Do., 29. Februar 2024, 14:29 Uhr
Ev. Kirchengemeinde Groß-Rohrheim: Nach Kündigung des KiTa-Betriebsvertrages lässt die politische Gemeinde berechnen, ob diese nicht in eigener Trägerschaft übernommen werden kann
Verantwortliche halten an Kita-Trägerschaft fest
GROSS-ROHRHEIM– Katrin Pietschmann, im Vorstand der Evangelischen Kirchengemeinde Groß-Rohrheim zuständig für die kirchliche Kindertagesstätte, und Pfarrer Dominik Weyl wollen keinen Zweifel daran aufkommen lassen: „Wir halten am Fortbestand und Betrieb unserer Kita in kirchlicher Trägerschaft fest.“ Eine Einschränkung allerdings gibt es: „Das ist nur im Einvernehmen mit der politischen Gemeinde möglich.“ Denn so stark das Bekenntnis der Groß-Rohrheimer Protestanten für „unsere“ Kita auch ist, so stark ist auch der finanzielle Druck, dem sich die Evangelische Kirche in Folge der zahlreichen Austritte ausgesetzt sieht: Die Kirchensteuermittel sinken – und als Folge unterliegen auch die Zuweisungen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für den Betrieb von kirchlichen Kinderbetreuungseinrichtungen dem Sparzwang. Die Landessynode hat beschlossen, dass die Mittel, die jährlich in die Kitas fließen, bis im Jahr 2030 von derzeit 50 Millionen Euro auf dann 40 Millionen Euro gesenkt werden müssen. Das hat auch unausweichliche Folgen für den Betrieb der Evangelischen Kindertagesstätte Groß-Rohrheim. Und das wollen Pietschmann und Weyl auch gar nicht schönreden.
„Hohe Qualitätsstandards in der Betreuungsarbeit“
Dass in Groß-Rohrheim die Kirche als Träger der Kita den Betriebsvertrag kündigen musste, das war nur eine logische Folge dessen, dass sich kirchliche und politische Gemeinde bislang nicht auf einen neuen Vertrag zu neuen Konditionen einigen konnten. Die beiden Vertreter der Gemeinde vor Ort sind sich jedoch einig mit Ute Weiß und Christoph Sassenberg vom Zentrum Bildung der EKHN – Fachbereich Kindertagesstätten: „Wir haben trotz der geplanten Deckelung des Zuschusses viel zu bieten – nämlich nach wie vor einen Zuschuss in Höhe von rund 67.000 Euro, die Übernahme aller administrativen Aufgaben sowie hohe Qualitätsstandards in der Betreuungsarbeit.“
Die verschiedentlich erfolgte Darstellung, wonach die Kommune bereits heute 85 bis 90 Prozent der Kosten für den Betrieb der Evangelischen Kita Groß-Rohrheim trage, ist übrigens nicht zutreffend. Mit Blick auf das bereits abgerechnete Betriebsjahr 2022 beläuft sich der kommunale Finanzierungsanteil nach Abzug von Zuschüssen des Landes, der Kirche und unter Berücksichtigung der Elternbeiträge auf 60 Prozent. Die Kirche weist überdies darauf hin, dass das Land Hessen aufgrund des in der Landesverfassung verankerten Subsidiaritätsprinzips Kitas in freier Trägerschaft finanziell besser als kommunale ausstattet und die Gemeinde Groß-Rohrheim dadurch ebenfalls einen finanziellen Vorteil hat.
Volles Verständnis für Prüfung
Kirchenvorsteherin Katrin Pietschmann und Pfarrer Dominik Weyl haben jedoch volles Verständnis dafür, dass für die politische Gemeinde nach der Kündigung des Betriebsvertrags seitens der Kirche das Thema auf dem Prüfstand steht. Wie in verschiedenen Medien berichtet, wird im Auftrag des Groß-Rohrheimer Gemeindevorstands unter der Leitung von Bürgermeister Karsten Krug gegenwärtig ermittelt, was es die Kommune kosten würde, die kirchliche Kita in eigene Trägerschaft zu übernehmen. Berücksichtigt werden muss in so einer Gesamtbetrachtung auch die Absicht der Landeskirche, die Baulast für die Kita-Gebäude bis im Jahr 2030 an die Städte und Gemeinden abzugeben.
Für das Duo Pietschmann/Weyl und den gesamten Kirchenvorstand steht jedoch trotz aller Widrigkeiten fest: „Wir als Evangelische Kirchengemeinde verstehen uns weiterhin als Partnerin der Kommune, um gemeinsam den gesellschaftlichen Bildungsauftrag zu erfüllen und Mitverantwortung für ein gerechtes und friedvolles Zusammenleben zu übernehmen.“ Und Ute Weiß und Christoph Sassenberg weisen aus der Perspektive des Fachbereichs Kindertagesstätten drauf hin, wie sehr das Engagement der Kirche über den finanziellen Beitrag hinausgeht: „Wir beraten bei organisatorischen, fachlichen und konzeptionellen Fragen und bringen gut aus- und fortgebildete Fachkräfte in das Kita-Feld ein.“ Der Qualitätsstandard der evangelischen Kindertagesstätten ist sehr hoch.
Wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Nicht zu unterschätzen ist aus kirchlicher Sicht auch die Tatsache, dass ehrenamtlich organisierte Kirchenvorstände die Führungsarbeit der Kitas in Konzeptions- und Personalfragen leisten und so eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen. Eng verbunden mit „ihrer“ Kindertagesstätte sind in Groß-Rohrheim auch die Eltern: Ihr Engagement ist außerordentlich hoch.
zg