Narren gewinnen beim Spektakel um den Rathausschlüssel
Vergnüglicher Rathaussturm mit Bäuerin Bärbel
Das Bürstädter Prinzenpaar Marcel II. und Manuela II. bekommt Applaus. Der goldene Rathausschlüssel ist nun im Besitz der Narren. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Von Ferne waren Trommeln und Flöten zu hören, bald war der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr am Ort des Geschehens, gefolgt von den Garden des HCV und SKK, den Vereinsvertretern und der Vereins-AG mit dem Stadtprinzenpaar Marcel II. und Manuela II. und Präsidentin Sandra Beilstein. Eine Zuschauermenge schaute erwartungsvoll in die Runde, denn die Bürstädter Narrenschaft hatte zum Rathaussturm geblasen und die Bevölkerung war eingeladen zu sehen, wie dieser Angriff von der Rathaushausmannschaft fantasiereich gekontert wurde. Am Ende jedoch war klar: Gewonnen hatte die Narrenschar – der große Rathausschlüssel ist in der Hand des Prinzenpaars und bis zum Aschermittwoch gilt eine neue Ordnung. Bis es soweit war, erlebten sie Zuschauer eine märchenhafte ländliche Idylle. Vor dem Rathaus tummelten sich auf dem Bauernhof Kühe, Schweine, Schaf, Hinkel und sonstiges Federvieh und das Bauernhofpersonal ließ es sich gut gehen wie das Motto vorgab: „Egal was war, egal was ist – ein kleiner Saustall macht viel Mist!“ Man lümmelte herum, spielte Karten und füllte sich Wodka ein. Dabei waren auf witzige Weise selbstironischer Hintersinn und lokalpolitische Implikationen zu erkennen. Jedenfalls war zu hören, so sang es das Personal, dass Bäuerin Bärbel im Landtag einen Bauer hat, dort die Gelder einpackt „un fährt nach Haus, ia-ia-oh“. Goldene Eier lagen schon im Körbchen, samt selbstlaufendem Hinkel. Doch heute sei sie außer Haus – „drum lossemä die Sau jetzt raus!“ Gesagt getan. Sau Klausi, die perfekt geschminkte Beauty Sau, kündigte an: „Uni s die Bärbel außer Haus, such ich mir einen Eber aus, bevor der Metzger Kipfstuhl kimmt un mir meine Schönheit nimmt“.Ein sprechender Rabe, der „beobachd die Szenerie, stellte fest: „S’iss un bleibd en Souschdall, en goanz en schlimmer, do khääd uffgeroamd un des fä immer“. Erzähler Michael Molitor wandte sich in Bürstädter Mundart mit deutlichen Worten an die lieben Leute „un Roodhausgeschd, dass nämlich die Narren „wie jeedes Joah kumme die do oagelaafe un wolle uns de Schneid abkaafe“. Vom heutigen Tag, der ein ganz stürmischer geworden war, versprach er sich: „Gschaffd wädd nix, mää duue ruuhe un uns in de Mischdkaud suule“. Auch die „Förderkuh, die liebe Elke, lässt sich heit von niemand melke“. Perfekt getarnt als Förderkuh legte sich Tim Lux im Gatter auf Stroh zur Ruh. Dann kam Bäuerin Bärbel alias Bürgermeisterin Bärbel Schader im Traktor angefahren, griff dynamisch zur Mistgabel und wechselte alsbald die Gummistiefel mit lila Stöckelschuhen aus. „Jeds ist’s genug, des hälschd net aus, un mischd den Sauschdall äschdmool aus“. Bäuerin Bärbel beschließt „vorbei die Zeid als Bauer, isch bin Brinzessin, un des uffDauer“. Und die Kuh,die Elke – „die griggd ze fresse, doann du isch se melke“. Beim Kampf um den goldenen Rathausschlüssel gruben Prinzenpaar und Bärbel ihre Hände tief ins Stroh, dann war es geschehen – die Narren hatten den Schlüssel ergattert und die Bürgermeisterin schwenkte die weiße Fahne. Anschließend wurde noch die Kapitulationsurkunde unterzeichnet. Für die Narren ergriffPräsidentin Sandra Beilstein das Wort: „Mir ziehen ein ins Bauernhaus“ und „heut wärd nur unsern Sieg begosse“. So wurde es gemacht, nach drei donnernden Helau „uff die Bäschdedder Fasnachd“ und den Schüssen aus der Konfettikanone zog die bunte Narrenschar zum Umtrunk ins warme, sturmfreieRathaus um. Die Zuschauer hörten zuvor noch die nun geltenden Narrengesetze, verkündet vom Prinzenpaar: Bis Aschermittwoch gelte Steuerbefreiung, der Besuch des Bürstädter Umzugs wurde zur Pflicht für alle erklärt und einiges mehr. Hannelore Nowacki
Bäuerin Bärbel ist mittendrin im Getümmel des Bauernhofs, wo die Kuh steppt und die Sau fliegt. Foto: Hannelore Nowacki