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    100 JAHRE VOLKSBÜHNE LAMPERTHEIM: Rückblick auf ein Jahrhundert Vereinsgeschichte / Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

    Von der kleinen Schauspielgruppe zum erfolgreichen Theaterensemble

    Die Besatzung zu „Siegfried und das Zigeunerkind“ im Jahre 1926.
    Foto: Volksbühne Lampertheim

    LAMPERTHEIM – Man schrieb 1926 als sich aus den Reihen der Feuerwehr eine Theatergruppe hervortat. Aus den regelmäßig bei Festen aufgeführten „Stückchen“ sollte mehr werden. Die Volksbühne Lampertheim wurde aus der Wiege gehoben. Der Erfolg war dem Team aus Laienschauspielern um den Gründer und langjährigen 1. Vorsitzenden Friedrich (Fritz) Will gesichert, war doch jener Zeit der Besuch von Theater und Oper ein Luxusgut. „Schriftlich ist von vor dem Krieg nicht allzu viel da“, erklärte bei der Pressekonferenz am Dienstag Peter Bischof, Ehrenvolksschauspieler und, zusammen mit Ehrenvorsitzendem Klaus Jenner, eines der Mitglieder mit dem längsten Erfahrungsschatz. Für die Zeit von 1947 bis 1949 seien selbst keine Protokolle auffindbar, so Bischof. Hier sei aber ein amtliches Dokument erhalten: In Folge einer Beschwerde sei der Volksbühne Lampertheim durch die NSDAP verboten worden, Stücke von Autoren jüdischer Abstammung aufzuführen. Bereits 1946 wurde wieder gespielt. „Franz Roggenfeld und Franz Christmann haben kurz nach dem Krieg etwa 35 Aktive rekrutiert“, erzählte Bischof. Für Furore sorgte das Stück „Das war der Jedermann“, das in der Spielzeit 1950/51 in der zerbombten Domkirche aufgeführt wurde. Wenig später habe man zum 30. Jubiläum sogar fünf unterschiedliche Stücke auf die Bühne gebracht.

    In den 60er Jahren erlebte die Volksbühne einen Einbruch. Teilweise kamen nur 30 Zuschauer zu den Aufführungen. „Sicherlich dem geschuldet, dass der viereckige Kasten die Wohnzimmer erobert hat“, erklärte Frank Griesheimer, 1. Vorsitzender. Die Auflösung des Vereins – die laut Satzung nur Einstimmig erfolgen kann – verhinderte mit nur einem weiteren Mitglied zusammen Peter Bischof. „Aufgelöst wird nicht“, habe er damals gesagt, „auch wenn ich der einzige bin, der auf der Bühne steht.“ Die Renaissance kam mit der in den eigenen Reihen zunächst mit Zweifeln beäugten Idee, ein Stück im Lampertheimer Dialekt aufzuführen. Diese Idee sollte sich als Rettung erweisen. Die Warteschlangen für den Vorverkauf schienen endlos, teilweise standen die Interessenten schon am Vorabend an. Aus dieser Not eine Tugend zu machen, war das Beste, was dem Verein passieren konnte: Die Einführung der Ticket-Reservierung für Mitglieder. Mit den daraus resultierenden steigenden Mitgliederzahlen war auch die Finanzierung des Vereins mehr als gesichert. Im Jahre 1982 wurde, initiiert durch den im vergangenen Jahr verstorbenen Ehrengeschäftsführer, Gerhard Baum, erstmals eine Spende übergeben. Seither bezeichnet sich die Volksbühne Lampertheim als Spendenpate des Projekts Kinderplanet der Aktion für Krebskranke Kinder e.V. Heidelberg.

    Der Gründungsball fand am 13. Juni 1926 im Gasthaus zum Reichsadler statt.
    Foto: Volksbühne Lampertheim

    Aktuell zählt die Volksbühne Lampertheim über 500 Mitglieder. In der Saison 2025/26 durften die Aktiven rund 3.500 Zuschauer begrüßen und auch die Termine für die kommende Saison sind bereits gesichert. Das Stück für die Jubiläums-Spielzeit steht zwar noch nicht fest, „es zeichnet sich aber eine Tendenz ab“, verriet Griesheimer. Bevor dieses besondere Stück aber auf die Bühne kommt, findet am 20. Juni die Jubiläumsveranstaltung mit Jubiläumsschirmherr Erich Maier statt. Mitglieder sowie Vertreter der ansässigen Kulturvereine, aus der Politik und der Kirche – zu der die Volksbühne eine enge Bindung hat, hat sie doch 1978 in der Notkirche eine feste Heimat gefunden – werden gemeinsam 100 Jahre Revue passieren lassen. In diesem Zuge finden auch die diesjährigen Spendenübergaben statt, die sich mit 4.000 Euro natürlich an den Kinderplaneten richtet. Alle weiteren Spendenempfänger werden zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht verraten.

    All das könnte es nicht geben, wenn nicht viele Ehrenamtliche auf, hinter und vor der Bühne mit Herzblut dabei wären. „Wir sind froh, dass es immer wieder Leute gibt, die sich von August bis Januar in den Dienst der Bühne stellen“, ist Griesheimer dankbar.

    Nadine Schütz

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