sei Schwara „eine beruhigende Stütze“ an ihrer Seite gewesen: „Danke, danke, danke“. Der Dank erhielt mit einem Umschlag für entspannte Reisepläne auch einen herzlichen materiellen Ausdruck. Und wieder brandete Applaus auf. Von Bürgermeisterin Schader erhielt der neue SBI Kaiser zwei Fahrzeugschlüssel als Zeichen seines neuen Amtes. Vorgänger Schwara überreichte ihm als symbolischen Staffelstab ein Funkgerät mit Stab-Antenne. Grüße des Landrats überbrachte Kreisbrandinspektor Steffen Lutter, der als nötige Investition in die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger den Neubau einer Atemschutzstrecke nannte, da mittlerweile drei Meter Höhe vorgeschrieben seien. Respekt zollte er Schwara für die 30 Jahre in diesen Führungspositionen – das schaffe kaum jemand. Von seinen Kameraden erhielt Schwara Geschenke, die mit Bedacht ausgewählt waren – ein Liegestuhl mit Widmung und ein schön verpacktes Feuerwehrauto. Nach dem offiziellen Teil waren alle zum Imbiss mit Hackbraten eingeladen.
Was im Jahr 2022 passierte
In seinem letzten Bericht als Stadtbrandinspektor ging Uwe Schwara auf die umfassenden Aufgaben ein, die von den Freiwilligen Feuerwehren in Bürstadt 2022 zu bewältigen waren, ein Jahr, das in Einsatz und Ausbildung noch stark von der Pandemie beeinflusst gewesen sei. Erst im 2. Quartal konnten Übungsdienste und Veranstaltungen durchgeführt werden, allerdings noch mit Maske. Insgesamt waren 186 Einsätze zu verzeichnen, 104 Einsätze weniger als im Vorjahr, darunter 102 Brandeinsätze mit 17 Großbränden und 84 Hilfeleistungen mit Hilfe bei 18 Verkehrsunfällen und 13 Türöffnungen. Ausrücken mussten die Einsatzkräfte bei zahlreichen Fehlalarmen, die durch technischen Defekt, fehlerhaftes Verhalten und durch veraltete, private Rauchwarnmelder entstanden waren. Zum Jahresende zählte die komplette Mannschaft 106 Mitglieder mit 13 weiblichen und 93 männlichen Einsatzkräften. Neuerdings sind es 111 Mitglieder, wie Schwara berichtete. Zur Sicherstellung der Tagesalarmstärke müsse um weitere Mitglieder geworben werden, im Rathaus sei dies bislang mit fünf Meldungen als „Mini-Erfolg“ gelungen. Erfreulicherweise würden die meisten 60-Jährigen ihre gesetzliche Dienstzeit um fünf Jahre verlängern lassen. In den Jugendfeuerwehren sind 50 Jugendliche tätig, 19 Mädchen und 31 Jungen im Alter von zehn bis 17 Jahren. Mit insgesamt 47 Kindern in den Kinderfeuerwehren sei der Mitgliederstand stabil. Mit ihrer Arbeit leisteten die Jugendwarte und ihre Teams, die Betreuer und Erzieherinnen für die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr einen wesentlichen Beitrag. In den Alters- und Ehrenabteilungen sind 39 Mitglieder. Die 59 Mitglieder des Musikzuges der Feuerwehren Bürstadt und Hofheim hatten wegen der Pandemie ihre 47 Auftritte erst ab Frühling. Insgesamt sind 301 Personen in den verschiedenen Abteilungen aktiv – Schwara sprach von einer „stolzen Summe“. Viel Zeit investierten die Feuerwehrleute bei 194 Übungen und Unterricht, in der Fort- und Weiterbildung mit insgesamt 72 Lehrgängen, bei der Brandschutzerziehung und -Aufklärung, in der Atemschutzübungsanlage und bei der Unterstützung des hauptamtlichen Gerätewarts. Die Gesamtsituation beim Fuhrpark sei aus Sicht der Feuerwehr „nicht zufriedenstellend“. Als Grund nannte Schwara die schwierige Beschaffung und Ersatzbeschaffung wegen Ausschreibungen und langer Lieferzeiten. In den Feuerwachen sind Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten benannt und liegen dem Bauamt vor. In das Gerätehaus in Bobstadt seien viele ehrenamtliche Arbeitsstunden investiert worden. Um bei Energiemangellage mit notwendigen Maßnahmen bei einem Blackout handlungsfähig zu bleiben und die Sicherheit der Einwohnerschaft zu gewährleisten, fanden Abstimmungsgespräche mit dem Gefahrenabwehramt, Bürgermeisterin, Ordnungsamt und Feuerwehr statt. Beim Aufbau einer Flüchtlingsunterkunft in Lorsch im April 2022 wurde der Betten-Transport mit dem Wechselladerfahrzeug und Abrollbehälter Logistik unterstützt. In der Funktion als Stadtbrandinspektor waren Schwara und sein Stellvertreter bei Veranstaltungen, Besprechungen mit Fachbereichen, mit der Bürgermeisterin zur Haushaltsplanung, Begehungen und Besprechungen zum vorbeugenden Brandschutz und zurAbnahme von Veranstaltungsräumen gefragt.Hannelore Nowacki