Vertragsunterzeichnung der Kita-Betriebskostenverträge
Die Vertragsunterzeichnung mit den katholischen Gemeinden: Hildegard Kewes, Michael Harres, Gottfried Senftner, Gerhard Keim, Andrea Krüger (stehend v. l.), Christian Rauch und Marius Schmidt (sitzend v. l.). Foto: Nadine Schütz
LAMPERTHEIM – Die Betriebskostenverträge für die konfessionellen Kindertagesstätten (Kitas) in Lampertheim sind unter Dach und Fach. Vertreter der jeweiligen Vereinigungen waren daher am Mittwoch und Donnerstag im Sitzungssaal des Stadthauses zur Vertragsunterzeichnung gekommen. In der jetzigen Lösung habe man einen Konsens gefunden, so Erster Stadtrat Marius Schmidt, um mit den konfessionellen Partnern zum Wohle der Kinder in die Zukunft starten zu können.
Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Beschluss für die Verhandlungen von Betriebskostenverträgen für die Kitas unter evangelischer Trägerschaft am 30.8.2019 und unter katholischer Trägerschaft am 28.2.2020 gefasst. Hintergrund war die neue Gesetzgebung, infolge der die alten Verträge aus dem Jahr 2004 überarbeitet werden mussten.
„Es waren keine leichten Verhandlungen“, äußerte sich Michael Harres, Fachbereichsleiter Frühkindliche Bildung. Bedingt durch die äußerst gründlich durchzuführenden Beratungen und der Einfluss einer weiteren Gesetzesneuerung während der Gespräche, ergab sich eine große Zeitspanne bis zur Unterzeichnung. „Wir sind froh, unter die Vertragsverhandlungen nun einen Schlussstrich ziehen zu können“, so Harres.
„Ein Schlussstrich unter den Vertragsverhandlungen“, ergänzte Schmidt, „und eine Wegmarke, um zu neuen Ufern aufzubrechen.“ Denn die Betriebskostenverträge sicherten die Existenz der konfessionellen Kitas in Lampertheim.
Eine win-win-Situation: Der Vorteil der Kirche liegt auf der Hand. Die anteilige Kostenübernahme der Stadt Lampertheim, die nun höher ausfällt als zuvor, entlastet die Kirchen, die wegen des Mitgliederverlusts einerseits weniger Einnahmen zur Erhaltung der Kitas generieren können und andererseits über weniger ehrenamtliche Mitarbeiter verfügen.
Für die Stadtverwaltung bedeutet dies oberflächlich betrachtet ein Plus an Mehrkosten. Mit der Einführung des Geschäftsträgermodells mit den drei katholischen Gemeinden unter dem Bistum Mainz (für Kita Alfred Delp, Familienzentrum St. Michael, Kita Mariä Verkündigung) wird die Stadt Lampertheim ab sofort 85 % der Kosten übernehmen. Bei den evangelischen Kitas in Lampertheim (Kita Falterweg, Kita Am Graben, Kita Rosenstock und Kita Hüttenfeld), die von der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft (GÜT) im Dekanat Bergstraße verwaltet werden, übernimmt die Stadt Lampertheim 85 % der Betriebskosten und 30 % der Verwaltungskosten. Tiefer betrachtet, profitiert die Stadt Lampertheim aber insofern, als dass eine Trägervielfalt gegeben ist, die es Familien in Lampertheim ermöglicht, aus einer Fülle an Möglichkeiten der frühkindlichen Bildung zu wählen. Konfessionelle Kitas ermöglichten beispielsweise die Vermittlung christlicher Werte, so Schmidt: „Werte, die man als Leitlinie im eigenen Leben gut brauchen kann.“
„Die konfessionellen Kitas tragen ganz entscheidend zur Bildungslandschaft in Lampertheim bei“, bestätigt Harres und zeigt sich erfreut, in ihnen verlässliche Partner zu haben, mit denen ein enger Austausch stattfindet und Projekte auf dem kurzen Dienstweg gestaltet werden können.
Zum Weiteren hat die Betriebskostenvereinbarung den Vorteil, dass bei der Verwaltung der Kitas keine städtischen Ressourcen aufgebracht werden müssen. Diese interkommunal verhandelten Verträge werden sich automatisch verlängern, sodass die nötige Planungs- und Handlungssicherheit gegeben ist.
Die Vertragsunterzeichnung mit der evangelischen GÜT: Ute Gölz, Silke Bienhaus, Marius Schmidt und Michael Harres (v. l.). Foto: Nadine Schütz
Pfarrer Christian Rauch bedankte sich bei den Vertretern der Stadt Lampertheim für das entgegengebrachte Vertrauen. „Das Vertrauen in die Kirche hat ja großen Schaden genommen.“ Die Kirche vor Ort stehe aber für das gute Miteinander. Die lange Tradition der Kirche in Lampertheim habe sich um die Sorge der Kinder immer wieder bemüht, so Rauch. Nun wolle man sich mit dieser guten und vertrauensvollen Basis mit der Stadtverwaltung für die Zukunft aufstellen. Auch Gerhard Keim, Verwaltungsratsmitglied St. Michael, äußerte sich stellvertretend für Pfarrer Adam Malczyk, ungemein dankbar für die äußerst erstrebenswerte Kooperation mit der Stadt Lampertheim. In diesem Zuge ergriff auch Hildegard Kewes, Verwaltungsdirektorin Bischöfliches Ordinariat Mainz, das Wort der Dankbarkeit um die gute Zusammenarbeit und das Ergebnis der Vertragsverhandlungen: „Wir können die Herausforderungen dieser Zeit nicht mehr an die Kita-Landschaft stellen.“ Seitens des evangelischen Dekanats Bergstraße hob stellvertretende Dekanin Silke Bienhaus hervor, dass sie „die Absprachen mit der Stadt Lampertheim auf einer wirklich guten Art und Weise empfunden habe.“ Desgleichen wurde seitens der Stadt Lampertheim Lob für die gute Zusammenarbeit mit den kirchlichen Trägern ausgesprochen. Nadine Schütz