
BÜRSTADT – Beim Jahresempfang der Stadt Bürstadt hatten die Bürger Gelegenheit ihren neuen Bürgermeister Boris Wenz (SPD) mit Ehefrau Carmen gleich am Eingang aus der Nähe kennenzulernen und auch dem Stadtverordnetenvorsteher Alexander Bauer (CDU) und seiner Lebensgefährtin Elisabeth Unger mit Handschlag zu begrüßen. Und weil eine solche persönliche Begrüßung nicht im Schnelldurchgang zu bewältigen ist, reihten sich die Besucher gerne in die Warteschlange ein. Der große Saal im Bürgerhaus füllte sich und bis das Programm mit dem Musikstück „My Dream“ begann, am Klavier ergreifend von Tobias Molitor gespielt, nutzten die Besucher die Gelegenheit für lebhafte Gespräche wie auch am Ende beim geselligen Umtrunk. Für die musikalische Umrahmung hatte Molitor Musikstücke ausgewählt, die in ihrer Dynamik Optimismus und Tatendrang ausdrückten. Im noch jungen Jahr zum Innehalten und zur Begegnung zusammenzukommen, das vergangene Jahr im Rückblick auf sich wirken zu lassen und zu hören, was das neue Jahr aus Sicht der Redner bereithalten könnte, das hat Tradition in Bürstadt. Die aktuelle Lage weltweit, die gute und andere Veränderungen vor Ort sowie das ehrenamtliche Engagement als tragende Grundlage für ein gutes Zusammenleben und der Appell an Zuversicht und realistischen Optimismus prägten die Reden.
Foto: Hannelore Nowacki
„Schee, dass ihr alle do seid“
In seiner Rede, die er als Neujahrsansprache hielt, lud Stadtverordnetenvorsteher Bauer die Zuhörer zu Optimismus und Zuversicht als Haltung in bewegten Zeiten ein. In Bürstädter Mundart, die das freundliche Lächeln mitbringt, begrüßte Bauer die Besucher: „Schee, dass ihr alle do seid“. Unter den zahlreichen Ehrengästen waren Bürgermeister aus der Nachbarschaft, die Erste Kreisbeigeordnete Angelika Beckenbach (CDU), ehemalige Amtsträger wie Bürgermeisterin Barbara Schader a. D., Vertreter von Vereinen und Organisationen, Wirtschaft und Kirche. Auf kommunaler Ebene entscheide sich, ob Zuversicht spürbar werde, hier werde Vertrauen aufgebaut oder verspielt, Verantwortung übernommen. „Und hier entsteht jene Zuversicht, die nicht aus Worten wächst, sondern aus verlässlichem, konsequentem Handeln“, betonte Bauer und stellte die Bedeutung der ehrenamtlich Engagierten heraus, die Zuversicht greifbar machten und ein tragendes Fundament seien: „In unseren Vereinen, in der Feuerwehr, in sozialen Initiativen, in der Jugendarbeit und in der Nachbarschaftshilfe“. An einen realistischen Optimismus appelliert Bauer. Auch Pfarrer Christian Rauch, der die katholische Pfarrei Alfred Delp Südliches Ried leitet, will realistisch und zugleich hoffnungsfroh sein. Kirche sei für alle da, machte er deutlich - die Seelsorge, Bildung, soziale Dienste richteten sich an alle Menschen. In seiner Ansprache beschrieb Rauch eine Entwicklung, die zukünftig Fragen aufwerfen werde, wenn die kirchliche und christliche Prägung der Gesellschaft schwächer werde und damit eine Lücke entstehe. Rauch fragt: „Wer wird diese Lücke füllen, wer schafft Räume für Begegnung?“. Auch die Moral werde sich aus anderen Quellen speisen, das könne auch gefährlich oder riskant sein. Die Verteidigung demokratischer Werte sieht Rauch als Grundlage des Handelns und nimmt besonders die junge Generation dafür in den Blick. Da sich in Bürstadt viele Menschen für Demokratie und im Ehrenamt engagieren, sei er hoffnungsvoll. Pfarrerin Johanna Gotzmann hatte vor einem Jahr die kirchliche Sicht vertreten.
Foto: Hannelore Nowacki
Von Veränderung und Chancen
Für Bürgermeister Boris Wenz, mit der Amtskette auf den Schultern, war es der erste Jahresempfang in amtlicher Funktion. Ein Satz begleite ihn seit Wochen: „Veränderung ist die einzige Konstante im Leben – und sie eröffnet immer neue Chancen“. Eine optimistische Einstellung, die er als Leitsatz für das vergangene und das neue Jahr sehe. Als faires Miteinander mit Respekt und Anstand habe er den Bürgermeister-Wahlkampf und die Amtsübergabe durch Bürgermeisterin a. D. Schader (CDU) erlebt. An ein Jahr voller bewegender Momente, bedeutender Veranstaltungen, Vereinsjubiläen und Aktionen erinnerte Wenz. Starke Zeichen seien gesetzt worden mit der Fahnenaktion „Keine Gewalt an Frauen“ und „Keine Gewalt gegen Einsatzkräfte“. Die Feuerwehr habe ihr Jubiläum 140 Jahre gefeiert. „Wir sind ein Ort, an dem Zukunftsthemen diskutiert werden“, stellte Wenz fest. Ein voller Erfolg seien auch die Feste gewesen. Im Blick nach vorne berichtete Wenz von Weichenstellungen für die Zukunft: Infrastrukturprojekte wie die Umgestaltung der Nibelungenstraße Ost, die Machbarkeitsstudie für ein Bürger- und Rathaus und neue Duschen im Schwimmbad dank Förderbescheids. Besondere Veranstaltungen stehen bevor wie die Gymnastica und Jubiläen wie das 1250-jährige Bestehen von Bobstadt und 100 Jahre evangelische Kirche in Bürstadt. Eine Bilderschau auf der Großleinwand mit Impressionen aus dem gesellschaftlichen Leben des abgelaufenen Jahres zeigte die bunte Vielfalt. Abschließend rief Wenz auf, am 15. März zur Wahl zu gehen. Als Überraschung hatte die Feuerwehr ihre nagelneue Drehleiter am Rathaus mit einem Lichterfeuerwerk beeindruckend in Szene gesetzt, eine Anschaffung für 1,1 Millionen Euro. Bis 30 Meter fährt der Korb zum Retten und Löschen in die Höhe.
Hannelore Nowacki




















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