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  • Mo., 21. Dezember 2020, 13:00 Uhr
    LITERATUR: Lokalhistorie im Kreis Bergstraße – heiße Eisen inbegriffen

    Vom beglückenden Minnegesang bis zum 2. Weltkrieg

    Wie man früher lebte - im Band 53 der Geschichtsblätter Kreis Bergstraße spannen die Heimatforscher einen weiten Bogen vom Mittelalter bis heute. Im Bild (von links): Heidi Adam, Bürgermeister Volker Scheib mit den Autoren Günter Mößinger, Stefan Hebenstreit und Heinz Klee. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS/RIED – Geschichte – kann begeistern und reicht immer auch bis in die Gegenwart hinein. Und sei es, dass viele Menschen gerne mehr darüber erfahren wollen, wie man vor tausend Jahren lebte, was sich am Wohnort oder woanders in der Region in den vergangenen hunderten von Jahren zutrug, aber auch, was es aus der jüngeren Vergangenheit zu berichten gibt. Im neuen Band der „Geschichtsblätter  für den Kreis Bergstraße“ kann die Zeitreise beginnen: Das Nibelungenlied ist heute noch sehr präsent, obwohl es wahrscheinlich im Jahr 1203 entstanden ist. Weniger bekannt dürfte dagegen der Magier der beglückenden Worte sein, der Minnesänger Bligger von Steinach, der ebenfalls in jener Zeit seine hochgelobten Verse handgeschrieben festhielt. Weit über die Grenzen der Region und Deutschlands hinaus ist heute noch der Codex des Klosters Lorsch von Bedeutung, auch wenn von den Klostergebäuden nicht viel übrig ist. Über Schützenfeste im 18. Jahrhundert hat Günter Körner geschrieben, als man sich in Weinheim 1724 zum Ritter- und Lustschießen versammelte. Siedlungsgeografisch, kulturhistorisch und naturkundlich geht Peter W. Sattler seinen Beitrag  über den Landschaftsraum Überwald an. Mehr über diese und viele weitere Themen, natürlich auch über den begnadeten Minnesänger, kann erfahren, wer im 53. Band der „Geschichtsblätter für den Kreis Bergstraße“ vom Lorscher Verlag Laurissa die  Vergangenheit erkundet. Ein „heißes Eisen“ wird man finden, denn in einigen Beiträgen haben die Heimatforscher Schilderungen von Zeitzeugen vom Geschehen in den letzten Kriegstagen aufgenommen und „Das fast vergessene Konzentrations-Außenlager in Heppenheim“ aus dem Dunkel der Geschichte ans Licht geholt. Vorgestellt wurde dieser schön aufgemachte Band mit farbigen und schwarzweißen Abbildungen und hohem wissenschaftlichen Standard im Rathaussaal in Anwesenheit von Bürgermeister Volker Scheib und drei Autoren, die ihre Beiträge ehrenamtlich erarbeitet haben und unentgeltlich zur Verfügung stellten. Trotzdem kostet die Herstellung eines solchen Bandes Geld – der Leineneinband, Fadenheftung, gutes Papier, das sich schön anfühlt. Werden nicht genügend Bücher verkauft, kann nichts veröffentlicht werden, lautete die Botschaft. Das „heiße Eisen“ sprach Bürgermeister Scheib an, das Günter Mößinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, angepackt habe. Sein Beitrag handelt von den letzten Kriegstagen, als die amerikanischen Truppen in Biblis-Nordheim den Rhein überschritten. Das Foto auf dem gelben Schutzumschlag zeigt eine solche Szene, gefunden hatte es Heidi Adam im Euler-Archiv in Bensheim. Das überraschte selbst den versierten Heimatforscher Mößinger, der jahrelang nach einem Bild gesucht hatte. Dem Bürgermeister gab er Recht, damalige Verbrechen seien nach dem Krieg, wenn überhaupt, auch in dieser Region relativ gering bestraft worden, man berief sich auf Befehlsnotstand. Da die amerikanischen Truppen in Nordheim auf Widerstand trafen, habe es Tote gegeben und die Kirche brannte nach Beschuss aus. Stefan Hebenstreit, neuer Zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, hat in seinem Beitrag über die letzten Kriegstage in Gronau die Aufzeichnungen der 43-jährigen zweifachen Mutter Maria Rettig anschaulich verarbeitet. Vorstandsmitglied Heinz Klee hat die Geschichte der Marienkirche in Viernheim in den Blick genommen, die älteste Kirche im Ort. Der Vorgängerbau wurde im Jahr 917 erstmals in einer Schenkungsurkunde erwähnt. In heutiger Zeit dann der Plan eine Kindertagesstätte darin zu bauen. Die barocke Kirche wäre profanisiert worden, das kam bei vielen Bürgern der Stadt nicht gut an. Ihrem Engagement sei es zu verdanken, dass die „Alt Kerch“ als wertvolles Kulturgut erhalten bleibt, schreibt Klee. Der 53. Band mit 307 Seiten und vielen farbigen und schwarzweißen Abbildungen kann beim Verlag Laurissa, Körnerstraße 9, 64653 Lorsch (Telefon 06251/5506556) für 18 Euro bestellt werden. Hannelore Nowacki

     

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