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Mo., 17. August 2020, 23:03 Uhr
16. Lampertheimer Orgelsommer 2020 mit Dresdner Domorganist Johannes Trümpler
Virtuoses Konzert als erhebendes Klangerlebnis
Johannes Trümpler aus Dresden begeisterte das Publikum an der großen Blauen. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Johannes Trümpler hat einen vollen Terminkalender, doch in diesem Jahr ist der Wunsch von Kantorin Heike Ittmann in Erfüllung gegangen und der Domorganist an der Kathedrale in Dresden gab am Sonntag sein Konzert im Rahmen des 16. Lampertheimer Orgelsommers. In der Domkirche begeisterte er das Publikum an der Vleugels-Orgel, die große Blaue, wie sie liebevoll von ihren Fans wegen ihrer Gestaltung in Blautönen genannt wird, in Dresden hat er die Silbermannorgel in seiner musikalischen Obhut. Johannes Trümpler konzertiert im In- und Ausland, Konzerte gab er in den USA, Venezuela, Russland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen. Außerdem ist er Referent für Kirchenmusik des Bistums Dresden-Meißen und Dozent für Orgelliteraturspiel und liturgisches Orgelspiel an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden und an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Sein Lampertheimer Programm war zum einen geprägt von kirchlichen Themen wie beim Symphonischen Choral „Ach, bleib mit deiner Gnade“ von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) und Johannes Sebastian Bach „Meine Seele erhebt den Herren“ (Fuge supra il Magnificat), die beim Zuhören die höheren Sphären erlebbar machten. Einige Stücke waren eine überwältigende Hommage an Mond und Sterne, zuletzt, als der große Applaus für Johannes Trümpler verklungen war und das Publikum sich eine Zugabe verdient hatte, erklang ganz fein und zart die Melodie „Der Mond ist aufgegangen“. So einfühlsam, dass zum Glück und zur Zufriedenheit dieses Abends eine wunderbare Ruhe spürbar wurde, die zur sanftmütigen Begleiterin in die Nacht werden durfte. Von Louis Vierne (1870-1937) hörte das Publikum „Claire de Lune“, von Nicolas de Grigny (1672-1703) „Ave Maris Stella“ und zum Schluss wieder von Louis Vierne, das mit berührender Klangfülle gespielte Stück „Etoile du soir, op. 54,3 und das grandiose, ergreifende Finale aus der 1. Symphonie op. 14. Da dieser Orgelsommer 2020 unter dem Motto „Komponistinnen“ den weiblichen Meisterinnen in der Musikgeschichte eine verdiente Stimme gibt, hatte Johannes Trümpler mit Jeanne Demessieux (1921-1968) eine Komponistin ausgewählt, die er in seinen einführenden Worten als arbeitswütige Frau schilderte, die über 18 Stunden am Tag übte und mit ihren schwierigen Stücken bei Organisten durchaus gefürchtet sei. In ihren Übungstücken stehe das Pedal im Vordergrund. Aus ihren „Six Etudes“ spielte Johannes Trümpler „Pointes“ und „Tierce“, ein temperamentvoller Sturm der Töne, frisch, fordernd und mitreißend. Heike Ittmann stellte Komponistinnen vor, deren Lebensgeschichte exemplarisch für viele andere ist. Mélanie Bonis studierte beim Organistin César Franck in Paris und veröffentlichte ihre Werke unter dem unverfänglich männlich anmutenden Namen Mel Bonis. Aber erst nachdem ihr sehr viel älterer Gatte, mit dem ihre Eltern sie zwangsverheiratet hatten, verstorben war, konnte sie wieder komponieren. „300 fantastische Werke“, urteilt Heike Ittmann. Eine weitere Komponistin nannte Heike Ittmann - Hildegard von Bingen, die auf vielen Gebieten der Wissenschaft brillierte und in der katholischen Kirche als Heilige verehrt wird, habe viele liturgisch-gregorianische Gesänge mit eigenem Stil komponiert. Nach einer Anekdote wurden diese Gesänge in einem Männerkloster nicht mehr gesungen, nachdem die Mönche herausgefunden hatten, dass eine Frau die Komponistin war. Für den nächsten Sonntagabend um 20 Uhr mit Carmenio Ferrulli aus Mannheim sind noch Plätze zu haben, teilte Heike Ittmann dem Publikum mit. Eintritt frei. Anmeldung telefonisch (06206/157301) oder per E-Mail (heikeittmann@gmail.com). Hannelore Nowacki