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Di., 24. August 2021, 09:29 Uhr
Einzigartige Ehrung für Peter Bischof als Ehrenvolksschauspieler
Volksbühne feierte Ehrenabend mit viel Humor und Loambadda Mundaad
Gerhard Baum, Peter Bischof und Klaus Jenner prägten die Geschicke der Volksbühne über Jahrzehnte. Erster Vorsitzender Frank Griesheimer nannte sie „die drei Musketiere der Volksbühne“. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Ein solcher Ehrenabend wie er über drei Stunden im festlich erleuchteten Saal der Notkirche am Freitag gefeiert wurde ist bei der Volksbühne ein außergewöhnliches Ereignis, denn normalerweise finden die Ehrungen am Tag der Mitgliederversammlung statt. „Corona hat uns ausgebremst“, erklärte der Erste Vorsitzende Frank Griesheimer den versammelten Mitgliedern zu Beginn dieses denkwürdigen Abends, der als Dankeschön für langjährige Mitgliedschaft und aktives Engagement mit Ehrungen auch aus dem vergangenenJahr gedacht war. Viele emotionale Momente entwickelten sich, Tränen der Rührung und wohl auch Freude bahnten sich spontan den Weg. Ganze vierzig Mitglieder waren der Volksbühne über 25 Jahre treu, viele wären schon vor einem Jahr geehrt worden, hätte nicht die Coronakrise dazwischengefunkt; die meisten erhielten ihre Urkunden auf dem Postweg. Schon beim Sektempfang zeigte sich nach der langen Zeit ohne Aufführung und Gelegenheiten zum geselligen Zusammensein, dass es viel zu erzählen gab. Nach dem Festbüffet und angeregten Tischgesprächen hatten die Laudatoren das Wort, die den Zuhörern die Verdienste der zu Ehrenden in Erinnerung riefen und nahebrachten. Eine unterhaltsame Unterbrechung war ein Sketch mit Frank Griesheimer, der den Friseur spielte und Peter Bischof als Kunde, der dem Mann mit der Schere von seinen Urlaubsplänen vorschwärmte und gerne „zum Schnackle“ kommt. Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu ahnen war – Peter Bischof verabschiedete sich vom aktiven Bühnenleben und wurde im Laufe des Abends zum Ehrenvolksschauspieler ernannt. Eine Auszeichnung, die der Vorstand beschlossen hatte und die es bislang bei der Volksbühne nicht gab, also einzigartig ist. Zunächst trat Peter Bischof jedoch als Laudator für Gerhard Baum ans Rednerpult, der als Geschäftsführer 51 Jahre lang die Geschicke der Volksbühne mitgestaltete und seit 65 Jahren Mitglied ist. Erst kürzlich hatte Gerhard Baum sein Amt in jüngere Hände, an Florian Uhl, abgegeben.
Laudator Peter Bischof mit Ehefrau Jula (links) und der zum Ehrengeschäftsführer ernannte Gerhard Baum (mit Urkunde) mit Ehefrau Maja und Erstem Vorsitzenden Frank Griesheimer zum gemeinsamen Bild auf der Bühne. Foto: Hannelore Nowacki
Stimmungsvolle Ehrungen
Aus der Laudatio machte Peter Bischof eine mundartliche Lobesrede, die zugleich das Wesen der Volksbühne und das Engagement des Geehrten deutlich machte. Dass die Volksbühne mit der Umstellung auf Mundarttheater seit 1979 ununterbrochen Erfolge feierte, war auch Gerhard Baum zu verdanken, der wie Klaus Jenner und Ideengeber Peter Bischof in der Loambadda Mundaad das Erfolgsgeheimnis entdeckt hatten. „Abgegange wie die Poschd“ sei es seitdem. „Ein Glücksfall und Schauspieler“ sei Gerhard Baum gewesen wie Gerd Müller für den FC Bayern. Auf 397 Auftritte kommt seine Bühnenbilanz, auch als Regisseur habe Gerhard Baum den Stücken seinen Stempel aufgedrückt. Und das alles ehrenamtlich neben dem Beruf, jedoch mit Unterstützung durch Ehefrau Maja. „Das hast du alles mit Bravour durchgezogen“. Ein Lob, das die Zuhörer mit Applaus im Stehen bestätigten. Klaus Jenner, bis zum letzten Jahr Erster Vorsitzender, übernahm die Laudatio für Claudia Mandel, die 1979 zum ersten Mal auf der Bühne stand und seit 40 Jahren Mitglied ist. 2016 beendete sie ihre Bühnenlaufbahn nach 27 Stücken, blieb aber hinter der Bühne aktiv. Für 70 Jahre Vereinstreue erhielten Wolfgang Offer und Horst Retzbach von Frank Griesheimer die Ehrenurkunde. Ilse Prüssing, Erste Beisitzerin im Vorstand, ist seit 40 Jahren Vereinsmitglied und wurde nun zum Ehrenmitglied ernannt. In 577 Aufführungen habe sie zum Erfolg der Volksbühne beigetragen und 37 Rollen mit Leben gefüllt, berichtete Laudator und Zweiter Vorsitzender Michael Tschirner. Seit 30 Jahren ist sie im Vorstand und alshelfende Hand bei Ausflügen sowie über acht Jahre in der Maske geschätzt. Auch Susanne Legleiter ist der Volksbühne seit 40 Jahren treu und spielte lange Jahre mit, dann engagierte sie sich im Bewirtungsdienst, wie Laudator Frank Griesheimer berichtete. „Wir versuchen sie wieder auf die Bühne zu bekommen“. Für 25 Jahre Mitgliedschaft und langjährige Verdienste wurde Heike Tschirner geehrt, die bei 389 Vorstellungen mitwirkte und als Friseurin in der Maske die Haare bändigte. Auch Wolfgang und Hannelore Baum und Küster Johann „Hans“ Gierlich wurden für ihre langjährigen Dienste im Laufe ihrer 25-jährigen Mitgliedschaft geehrt. Zum Abschluss des offiziellen Teils des Abends und als weiterer dramaturgischer Höhepunkt folgten zwei weitere Ehrungen. Frank Griesheimer hielt die Laudatio für Klaus Jenner, der als Erster Vorsitzender das höchste Amt der Volksbühne 28 Jahre innehatte und seit 1976 auf der Bühne stand. Als Vermittler, der es mit jedem im Verein gut meinte, als Allround-Talent bezeichnete er Jenner, dem er für sein Engagement, Rat und Treue dankte. Wie man von Klaus Jenner bereits weiß, will er der Volkbühne weiterhin mit Rat zur Seite stehen und damit dem Wunsch von Frank Griesheimerentsprechen: „Bleib uns lang erhalten“. Wieder folgte ein Applaus im Stehen. „Was es jetztet gibt, hat es im Verein noch net gebbe“. So kündigte Frank Griesheimer die Ehrung von Peter Bischof an, der von nun an den Titel „Ehrenvolksschauspieler“ trägt, eine Ehre für einen „wunderbaren Akteur“ und Dank. In seiner Laudatio zeichnete Frank Griesheimer das Bild von einem Vollblutschauspieler, der bereits im Alter von fünf Jahren ohne Text auf die Bühne ging, 1960 im Reichsadler humorvoll auftrat und mit seiner Idee im Jahr 1978, zukünftig in Lampertheimer Mundart zu spielen die Volksbühne gerettet habe. Was mit dem Stück „Heini, das Urviech“ so erfolgreich begann, setzte sich mit vielen anderen Mundartstücken erfolgreich fort. Peter Bischof, der auch Regie führte, habe sich als Schauspieler nie geschont. „Er ist und bleibt das Aushängeschild vunn unserem Verein“. Eine gerahmte Bildercollage erhielt Peter Bischof zur Erinnerung. Wenn diesmal nicht wieder Corona dazwischenkommt, werden die Fans der Volksbühne im November und Januar am neuen Stück ihren Spaß haben. Hannelore Nowacki
Peter Bischof als Friseurkunde im Sketch mit Frank Griesheimer, der ihm vor dem Urlaub die Haarpracht ordentlich stutzen will. Foto: Hannelore Nowacki