SPD-PLÄNE: SPD legt Stadtverordnetenversammlung Anträge zur Tabakscheune und Innenstadtbelebung vor
Vision zum Wohnen im Gleisdreieck
Lange Jahre Leerstand in der Kaiserstraße – ein Discounter wollte einziehen und machte wohl einen Rückzieher. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Am zukünftigen Neubaugebiet Gleisdreieck steht bereits die Kindertagesstätte Farbenfroh, ansonsten weht der Wind noch über freies Feld. Auch wenn die Entscheidung über die Verschwenkung der Ultranet-Hochspannungstrasse noch auf sich warten lässt, die SPD-Mitglieder im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss, Petra Brandt, Fraktionsvorsitzender Jens Klingler und der stellvertretende Ausschussvorsitzende Dominik Ofenloch, haben über die Zukunft des Wohnens im Gleisdreieck ein Thesenpapier erarbeitet, das sie der Presse am Freitag im Rahmen einer Video-Konferenz vorstellten. Nachgedacht haben sie über neue Wohnformen wie das Generationen übergreifende „schammatdorf“ in Trier, das sich seit den 1980er Jahren im Bau befand und mittlerweile erfolgreich etabliert ist. Darüber berichtete Brandt, die diese Siedlung besucht hat. Für Senioren soll „Betreutes Wohnen“ möglich sein und eine Seniorenresidenz. Barrierefreies Wohnen ist für die Behindertenhilfe der AWO vorgesehen. Insgesamt geht es um die Verdichtung des Neubaugebiets, neben Einfamilienhäusern sollen mehr Mehrfamilienhäuser und sozialer Wohnungsbau mit höherer Quote entstehen als in bisherigen Überlegungen erkennbar. Bewährt habe sich die Kombination Kita und Kinderkrippe, deshalb soll im ersten Bauabschnitt ein Grundstück für einen Krippenneubau reserviert werden. Die Einbindung in den ÖPNV steht im Ideenkatalog ebenso wie eine flexible Stellplatzsatzung, E-Mobilität und die Nutzung erneuerbarer Energien. Platz für Begegnung und Kommunikation soll geschaffen werden einschließlich Spielplatzkonzept. Ein Grünflächenkonzept, Schrebergärten und Spielstraßen runden das angedachte neue Wohnambiente ab. Auch ein Gesundheitszentrum mit Arzt- und sonstigen Praxen soll dort entstehen. Flexibel soll die neue Stellplatzsatzung sein wegen der unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten in Lampertheim. Klingler ließ Kritik an der Verwaltung anklingen, dass zu wenig passiere, beispielsweise mit dem Bebauungsplan Kita Oberlache und dem Photovoltaik-Thema in der Wormser Landstraße. Weiter informierten die SPD-Fraktionsmitglieder über die beiden Anträge zur nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Freitag kommender Woche. Um das Wohnen in Hüttenfeld geht es beim Gebiet der Tabakscheune, für das eine sofortige Veränderungssperre erlassen werden soll. Die Verwaltung soll beauftragt werden, einen Bebauungsplan zu erarbeiten, mit der Möglichkeit hier zweigeschossige Ein- und Zweifamilienhäuser zu bauen. Von einer neuen Planung mit 12 Wohnungen sei er bei der SEBA-Sitzung überrascht worden, erklärte Klingler. Für den SPD-Antrag erwarte er die Zustimmung der anderen Parteien, die Politik wolle gemeinsam entscheiden, was dort realisiert wird, es gehe um gestaltende Stadtplanung. Dem Bürgermeister hielt er erbost vor, die eigene Meinung in einer gewissen Art von Arroganz durchzuziehen, das habe die Position des Parlaments geschwächt. Für die Leerstände in der Innenstadt nimmt die SPD-Fraktion Ideen aus anderen Städten wie Hanau und Wiesbaden auf, wo man bereits gute Erfahrung gemacht habe. Die Zauberworte für die Innenstadtbelebung sind Pop-Up- und Concept-Stores auf geeigneten Flächen, die der Magistrat ermitteln und dafür auf Lampertheim angepasste Konzepte erarbeiten soll. Die Stadtverordnetenversammlung soll außerdem beschließen, dass dieses Konzept dem Haupt- und Finanzausschuss in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause 2022 vorliegt. „Es passiert einfach nichts“, kritisierte Klinger ein weiteres Mal die Verwaltung, insbesondere mit Blick auf das Stadtmarketing. Das soll kein Bashing sein, doch „ich weiß einfach nicht was los ist“. Die Probleme sollten intern geklärt werden, regt Klingler an, dann an die Öffentlichkeit gehen. Auch Brandt bemängelt, dass zumindest nach außen wenig passiere. „Ein bisschen mehr könnte es sein“. Selbst bei den Stadtverordnetenkollegen der anderen Parteien erkennt Klingler kein „Brennen“ für das Thema Leerstände. So gebe es für das ehemalige Schiller-Café noch keine Projektgruppe. „Ich weiß nicht, wann wir loslegen wollen“. Hannelore Nowacki